Am linken Auge blind: Kein Job!. Andre Schuhmacher (27) aus Schrems hat trotz 50-prozentiger Behinderung zwei gefragte Berufe erlernt. Arbeitsplatz hat er aber keinen.

Von Karin Pollak. Erstellt am 25. September 2020 (05:48)
Andre Schuhmacher ist gelernter Kunststoffformgeber und CNC-Fertiger und auf seinem linken Auge blind. Die Jobsuche war bisher erfolglos.
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Er ist gelernter Kunststoffformgeber und ausgebildeter CNC-Fertiger, doch am Arbeitsmarkt wird er anscheinend nicht gebraucht. Die Rede ist vom 27-jährigen Schremser Andre Schuhmacher, der sich nach einem folgenschweren Autounfall zurück ins Leben gekämpft hat und jetzt unbedingt arbeiten möchte.

Das Jahr 2011 hat das Leben des damaligen Eaton-Lehrlings total aus den Bahnen geworfen. Bei einem Autounfall wurde er sehr schwer verletzt, lag vier Wochen im Tiefschlaf, musste einige Male operiert werden und verlor trotz aller Bemühungen der Ärzte sein linkes Augenlicht. Zwei Jahre dauerte es, bis er die Lehre als Kunststoffformgeber wieder fortsetzen konnte. Nach der erfolgreichen Lehrabschlussprüfung 2015 wurde sein Dienstvertrag nicht verlängert.

„Wenn er etwas will, setzt er sich voll ein“

Andre Schuhmacher suchte nach einem Arbeitsplatz, vergeblich. „Mein Sohn ist zu 50 Prozent behindert. Das schreckt anscheinend die Firmen ab“, meint sein Vater Günther Schuhmacher. Weder AMS noch diverse Institutionen oder Vereine, die sich für Menschen mit besonderen Bedürfnissen einsetzen, konnten Andre bisher helfen. 2017 gab es dann doch wieder Hoffnung. Er absolvierte zwei Jahre lang eine Umschulung zum CNC-Fertiger über das BFI, schloss diese mit Erfolg ab. „Die Ärzte hatten angenommen, dass Andre das nicht schaffen werde. Aber er ist ein Kämpfer und wenn er etwas will, dann setzt er sich voll dafür ein“, betont Günther Schuhmacher.

Jetzt will der 27-Jährige nur eines: einen Job. „Die Suche ist aber sehr schwierig. Ich schreibe sehr viele Bewerbungen und werde auch zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, die meist sehr gut verlaufen. Aber dann kommen die Absagen“, erzählt er traurig. Er sei voll einsetzbar, hat ein Auto. Nur längere Fahrten oder Schichtarbeiten wären für ihn zu anstrengend.

Zweimal bewerben bei der gleichen Firma?

„Das AMS unterstützt Andre bei der Jobsuche gut. Aber wenn er von einer Firma eine Absage bekommt, er das AMS davon informiert und er zwei Wochen später wieder die Weisung bekommt, sich bei derselben Firma zu bewerben, ist das kontraproduktiv“, zeigt Günter Schuhmacher ein weiteres Problem auf. „Wir haben Herrn Schuhmacher über eine freie Stelle informiert. Ob er davor in diesem Betrieb vorstellig gewesen ist, geht aus seinen Unterlagen nicht hervor. An und für sich schicken wir keine Arbeitssuchenden, die bei einer Firma eine Absage erhalten haben, erneut zu diesem Unternehmen“, zeigt AMS-Leiter Gerhard Ableidinger auf.

Für die Familie Schuhmacher sind das Kleinigkeiten, denn das Wichtigste ist derzeit: „Das gibt es doch nicht, dass niemand meinem Sohn, der ja Berufe erlernt hat, die sehr gefragt sind, eine Chance geben will.“