Viel Wind um „Vindobona“-Verbindung. „PR-Schmäh“: Grüne und „Pro FJB“ schießen sich auf ÖVP-Landesrat Ludwig Schleritzko ein. Der präzisiert Vorhaben.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 14. April 2021 (02:23)
Graue Eminenz: 30 Jahre nach Abzug der populären „Vindobona“-Schnellverbindung könnte diese mit Fahrplanwechsel im Dezember 2022 ein Comeback auf der FJB finden.
Archiv Schmied

Die NÖN-Exklusivstory über Pläne des Landes NÖ zur Reaktivierung einer „Vindobona“-Verbindung an der Franz-Josefs-Bahn zwischen Wien und Prag mit Umsteigeoption nach Berlin wurde von anderen Medien dankbar übernommen – und online sehr rege diskutiert.

Das Echo auf die NÖN-Exklusivstory Ende März war nicht nur medial enorm.  
Faksimile NÖN

70 Prozent von immerhin 800 Teilnehmern einer Umfrage auf NÖN.at gaben an, eine „realistische Chance“ für die Rückkehr des zwischen 1957 und 1992 trotz „Eisernem Vorhang“ verkehrenden Paradezuges zu sehen. Das Thema hat einfach als nostalgische Erinnerung an Zeiten, als die FJB noch internationale Geltung hatte, sehr starke Strahlkraft. Vielleicht gerade deshalb rief es auch sehr heftige Kritik hervor.

Wo das Problem ist, wenn Pläne für das Waldviertel geschmiedet werden?

Pro-FJB und Grüne halten sie für eine „Nebelgranate“ und einen „PR-Schmäh“ von Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko zur Ablenkung von angeblicher Unzufriedenheit mit den vor Weihnachten von Land NÖ und Bund veröffentlichten Ausbauplänen, das Land wolle bloß Kosten auf den Bund abwälzen.

Wenn die ÖVP die Bahn als „Rückgrat“ der Region sehe, wie es der Waldviertler Landesrat via NÖN gesagt hatte, dann müsse diese „die Blockade für den weiteren Ausbau der Strecke endlich aufgeben“, ruft Grünen-Abgeordnete Silvia Moser ihre Vision der „4-Städte-Bahn“ über einen Knoten Schwarzenau zu allen Waldviertler Bezirkshauptstädten in Erinnerung. Diese könne auch die Anbindung an Tschechien stärken. Auch wiederholt sie ihre Forderung für FJB-Begradigungen zwischen Horn und Gmünd, um die kürzeste Trasse auch zur „schnellsten Verbindung zwischen Wien und Prag“ zu machen.

Stattler: „Schleritzko kündigt an, Bund soll die Zeche zahlen.“

Schärfer formuliert Gmünds Grünen-Bezirkssprecher Manfred Stattler die Kritik – die Vindobona-Vision diene lediglich der Verschleierung dessen, dass „zwischen Horn und Gmünd nichts Nennenswertes investiert wird“. Die Ankündigung sei eine populäre Einzelaktion, aber nicht Teil eines Gesamtpaketes, das es für das Waldviertel brauche. Schleritzko wolle sich einen Erfolg auf seine „Fahnen heften“, für den der Bund und nicht das Land zahlen solle.

Landtags-Abgeordnete Silvia Moser fordert Ende von „Blockade“. Bahn-Aktivist Gerald Hohenbichler: „Whataboutismus“ von Schleritzko. Landesrat Ludwig Schleritzko: Kostenneutralität in erstem Schritt.
Die Grünen; Archiv; Monihart

Ähnlich tönt es von Gerald Hohenbichler („Pro FJB“). Das Land NÖ wolle nicht für den Vollausbau der FJB zahlen, und wolle nun auch die Kosten für den in der „Bahnstudie 2016“ erwähnten Sprinter Wien-Budweis durch Umwandlung zur Fernverbindung dem „grünen“ Verkehrsministerium zuschieben. Hohenbichler nennt die Vision einen „Whataboutismus von Schleritzko, um von seinem Versagen in der NÖ Verkehrspolitik abzulenken“. Der Start mit Fahrplanwechsel im Dezember 2022 komme gerade gut als Propaganda für die Landtagswahl Anfang 2023, tatsächlich habe schon Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll 2016 mit Tschechien über eine Direktverbindung Wien-Gmünd-Prag verhandelt.

