Filmreifes hart an der Grenze. Zum bald grotesken Wetteifern beim Grenzschutz in Coronazeiten

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:10)

Als Bewohner einer Grenzregion ist man einiges gewohnt. Was sich hier angesichts der Corona-Pandemie abspielt, reift aber bald zur Vorlage für eine Film-Groteske.

Zu „unserer“ Verteidigung: Die Tschechen haben angefangen. Sie überrumpelten sich mit der Schließung der Grenze zu Österreich derart, dass es in der Eile der Plastikbänder, Baumstämme, Betonklötze oder wie am Weg zum Gmünder Strandbad des simplen Sandhaufens bedurfte. Um der Dringlichkeit Nachdruck zu verleihen, zog das Militär gen Grenze. Leute im Ganzkörper-Schutzanzug tauchten auf. Ja, wir verstanden: Gefahr für Leib und Leben! Selbst die Lauf- oder Radrunde nach Böhmen, wo man ein paar Meter vom Gmünder Stadtplatz entfernt einst mutterseelenalleine im Wald unterwegs war, ist nicht mehr.

Dann schickte auch Österreich Polizei, Behörde, Militär und Straßendienst zur Grenze, nun getoppt durch Patrouillen im Grenzland. Für 100 km Grenze samt Übergängen zwischen Bezirk Gmünd und Böhmen kamen 80 Soldaten aus Salzburg bzw. Militärmusik, weniger als einer pro Kilometer. Sieht etwa zur Alternative des Läufchens Gmünd-Böhmen so aus: Du läufst vom Stadtplatz via Naturknallweg am bewachten Übergang Böhmzeil vorbei zum verbetonierten Übergang Access-Park, vorbei an meist im stehenden Auto die Zeit totsitzenden Patrouillierenden, und raus in den Gemeindewald, immer eng an der Grenze. Dort im Wald, wo du wunderbar unerkannt das Land wechseln könntest: keine Spur von Streitkräften beider Seiten.

Die Menschen im Bezirk Gmünd und drüben nehmen das Virus und die Maßnahmen sehr ernst, auch deshalb gab es da wie dort fast keine Infektionen. Das teure Wetteifern an der Grenze ist völlig überzogen – bitte hört auf damit!