Tatsächlich Interesse an 64 Baugründen?. Kritik von Verkehrsplaner an Siedlungsprojekt in Kirchberg. Gemeindechef sieht bei hoher Nachfrage keine Alternative.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 11. April 2021 (04:03)
Gemeinde Kichberg

Kritik an den via NÖN vorgestellten Plänen der Marktgemeinde Kirchberg, im Eck zwischen Schloss, Autohaus und Ausfahrt Hollenstein ein Wohngebiet mit 64 Bauparzellen zu schaffen: Verkehrsplaner David Wurz-Hermann fühlt sich wegen der Dimension – sie entspreche der Größe fast des „gesamten restlichen älteren Siedlungsgebietes“ des Hauptortes Kirchberg mit etwa 500 Einwohnern – an eine „vergangen geglaubte Zeit“ erinnert.

Bauland eigentlich im Überfluss. Er fürchtet einen „Schaden für Ortsbild, Ackerflächen, Verkehr, Natur, Umwelt und Klima“, aber auch für die Gemeindekasse – weil er bezweifelt, dass sich hier in absehbarer Zeit 200 Menschen ansiedeln werden, die 1,2 Millionen Euro an Ablöse für die Gründe plus Infrastruktur- und Erhaltungs-Kosten somit kaum zurückkommen werden. Wurz-Hermann fordert, „effektiv das Problem der Baulandhortung“ anzugehen. Bauland gebe es, wie Bürgermeister Karl Schützenhofer (ÖVP) zur NÖN gesagt hatte, zur Genüge.

Letzteres bestätigt der Angesprochene neuerlich. Elf Prozent aller im Ort Kirchberg gewidmeten Baugründe sind laut Schützenhofer frei, es sei schon mit etlichen Eigentümern darüber gesprochen worden. Aber: Alle Gründe seien in privater Hand, da bestehe überwiegend kein Interesse am Verkauf. Teils seien auch rechtliche Einschränkungen eine Herausforderung, teils eine ungünstige Lage, teils sich daraus ergebende geringe Preise.

Interessierte hätten daher seit Jahren praktisch keine Möglichkeit, sich häuslich niederzulassen, gingen an andere Gemeinden verloren. Im Ortskern gebe es Leerstand, räumt Schützenhofer ein. Große Alternativen sieht er jedoch auch dort nicht: Der Bestand sei teils alt, sehr groß, mit hohem Sanierungsaufwand verbunden. Die Bevölkerung verteile sich daher aktuell auf eine relativ große Fläche.

Glaubt er echt, die mehr als 60 Parzellen in absehbarer Zeit verkaufen zu können? Davon ist der Gemeindechef sogar überzeugt – unter anderem aufgrund der zentralen Lage mit flotten Anbindungen nach Gmünd, aber auch in die Bezirke Waidhofen und Zwettl, einer Wieselbus-Station, einer intakten Infrastruktur mit Nahversorgung, Betreuung vom Kleinkind aufwärts oder einer Auswahl an Ärzten. Schon jetzt habe er, wie er sagt, sechs konkrete Interessen für einen der Bauplätze bei der Hand.

Eine erste von drei geplanten Tranchen an Bauplätzen soll an der Ostseite wie berichtet noch vor dem Sommer parzelliert, für den Verkauf angeboten und mit einer Siedlungsstraße erschlossen werden. Bürgermeister Schützenhofer kündigte hinsichtlich der Preisgestaltung ein Nullsummenspiel an – die Kosten für die Gemeinde sollen 1:1 auf den Preis umgelegt werden.