Doppelter Abschied: SP-Urgesteine hörten auf. Willibald Glaser verließ die Kommunalpolitik nach 30 Jahren, Christine Walguni nach fast 50 Jahren in der Partei: „Irgendwann muss einfach Schluss sein.“

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. Februar 2020 (12:10)
Willibald Glaser und Christine Walguni
Gemeinde Schrems

Mit der Konstituierung des künftigen Schremser Gemeinderates verabschiedeten sich am 18. Februar zwei echte SP-Urgesteine: Die Stadträte Willibald Glaser und Christine Walguni verließen die Politik.

Glaser: 25 Jahre lang im Stadtrat

„30 Jahre Kommunalpolitik sind für mich genug. Ich bin jetzt 62 Jahre alt, irgendwann ist einfach Schluss“, sagt Willi Glaser, der 1973 als Lehrling beim damaligen Textil-Riesen Ergee begonnen hatte und bald darauf Jugend-Vertrauensrat war. Auch nach seinem Wechsel zur Post war und ist er bis heute gewerkschaftlich tätig. So kam er auch in die Politik, wurde 1990 als Gemeinderat angelobt und fünf Jahre später zum Stadtrat für Schule, Sport und Kultur. Diese Funktion behielt er danach ganze 25 Jahre lang inne, einzig das Kulturressort wurde 2015 aus seiner Zuständigkeit ausgeklammert. Mehr als 25 Jahre lang war Glaser zudem Obmann der Mittelschul-Gemeinde, bis zu deren Schließung auch der Sonderschul-Gemeinde.

Der letzte Schremser Postbeamte?

Rückblickend spricht Glaser von einer „interessanten Zeit, in der einiges bewegt wurde“. Aus kultureller Sicht denkt er etwa an Stadthallen-Auftritte von Hansi Hinterseer, EAV oder Kastelruther Spatzen unter seiner Ägide, aus sportlicher denkt er auf die Errichtung des Kunstrasen-Platzes, und aus schulischer an den Schulumbau.

Was die Zukunft bringt, das ist für den letzten verbliebenen Postbeamten in dem vor der Schließung stehenden Postamt im City-Center noch unklar: „Ich bräuchte nach 47 Jahren eigentlich noch drei Jahre bis zur Pension.“ Wie es für das Amt und für ihn selbst beruflich weitergeht, das sei offen. Die Musik, seine große Leidenschaft, könnte jedenfalls wieder einen größeren Stellenwert bekommen.

„Als Lehrling im Konsum bekamst du einfach mit 15 das Parteibuch.“

Auf immerhin 16 Jahre im Gemeinderat, davon zuletzt fünf Jahre auch im Stadtrat, brachte es Christine Walguni. „Irgendwann muss aber Schluss sein. Ich bin jetzt 65 – und damit fast 50 Jahre in der Partei“, schmunzelt Walguni, die einst im damaligen Konsum die Lehre absolviert hatte: „Als Lehrling im Konsum bekamst du einfach mit 15 das Parteibuch, egal ob du wolltest oder nicht.“ 2004, als ihr Sohn Christian Floh seinen damaligen Beruf in Wien und ein Gemeinderats-Mandat zeitlich nicht vereinbaren habe können, führte sie ihr politisches Engagement schließlich in den Gemeinderat. Jetzt wollte sie selbst einen Gang zurückschalten und „Platz für Jüngere machen“, dafür zog ihr Sohn – mittlerweile Rayonsleiter bei Billa im Waldviertel – in den Gemeinderat ein.

Ein Wunsch: „Dass endlich wieder Ruhe einkehrt“

Als Sektionschefin bleibt Walguni der Partei erhalten. Auch im Wahlkampf und nun bei der Ball-Vorbereitung habe sie sich stark eingebunden, sagt sie: „Ich habe die Arbeit viele Jahre lang gerne und mit Liebe gemacht, es war wirklich eine interessante und intensive Zeit. Daher ist mir der Abschied jetzt nicht leicht gefallen.“ Sie möchte aber mehr Zeit mit ihrem kranken Gatten verbringen und sich auch ihren vier Enkerln intensiver widmen können, sagt sie. – Und nennt in Richtung des neu angelobten Gemeinderates nach monatelangem Hickhack ihren politischen Wunsch: „Dass jetzt endlich wieder Ruhe einkehrt. Probleme können gelöst werden.“