FJ-Bahn als großer gemeinsamer Nenner. Quo vadis Infrastruktur in der Region? Die NÖN fragte Waldviertler Spitzenkandidaten zu einem Dauerbrenner.

Von Markus Lohninger, Franz Aschauer, René Denk, Gerald Muthsam und Karin Widhalm. Erstellt am 22. September 2019 (12:15)
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Symbolbild

Für Verbesserungen in der Bahn-Anbindung machen sich alle Spitzenkandidaten des Waldviertels stark. Auch sonst gibt es in Sachen Infrastruktur viele Gemeinsamkeiten quer durch alle Lager.

ml
Martina Diesner-Wais (VP) sieht Fortschritte für die Infrastruktur.

Martina Diesner-Wais (ÖVP) will Breitband-Pilotprojekte aus den Bezirken Gmünd und Waidhofen rasch aufs ganze Waldviertel ausrollen. Auf der Straße sei (etwa Umfahrung Zwettl) viel geschehen. „Aber es gibt noch viele Wünsche. Da sind Bund und Land gemeinsam gefordert“, verweist sie auf die „strategische Prüfung“ für eine hochrangige Straßenachse inklusive Ausbau der Franz-Josefs-Bahn. Für Letzteres sei der 3-Phasen-Plan wesentlich mehr als ein Lippenbekenntnis: „Wir sind nach Jahren erstmals einen kräftigen Schritt vorgekommen.“ Das Busnetz habe sich trotz Startschwierigkeiten verbessert. Ein Anliegen ist ihr noch die bessere Bus-Anbindung des Waldviertels an Linz.

Martin Kalchhauser
Günter Steindl (SP) sieht „eindeutigen Nachholbedarf“ bei Infrastruktur.

Günter Steindl (SPÖ) findet, dass das Waldviertel „eindeutig Nachholbedarf“ hat. Das betreffe den zügigeren Breitbandausbau und den öffentlichen Verkehr. Hier brauche es Investitionen, um eine Beschleunigung des Streckenausbaus, Neuerungen beim Wagenmaterial und die Umsetzung von kurzfristigen Takten erreichen zu können. Beim Thema Waldviertelautobahn wartet er das Ergebnis der Studie ab. Er zweifelt jedoch stark an einer Empfehlung zum Bau. Kurzfristig umsetzbar sieht er Entlastungsmaßnahmen für Anrainer beim Thema Schwerverkehr und eine Einführung des Modells des „Ruftaxis“.

FPÖ
Alois Kainz (FP) sieht eine Europaspange nutzbringend fürs Waldviertel.

Alois Kainz (FPÖ) ist der Bau der Europaspange, die Verbesserung des Zugverkehrs und der Ausbau des Internets wichtig. „Da schlagen wir fast alle in die dieselbe Kerbe“, stellt er große Einigkeit der Parteien fest. Mit einer Ausnahme: „Es sieht jeder in anderen Regionen, was ein hochrangiges Straßennetz Wert ist. Wollen die Grünen, dass wir im Waldviertel aussterben?“, ärgert er sich. Man könne natürlich überall negative Aspekte finden. Kainz verspricht sich, dass mehr Arbeitstätige das Pendeln in Kauf nehmen und die Region als Betriebsstandort interessanter wird.

Simonis
Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) fordert Ausbau der FJ-Bahn.

Douglas Hoyos-Trauttmannsdorff (NEOS) fordert einen Infrastrukturausbau und eine Optimierung bestehender Öffis. Nicht der Preis, sondern die Anbindung und Frequenz seien ausschlaggebend für deren Nutzung. Den Bedarf einer vollwertigen Autobahnverbindung hält Hoyos-Trautmannsdorff für „gering“. Beim Breitband sieht er das Waldviertel gut aufgestellt, man müsse aber „etwas daraus machen, Unternehmen ansiedeln.“ Als wichtigstes Projekt sieht er den Ausbau der FJ-Bahn. Im Straßenverkehr wünscht er sich den dreispurigen Ausbau mancher Landesstraßen.

NOEN
Martin Litschauer (Grüne) will bessere Bedingungen für Glasfaser-Bau.

Martin Litschauer (Die Grünen) liegt die Franz-Josefs-Bahn am Herzen: Schnellere Verbindungen und dichtere Taktzeiten seien nötig, Bezirksstädte wie Waidhofen und Zwettl müssen angebunden werden. Er schlägt zudem ein dichtes Netz mit Bus und Sammeltaxi vor, untermauert mit einem 365 Euro-Jahresticket. Der Bau einer Autobahn ergebe keinen Sinn, wertvolle Flächen würden ohne entsprechenden Bedarf versiegelt werden. Der Glasfaser-Ausbau müsse vorangehen. Regelungen wie der Gebietsschutz, bei dem private Anbieter ein Veto gegen den öffentlichen Ausbau einlegen können, müssen überdacht werden. Nicht-Pilotregionen sollen außerdem mehr finanzielle Mittel erhalten.