Abfischen könnte Weltkulturerbe werden. Ein Antrag wird bei der UNESCO eingebracht. Teichtaufen mit Karpfenkönigin Luna und dem neuen Zepter sind geplant.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:59)
Die erste Teichtaufe des NÖ Teichwirteverbandes fand am 11. Mai in Thaures statt. Der Teich von Anna und Friedrich Hofbauer (links) heißt jetzt offiziell „Hofbauer-Teich“. Als Patin fungierte Karpfenkönigin Luna Nosko, die ihr neues Zepter von Teichwirteverbands-Geschäftsführer Leo Kirchmaier und Obmann-Stellvertreter Andreas Kainz überreicht bekommen hat.
Franz Dangl, Franz Dangl

Mit der feierlichen Überreichung eines Zepters an die niederösterreichische Karpfenkönigin und einer „Teichtaufe“ in Thaures bei Heidenreichstein startet der Teichwirteverband in einen ereignisreichen Projektsommer. Unter anderem soll das „Waldviertler Teichabfischen“ ein immaterielles Kulturerbe werden.

Umfangreiche Leuchtturmprojekte

„Wir haben im Verbandsbüro die Corona-Pandemie mit den vielen Lockdowns intensiv für die Projektarbeit genutzt“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Leo Kirchmaier und gibt einen ersten Vorgeschmack auf den Sommer: „Ganz aktuell arbeiten wir gerade an der Einreichung des ‚Waldviertler Teichabfischens‘ zur Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO. Außerdem wollen wir in Summe 72 innovative Spiel- und Informationstafeln an Teichen in ganz Österreich installieren und die CarpTrails vermehrt anbieten. Bei diesen geführten Radtouren an Teichen soll die klassische Wissensvermittlung mit Betriebsbesichtigung mithilfe von E-Lastenrädern verschmelzen.“

Geschnitztes Karpfenzepter

 Andreas Kainz hat als Obmann-Stellvertreter des NÖ Teichwirteverbandes am 11. Mai der niederösterreichischen Karpfenkönigin Luna I das eigens für sie kreierte und aus Lindenholz geschnitzte Karpfenzepter im Beisein von Geschäftsführer Leo Kirchmaier und Vorstandsmitglied Friedrich Hofbauer verliehen. „Mit dem Karpfenzepter möchten wir ein sichtbares Zeichen für den Start in den Projektsommer unseres Verbandes setzten. Da es heuer so vieles zu eröffnen gibt, braucht unsere Karpfenhoheit Luna I. natürlich auch ein würdiges Zepter, um bei der Einweihung und Eröffnung entsprechend unterstützen zu können“, zeigt sich Kainz erfreut.

Informationstafeln für die Teiche. Ein bisher nie da gewesenes Projekt im NÖ Teichwirteverband in Art und Umfang sei sicherlich jenes der innovativen Spiel- und Informationstafeln an Teichen. „Seit rund eineinhalb Jahren arbeiten wir intensiv an der Planung und Umsetzung“, verrät Kirchmaier als Projektleiter insbesondere im Hinblick auf die umfangreichen behördlichen Bewilligungen. „Wir möchten dabei die Teiche unserer Region vor den Vorhang holen. Viele liegen etwa in naturschutzfachlich geschützten Bereichen, wie Natura-2000-Gebieten, oder weisen historische, technische oder ökologische Besonderheiten auf. Diese Geschichten wollen wir den Leuten erzählen und auch die jahrhundertealte, handwerkliche Praktik des Teichabfischens erklären. Denn ohne die Bewirtschaftung würden diese Juwelen der Landschaft schnell wieder verschwinden“, so Obmann-Stellvertreter Kainz.

Teichtaufe mittels Zepter

„Ein weiteres Projekt wird zukünftig die sogenannte Teichtaufe, vorrangig für Mitglieder, sein“, erklärt Kainz. „Werden also Karpfenteiche neu errichtet, dann verleihen wir in Absprache mit dem Eigentümer einen für die Region passenden Namen für den Teich“, so Kirchmaier, denn „fast alle Teiche haben einen historisch gewachsenen Namen, der vielfach auch spezifisch für die jeweilige Karpfenteichregion ist.“ Typisch für das Waldviertel sei etwa ein Bezug zur nahegelegenen Ortschaft, dem Teichbesitzer, der umgebenden Landschaft bzw. den Feldnamen oder der Nutzungsart. Die Teiche in der Nachbarregion Tschechiens haben hingegen oftmals einen religiösen Bezug. Die Teichtaufe vor Ort selbst obliegt dann der Karpfenkönigin als Patin. Zur Bezeichnung des Projektnamens „Teichtaufe“ werde klargestellt, dass es sich rein um den feierlichen Akt der Namensvergabe, wie bei der Schiffstaufe, handle – ganz ohne religiösen Bezug.

Erste Taufe in Thaures

„Bei der Teichtaufe am 11. Mai hat man sich für den Namen „Hofbauer-Teich“ entschieden und folgt damit den Waldviertler Traditionen“, betont Kirchmaier. Der 2019 errichtete Teich ist etwa zwei Hektar groß und weist eine Besonderheit auf: „Hier hat es schon einmal einen Teich gegeben, das geht aus historischen Kartenaufzeichnungen hervor. Außerdem konnte ein beim Teichbau gefundenes hölzernes Ablassrohr aus Tanne sogar auf 380 Jahre zurückdatiert werden“, kann der Verbandsgeschäftsführer über die historisch weit zurückliegende Geschichte der Teichwirtschaft berichten.

„Nun geben wir seitens des NÖ Teichwirteverbandes den frisch verliehenen Teichnamen bei den Behörden amtlich bekannt. Über das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen wird dann mittelfristig der Name Eingang in das offizielle Kartenmaterial, die sogenannte Österreichkarte, finden. Das ist quasi die offizielle Stammdatei, von der dann in weiterer Folge etwa für die Ausarbeitung einer lokalen Radfahr- oder Wanderkarte abgeschrieben wird, und der Name so mitübernommen wird.“

Umfrage beendet

  • Waldviertler Teichabfischen als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe?