Großauftrag für Gmünder Landschaftsplaner. Landschaftsplaner Grossauer plant Naherholungsraum im Stadtmauernpark Groß Enzersdorf.

Von Karin Pollak. Erstellt am 13. Mai 2021 (05:57)

Der Landschaftsplaner und Landschaftsarchitekt Franz Grossauer aus Gmünd hat einen Großauftrag an Land gezogen: Um rund eine Million Euro werden der Stadtmauernpark in Groß Enzersdorf (Gemeinde Gänserndorf) und weitere Freizeiteinrichtungen in den Gemeinden Raasdorf und Mannsdorf neu gestaltet und der bestehende Grünraum um die mittelalterliche Stadtmauer attraktiviert. Es soll ein naturnaher Naherholungsraum entstehen.

Bevölkerung von Lärm geplagt

Grund für diese Investitionen ist, dass die Bewohner der Stadtgemeinde Groß Enzersdorf einer ziemlich hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind. Man befindet sich östlich der Bundeshauptstadt Wien und direkt in der Einflugschneise des Flughafens Wien-Schwechat. „Die Bevölkerung ist dauerhaft durch den Fluglärm betroffen. Die Lärmbelastung liegt bei 55 bis 60 dB“, erklärt Grossauer.

Um einen Ausgleich zu der erhöhten Lärmbelastung und der damit einhergehenden Stressbelastung der Bevölkerung zu schaffen, soll der bestehende Grünraum zu einem Naherholungsraum aufgewertet werden. „Der waldartige Grünraum mit den vielen Altbäumen erstreckt sich ringförmig um das Stadtzentrum, außerhalb der Stadtmauer, die 1396 erbaut wurde und heute noch immer knapp zwei Kilometer lang ist“, weiß der Landschaftsplaner. Groß Enzersdorf verfüge damit nicht nur über eine der längsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern Niederösterreichs, Groß Enzerdorf sei auch eine der wenigen Gemeinden Österreichs, die noch eine nahezu vollständig geschlossene Stadtmauer um das Stadtzentrum besitzt.

„Erholung findet genauso Platz wie Orte der Begegnung und des Spiels.“ Franz Grossauer

Planung mit vielen Facetten

Für Franz Grossauer und seine Mitarbeiterin Gloria Winkler ist die Planung des umfangreichen Projektes doch eine gewisse Herausforderung, vieles ist zu berücksichtigen. Da ist der zentral gelegene Grünraum, der derzeit für eine Erholungsnutzung nur extensiv ausgestaltet ist. Die Wege sind teilweise schmal und schwer begehbar, es gibt kaum Ausstattung, die zum Verweilen einlädt. Der Baumbestand sei jedoch ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Parks. Erstrebenswert seien daher Verbesserungen hinsichtlich einer ökologisch wertvollen Artenzusammensetzung und der Erholungsfunktion.

„Aufgrund der Lage im Stadtgebiet, der großen Fläche von über vier Hektar, die zusammenhängenden Grünflächen und des alten Baumbestands besteht ein hohes Entwicklungspotenzial als Naherholungsraum“, zeigt Grossauer auf. Laut Masterplan der Stadtgemeinde Groß Enzersdorf soll hier somit ein „Stadtpark für alle Generationen“ entstehen. Wie das gehen soll, weiß Grossauer: „Erholung findet genauso Platz wie Orte der Begegnung und des Spiels. Laufen, Radfahren, Spazierengehen werden mit Plätzen zum Spielen, Entdecken, Sitzen, Treffen kombiniert. Daraus ergibt sich ein Netzwerk an lauteren und leiseren, schnelleren und langsameren Funktionen, die alle zu einem Abbau von Stresshormonen beitragen können.“

Baumkronenweg geplant

Um dies zu erreichen, soll nicht nur der bestehende Rundweg saniert werden, sondern ein weiterer Spazierweg entstehen. Außerdem soll ein Baumkronenweg Einblicke in das Ökosystem Wald bieten und ein attraktives Element im Stadtmauernpark darstellen. Fitnessgeräte sollen zur körperlichen Betätigung anregen und Sitzelemente unterschiedlicher Art zum Ausruhen und Verweilen einladen. Auch an die jüngere Generation werde gedacht: Ein Pumptrack und eine Kugelbahn sowie weitere Elemente sollen für die Kinder den Park interessant machen. Mit einem homogenen Beleuchtungskonzept werde zudem das subjektive Sicherheitsgefühl in den Abendstunden verbessert.

Im Rahmen der Umgestaltung des Stadtparkes ist auch eine Aufwertung der Ziegelofenstraße geplant. „Wir wollen eine attraktive Verbindung des Stadtmauernparks mit dem Nationalpark Donauauen schaffen, der zum Teil in der Gemeinde liegt. Diese soll nicht nur der Bevölkerung als Verbindung zweier Naherholungsräume dienen, sondern durch eine standortgerechte Bepflanzung als ökologischer Korridor fungieren.“

Förderung vom Umweltfonds

Die Neugestaltung des Stadtmauernparks wird vom Umweltfonds (Fonds zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region rund um den Flughafen Wien) gefördert. Derzeit laufen die Ausschreibungen. Bereits im Juni sollen die Arbeiten starten. Mitte 2022 soll das Projekt fertig sein.