Corona & das Leben im Wunderland. So erlebten die aus Hoheneich stammenden Peter Neuhauser und Wolfgang Weinzettl die Coronakrise in Neuseeland:

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:25)

Knapp 1.500 Infektionen, 21 Todesfälle mit Covid-19 – Zahlen von denen viele andere Länder nur träumen können. Im „Corona-Wunderland“, als das manche das 4,8 Millionen Einwohner zählende Neuseeland adelten, leben viele österreichisch-stämmige Familien. Mit zwei Hoheneichern, die auf die andere Seite der Welt gezogen sind, hat die NÖN gesprochen.

„Unsere Regierung hat das sehr gut gehandhabt, früh gehandelt“, sagt Wolfgang Weinzettl, der mit seiner Familie in Pirongia, einem 1.400-Seelen-Ort 135km südlich von Auckland, lebt. Vor zwei Wochen wurden die Einschränkungen von Level 4 auf Level 3 abgestuft. Geschäfte, in denen man kontaktlos einkaufen kann, haben wieder geöffnet – davor gab‘s wochenlang nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Das Land war gesperrt, nur Einwohner durften einreisen, mussten aber in eine zweiwöchige Quarantäne.

„Der Wirtschaft brennt‘s ein Loch“, sagt Weinzettl. „Aber ich zahle lieber die nächsten 20 Jahre 1.000 Dollar im Jahr mehr Steuern, als eine Lage wie in den USA zu haben.“

Pirongia statt Hoheneich

Weinzettl lebt seit den 1990ern in Neuseeland, seit vielen Jahren ist er Nachbar von Peter Neuhauser, der auch aus Hoheneich stammt. Weinzettl schmunzelt: „Wir kennen uns, seit wir denken können.“ Corona habe Neuseeland früh und hart getroffen, sagt Neuhauser: „Von Tag eins gab es auch finanzielle Rettungspakete.“

Beide Neuhausers sind selbstständig – er als Optiker, seine Frau Monika, die er 1988 in Graz kennenlernte und heiratete, als Schneiderin. Die Hilfe kam unbürokratisch. „Der Antrag war in zwei Minuten ausgefüllt, 48 Stunden später war das Geld für drei Monate am Konto.“

Als Optiker startete Neuhauser 1979 nach Gymnasium Gmünd und BORG Krems in Wieselburg bei Forster Optik. Mit der Neuseeland-Idee in Berührung kam er erstmals 1985, nach der Übersiedlung nach Wien. „Ich habe für eine internationale Optikerfirma gearbeitet und dort einen Grazer kennengelernt, der mir erzählt hat, dass er nach Neuseeland auswandern möchte. Ich bin immer schon gerne gereist, und diese Idee hat mich fasziniert, ich wollte das Land unbedingt einmal sehen…“

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1988 war‘s soweit – mit seiner Monika ging‘s im Dezember „ins große Abenteuer“. Für zwei Jahre. Nachdem Sohn Fabian zehn Wochen zu früh zur Welt kam, zog man zurück nach Österreich. Neuhauser arbeitete wieder für Forster Optik in Melk.

„Eines Abends hatten wir Freunde aus den USA, die wir aus Neuseeland kannten, zu Besuch. Wir haben fast nur über Neuseeland gesprochen. Als alle zu Bett gegangen waren, habe ich ein paar Telefonate geführt. Beim Frühstück habe ich meiner Frau gesagt, wir gehen zurück. Sie war gleich dafür“, erzählt Neuhauser. „Wir mochten die Stimmung in Österreich nicht mehr, nachdem wir so lange in einem multikulturellen Land gelebt hatten…“

Bald wieder zurück

Drei Monate später ging‘s zurück. Mit dabei neben Fabian auch Tochter Johanna (damals ein halbes Jahr alt). Heute absolviert sie nach einem Abschluss an der Auckland-Uni gerade ihr Master-Studium an der Vet-Med-Uni in Wien. Fabian ist als Projekt-Manager tätig.

Peter Neuhauser nahm nach der Rückkehr einen Job in Auckland an. „1994 sind wir dann nach Pirongia gezogen. Wir haben hier 4.500m² Grund und lieben es“, sagt Neuhauser, der seit vielen Jahren selbstständig als Optiker und Berater (auch für Carl Zeiss) tätig ist. Monika Neuhauser war viele Jahre im Unternehmen ihres Mannes tätig, ehe sie als Schneiderin ihr eigenes Unternehmen eröffnete. „Sie hat zu Hause ihr eigenes Studio, viele Preise gewonnen“, erzählt Neuhauser.

Corona haben sie gut überstanden – genauso wie die Weinzettls (Wolfgang, Gerlinde und die Kinder Clara (23) und Clemens (21)). „Wir kaufen Milch beim Bauern, meine Frau bäckt Brot, wir haben Hühner, Enten, Schafe. Ich gehe Fischen und Jagen. Wir machen Most und Schnaps selbst, haben Obstbäume. Da bei uns gerade Herbst ist, ist Erntezeit“, schildert Weinzettl. „Für uns hat sich nicht viel geändert. Die meiste Arbeit kann ich über Video-Konferenzen machen.“

Kooperation mit Europa

Weinzettl ist Maschinenbauer mit Schwerpunkt Umwelttechnik. Ihm gehört die Firma ECO Technology. „Ich habe ein Verfahren zur Erzeugung von Aktivkohle aus Abfallbiomasse entwickelt, das ich derzeit auch in Europa implementiere“, erzählt er.

Daneben ist er Technischer Direktor von NARC (Not a rubbish company), die nach dem Erdbeben in Christchurch 2011 eine Recycling-Anlage konstruiert hat, die gerade in Auckland neu aufgebaut und erweitert wird. „Dort sind Maschinen der Firma IFE aus Waidhofen/Ybbs in Betrieb!“, betont Weinzettl, der auch regelmäßig in Europa ist, um für die Plattform für Aktivkohle zu verhandeln.

Nach der Lehre bei Felten & Guilleaume (nun Eaton) studierte er in St. Pölten Maschinenbau und war dann als Projektleiter in verschiedenen internationalen Projekten tätig – von den Philippinen über Saudi Arabien und Jordanien bis Kanada. 1990 hat er am Waidhofner Folkfestival seine heutige Frau Gerlinde aus Texing an der Mank kennengelernt. Gemeinsam haben sie bald darauf beschlossen, Österreich zu verlassen. „Ich bin mit der damaligen politischen Lage in Europa nicht klar gekommen. Viele Leute haben ja heute scheinbar immer noch Lust auf eine Zugabe von 1938…“

Abrechnung mit der Heimat war das Auswandern aber keine. Der Kontakt ist nach wie vor rege. Verwandtschaftsbesuche, Treffen mit Freunden. „Die gibt es nicht nur im Waldviertel, sondern von Würzburg über die Oberpfalz bis nach Tim buktu“, schmunzelt Weinzettl.

Auch Neuhauser kommt zumindest einmal im Jahr zu seinen Eltern nach Hoheneich: „Wir bekommen aber auch sehr viel Besuch aus Österreich. Auch viele Kinder von Freunden waren schon bei uns zu Gast.“