Seit März frei: Mega-Urlaub für „Giovanni“. Johann Strondl musste sein Lokal in der Toskana schließen. Ans Aufhören denkt er nicht.

Von Karin Pollak. Erstellt am 14. Mai 2020 (05:44)
Annette und Johann Strondl vor ihrem Lokal in Castell Azzara.
privat

Anfang Mai 2004 eröffneten der Unserfrauer Johann Strondl und Gattin Annette in der Toscana das Restaurant „La Tana dell‘Orso“. Den 16. „Geburtstag“ hätten sich die Zwei, die seit 28 Jahren dort leben, anders vorgestellt.

„Coronabedingt haben wir derzeit unseren längsten Urlaub“, sagt der in Unserfrau aufgewachsene Strondl, der im Schlosshotel Fuschl Koch und Kellner gelernt hat. Vor 28 Jahren zog es ihn nach Italien. Bei seiner Ausbildung zum Sommelier verlor er das Herz an seine Annette aus der Schweiz und auch an Italien. Das Restaurant im 600-Einwohner-Ort Castell Azzara ist klein, aber fein. Die 24 Sitzplätze sind heißbegehrt, die Küche von Annette bekannt.

Unterstützung gibt es… theoretisch

Für das Service und das Drumherum sorgt „Giovanni“ Strondl. „Vor allem Einheimische, Gastarbeiter und Zweitwohnsitzer aus Rom oder Mailand zählen zu unseren Gästen. Diese Einnahmen sind mit der Schließung per 12. März komplett weggefallen. Wann wir wieder aufsperren dürfen, das wissen wir nicht“, berichtet Strondl.

„Wir haben in den letzten Jahren viel gearbeitet, im Vorjahr erzielten wir einen Rekordumsatz, den heurigen Ausfall können wir aber nicht mehr aufholen“, sagt Strondl. Wobei: „Heuer geht es nicht mehr ums Aufholen, sondern ums Überleben.“ In Italien gehe man davon aus, dass 30 Prozent der Gastronomieunternehmer ihre Lokale nicht mehr öffnen werden. „Wir machen aber weiter“, stellt Giovanni Strondl klar.

Unterstützung vom italienischen Staat gibt es theoretisch – je 600 Euro für Johann und Annette Strondl im Monat, aber: „Wir haben noch nicht einmal das Geld für den März bekommen. Außerdem sollten wir 70 Prozent der Lokalmiete refundiert bekommen, Müllgebühren und Sozialabgaben sollen ausgesetzt werden. Ob und wann das kommen wird, ist unklar.“

„Corona hat das Leben verändert."

Viel Geld brauchen die Strondls derzeit nicht: Das Leben in Castell Azzara ist eingeschlafen. Nach einem bestätigten Coronafall im Ort, der Betroffene ist bereits gesund, herrschen nach wie vor die Ausgangsbeschränkungen. „Einkaufen darf nur eine Person, sechs Kunden dürfen in den Supermarkt. Im Auto darf man nur alleine unterwegs sein“, berichtet der Unserfrauer, der seinen für Mitte März geplanten Kurzurlaub im Waldviertel im Herbst oder Winter nachholen will.

„Meine Eltern leben im Pflegeheim, ich will sie gerne wieder einmal besuchen.“ Auch auf ein Wiedersehen mit den Kindern – Sohn Giovanni jun. lebt in London, Tochter Belinda mit Mann und Kind in Sardinien – steht auf der Wunschliste ganz oben.

„Corona hat das Leben verändert. Aber man kann Italien nicht mit Österreich vergleichen. Italien hat ein sehr hohes Durchschnittsalter. Es küssen sich Leute, die sich noch nie gesehen haben. In Österreich gibt es maximal ein Händeschütteln“, meint der Gastronom.

Der Ort könne nun sogar indirekt von der Krise profitieren, glaubt Strondl: „Viele Zweitwohnsitzer aus Rom oder Mailand wollen nicht mehr zurück in die Städte – vielleicht bekommen wir dadurch neue Bürger.“

Termin für den Neustart ist offen, das Menü steht schon mal fest

In Österreich dürfen Gastronomiebetriebe am 15. Mai öffnen, in Italien wird der 1. Juni in Erwägung gezogen. „Offiziell ist noch nichts, auch keine Auflagen“, meint der Unserfrauer, der sich jetzt im „Zwangsurlaub“ das Gitarrespielen via Internet beibringt und viel mit dem Hund spazieren geht, während seine Gattin Wolle aus dem Material des Schafkäse-Lieferanten spinnt.

Das Menü für den Eröffnungstag nach Corona steht bei den Strondls jedenfalls schon mal fest. Der Apfelstrudel nach dem Rezept von Mutter Maria darf an dem Freudentag natürlich nicht fehlen.