Opfer bat um Gnade für Peiniger: Dennoch Haft. Mehrfach Vorbestrafter, der eigentlich Zutrittsverbot zum Gericht hat, soll Nachbarn mit Eisenstange geschlagen haben. Der 63-Jährige muss auch 1,5 Monate offene Haft absitzen.

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. Februar 2020 (04:48)
APA/Webpic

„Herr Rat, bitte sperren Sie ihn nicht ein. Ich war selber schon im Gefängnis und weiß wie es da ist“, bat das Opfer den Richter um Gnade für den Angeklagten, obwohl ihm dieser mit einer Eisenstange einen Hieb versetzt haben soll.

Die Bitte brachte aber nichts: Der Angeklagte, ein 63-jähriger, in der Türkei geborener Gmünder, muss ins Gefängnis.

 „Bei fünf Vorstrafen und einer Geldstrafe, die sie abgesessen haben, sehe ich keinen Milderungsgrund.“ Bezirksrichter zum Angeklagten

 Auf immerhin fünf Vorstrafen hatte es der Mann bereits gebracht. Vor einigen Tagen saß er wieder auf der Anklagebank am Gmünder Bezirksgericht. Die Sicherheitsmaßnahmen waren bei der Verhandlung erhöht, ist der Angeklagte doch wegen seines mehrfach unrühmlichen Benehmens mittlerweile mit einem Zutrittsverbot zum Gerichtsgebäude belegt.

Zur Verhandlung musste er aber erscheinen, sie verlief ohne Zwischenfälle. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und bestritt, seinen Nachbarn tatsächlich mit der Stange geschlagen zu haben. „Ich habe nur mit der Eisenstange so getan, als ob ich ihn schlagen würde, getroffen habe ich ihn nicht. Meine Werte sind beim Streit halt gestiegen“, erklärte er dem Richter.

Das Opfer, dessen Verletzung an der Hand von der Polizei fotografiert worden war, habe den Angeklagten wegen dessen tagelangem Holzschneiden zur Rede gestellt. Dabei sei ein Streit entbrannt, der mit der Aktion mit der Eisenstange geendet hatte.

Der gebürtige Türke wurde zu vier Monaten Haft verurteilt. Dazu kommen noch die nicht abgesessenen eineinhalb Monate, um die er früher aus seiner jüngsten Haft in Krems entlassen worden war. Der Mann muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.

„Bei fünf Vorstrafen und einer Geldstrafe, die Sie abgesessen haben, sehe ich keinen Milderungsgrund“, meinte der Bezirksrichter. Nach dem Urteil geriet der Angeklagte doch leicht in Rage. Lautstark tat er seinen Unmut kund: „Das ist keine Gerechtigkeit, das ist illegal.“

Der Richter erklärte ihm die Möglichkeiten, gegen das Urteil zu agieren. Der Angeklagte will Rechtsmittel anmelden.