Harte Schicksale hinter der Grenze. Tschechischer Polier beklagt Härtefälle durch Grenzschließung – und dankt Chef.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 03. April 2020 (05:24)
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In Mangelberufen gelten Beschäftigte aus dem tschechischen Grenzraum wie im Fußball als wichtige Leistungsträger. Dass diese Beziehung keine Einbahnstraße ist, führt Vlasti Bednář vor Augen.

Tschechien habe viele Jahre von Pendlern profitiert. Indem der Staat diese verpflichtete, für Arbeit in Österreich drei Wochen hier zu bleiben und dann fix zwei Wochen in Quarantäne zu gehen, gefährde er Existenzen. Bednář berichtet von alleinerziehenden Müttern, die in Firmen nahe des Wohnortes mangels Alternative gekündigt wurden, weil die Grenze dazwischen ist, Kurzarbeit nicht möglich ist: „Was sollen sie jetzt tun? Wie die Kinder versorgen, wie die Hypotheken abzahlen?“

Als „Grenzgänger“ steht ihnen das geringe Arbeitslosengeld aus Tschechien zu, nicht jenes aus dem System, das sie zuvor mitfinanziert hatten, bestätigt Michael Preissl (AK Gmünd).

Bednář arbeitet seit 20 Jahren bei Leyrer+Graf, aktuell als Polier einer Straßenbau-Partie. Das bleibt er. L+G habe sich sehr darum bemüht, dass keiner den Job verliert – nicht einmal jene, die erst aus dem Winter zurückkommen. „Vielen Dank Herr Baumeister Stefan Graf“, sagt er, „ich bin stolz darauf, bei einer solchen Firma zu arbeiten!“

Er habe noch den Eisernen Vorhang erlebt: „Was wir 1989 getan haben, taten wir, damit unsere Kinder eine bessere Kindheit haben, sie reisen und lernen können, und nicht, damit diktiert wird, was wir dürfen und was nicht.“ Aktuell würden nur Betonbarrieren und Stacheldraht auf diese Zeit fehlen.