Staudinger macht Ernst: "Der Aufstand rollt". Großen Andrang gab es im Gasthaus zur Sonne in Schrems. Ab sofort führt Heini Staudinger dort bei Konsumationen bis 22 Euro keine Mehrwertsteuer ab.

Von Markus Füxl. Erstellt am 19. September 2019 (14:01)
Markus Füxl
Heini Staudinger (rechts) und Roman Pozar (Mitte) kassieren für Speisen und Getränke unter 22 Euro ab sofort keine Mehrwertsteuer mehr. Den Gästen, darunter Alfred Pollak, freut's.

"Der Aufstand rollt" - mit diesen Worten schritt Heini Staudinger am 19. September zur Mittagszeit durch das Gasthaus zur Sonne in Schrems. Wie von der NÖN berichtet, möchte der "Schuhrebell" für Bestellungen im Gasthaus bis zu 22 Euro keine Steuer mehr abführen. Der Grund: Internet-Riesen wie "Alibaba" liefern ihre Pakete bei Rechnungen bis 22 Euro mehrwertsteuerfrei nach Österreich.

"Bei zehn Millionen Packerl in der Woche sind das vier bis acht Millionen Euro geschenkte Steuern", polterte Staudinger. Er fordert gleiches Recht für alle, österreichische Klein- und Mittelbetriebe eingeschlossen.

Internetfirma GEA-Baba gegründet

Für seine Revolte war Staudinger erfinderisch. Er gründete kurzerhand eine eigene Internetfirma: GEA-Baba. Am 19. September konnten die Gäste des Gasthauses bei Konsumationen unter 22 Euro erstmals mehrwertsteuerfrei bezahlen. "Wir werden bis zum letzten Atemzug von den Behörden sekkiert", sagte Staudinger. Das soll jetzt ein Ende haben. Von den Gästen gab es für die verbilligten Getränke und Speisen jedenfalls großen Zuspruch. Das Gasthaus war krachvoll.

Zuvor traf Staudinger in der Waldviertler Schuhwerkstatt noch auf einen pensionierten Steuerprüfer. „Er hatte in den letzten 15 Berufsjahren keine Freude mehr an seinem Job, weil er die kleinen Leute streng prüfen musste, während die Milliardenkonzerne per Gesetz gigantische Freibeträge hatten“, sagte Staudinger. Der Steuerprüfer habe in Schulungen immer wieder darauf hingewiesen, dass das geltende Gesetz eine große Benachteiligung der heimischen Betriebe bedeute. „Jeff Bezos, Chef von Amazon, wurde mit solchen Tricks innerhalb kurzer Zeit mit einem Vermögen von 150 Milliarden Dollar zum reichsten Mann der Welt“, ärgerte sich Staudinger.

Ob er selbst nach seiner Aktion jetzt Angst vor der Steuerfahndung hat? "Das ist mir vollkommen wurscht", gab sich Staudinger kämpferisch. Beamte hätten sich bei ihm noch keine gemeldet.

Mehr zum Steuerboykott lest Ihr in der kommenden Ausgabe der Gmünder NÖN.