Mit „Rüscherln“ gegen die Motten. Neue Hingucker am Stadtberg sind keine Vorboten auf eine Wahl.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 10. Mai 2021 (05:02)
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Die Kastanienreihe entlang des Gmünder „Stadtbergs“ hat ja schon allerhand mitgemacht – im Winter setzt ihr das Salzwasser der Schremser Straße zu, im Sommer die „Kastanienminiermotte“, und zu Vorwahlzeiten gleicht sie traditionell einer langgezogenen Plakatwand. Jetzt „zieren“ Plastikhüllen die Kastanienstämme. Die dienen aber ihrem Schutz.

Neues ausprobieren. „Als Natur im Garten-Gemeinde bekennen wir uns zum umweltfreundlichen, pestizidfreien Vorgehen. Daher heißt es aktuell, Neues auszuprobieren und Erfahrungswerte zu sammeln“, sagt Thomas Votava, Leiter des Wirtschaftshofes. Die Larven der Kastanienminiermotte fressen sich aber durch die Blätter des gleichnamigen Baumes, wodurch diese viel zu früh im Sommer welk werden und Zeit verlieren, um mittels Fotosynthese Reserven für den Winter zu produzieren. So wird der durch die Straße ohnehin irritierte Baum freilich geschwächt, regelmäßig muss einer durch eine junge Kastanie ersetzt werden.

In Weitra zieren Wasserbeutel etliche Jungbäume, Gmünd will folgen. Auch zum Schutz der Kastanienreihe am Gmünder Stadtberg (ganz oben) vor Motten wird getestet.
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Die Stadt Gmünd testet in der Schremser Straße daher erstmals die biologische Abwehr der Motte. Durch die mit klebriger Schicht umhüllten Plastikringe an Stämmen sollen die Motten – die aktuell zum Schwärmbeginn knapp am Stamm fliegen – eingefangen werden, ehe die Weibchen Eier an den jungen Blättern ablegen können. Ob es was genützt hat, das wird sich weisen.

Für den Boden geht der Bauhof genauso neue Wege. So werden nach Vorbild von Gemeinden wie Weitra erste Jungbäume in Bodennähe mit grünen Beuteln ummantelt. Votava: „Durch sie soll das Wachstum unterstützt werden, indem Bäume ein konstantes Feuchtigkeits-Level erhalten.“ Gestartet wird am Schubertplatz in der Neustadt. Hier mussten vier ausgewachsene Linden gefällt werden, weil diese in direkter Nähe zu Fußgänger-Querungen gefährlich viel Totholz aufgebaut hatten (Votava: „Eine Linde hatte nur noch einen grünen Zweig.“). Die nachgesetzten Junglinden sollen künftig aus den wassergebenden Säcken sanft versorgt werden.