Hohenbichler: „Verhinderer, Zukunftsverweigerer.“

Gegner einer Direktverbindung Göpfritz-Horn-Eggenburg kritisiert Hohenbichler als „Blockierer, Verhinderer und Zukunftsverweigerer eines innovativen Bahnausbau-Leuchtturmprojekts“. „Egoistische kommunale Einzelinteressen“ seien dem überregionalen Nutzen übergeordnet. Zwischen Irnfritz und Hötzelsdorf ist ein zweigleisiger Ausbau geplant. Der bringe aber wenig, solange die Begradigung des 180-Grad-Bogens bei Ludweishofen nicht gleich mit erfolge, sagt er.

Welche Züge den Vindobona bedienen sollen, fragt Hohenbichler. Welche Halte im Waldviertel angedacht sind, immerhin solle ja eine „konkurrenzfähige Fahrzeit“ nach Prag erreicht werden. Was das Land NÖ beisteuere, und warum das Land überhaupt etwas verhandle, das als „internationale Verbindung“ eigentlich dem Bund zufalle?

Schleritzko: Positive Signale aus dem Ministerium

Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) weist darauf hin, dass seine Vindobona-Vision als „Herzensprojekt“ von ihm schon im Herbst 2020 – lange vor Debatten über eine „4-Städte-Bahn“ oder Details des „Mobilitätspaketes“ – im NÖN-Interview nachzulesen war. In der letzten März-Woche sei nun in dem Prozess die organisatorische und technische Machbarkeit per Videokonferenz mit tschechischer Seite abgeklärt worden, daher habe er die Einigung eben zu dem Zeitpunkt der NÖN bestätigen können. Jetzt gehe es darum, die Pläne mit dem Bund abzustimmen, damit der die „Bestellung“ der Verbindung einleiten könne – von dort seien bereits positive Signale vernommen worden.

Erste Stufe der Vindobona-Rückkehr soll für alle kostenneutral sein

Grundsätzlich gehe es vor allem gar nicht darum, nennenswerte neue Kosten aufzuwerfen, wird im Büro Schleritzko betont: Die Idee sei es, einen bestehenden Zug kostenneutral zeitlich zu verlagern, im Waldviertel mit regionalen Stopps und in Tschechien als Fernverbindung zu führen. Er solle durch Tschechien von den ÖBB übernommen werden. „Ziel ist es in einem ersten Schritt einmal, den Fuß in die Tür zu bekommen, das Angebot für Pendler und Städtereisende an den Wochenenden wieder zu schaffen und die Nachfrage abzuwarten“, heißt es. Wenn sich das Modell bewähre, gehe es in einem zweiten Schritt um Verbindungen auch unter der Woche – dann erst müsse über die Finanzierung gesprochen werden.

„Grünen-Kritik auch als Kritik an eigener Ministerin“

Noch einmal weist Schleritzko auf ein seit vielen Jahren historisches gemeinsames Investitionspaket von Land NÖ und Bund für die Franz-Josefs-Bahn hin, das auch im Regionalverband quer durch alle Fraktionen samt Grünen einstimmig beschlossen wurde.

Im Zuge des „Mobilitätspaketes nördliches NÖ“ seien fast 600 Millionen Euro für die Bahn – mit Anbindung an die Westbahn-Trasse – bis 2029 vorgesehen. Dennoch müsse akzeptiert werden, dass auf Landes- und Bundesebene einfach nicht jeder Wunsch erfüllbar sei. Und, in Richtung Grüne NÖ: Kritik am Paket sei auch Kritik an Grünen-Ministerin Leonore Gewessler, die trotz allem am Ende die Entscheidungen über Ausbauten der Bahn-Infrastruktur treffe. Wen das störe, der müsse auch mit ihr reden. Alleine die Kosten im Zusammenhang mit dem oft geforderten „Allentsteiger Knie“ wurden vom Verkehrsverbund Ost-Region mit 670 Millionen Euro beziffert.