Umfrage zu Corona: Der Knick dürfte längerfristig sein. 102 befragte Waldviertler Betriebe: Relativ eindeutige Trends & Erwartungen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 14. Mai 2020 (06:03)
Der Zwettler Alexander Leutgeb fasste die Ansichten und Erwartungen von 102 Geschäftsleuten im Waldviertel zusammen.
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Waldviertler Betriebe erwarten coronabedingt Umsatzrückgänge von durchschnittlich 42 Prozent für die Zeit von April bis Juni und von 25 Prozent für das Wirtschaftsjahr 2020. Zwei Drittel erwarten, Kunden und/oder Lieferanten zu verlieren, weil diese die Situation nicht überstehen. Nur sieben Prozent berührt die Krise fast gar nicht. – Das erfuhr Alexander Leutgeb in einer Befragung von 102 Firmen mit zusammen 3.900 Mitarbeitern.

Der Zwettler, der Wirtschaftsbeziehungen und Unternehmensführung studiert hatte und mit seinem Vater die Firma „Werbeprofi“ führt, hat 500 zufällig ausgewählten Betrieben aller Branchen zwischen 23. April und 3. Mai je 23 Fragen gestellt, ein Fünftel machte mit. Teilnehmer hatte er aus allen Teilen des Waldviertels inklusive Krems („NUTS3“-Definition), die höchste Dichte an Antworten bekam er aus Zwettl.

Teils auch für die Region sehr positive Maßnahmen

Betriebe würden nun stärker auf die Optimierung interner Abläufe bis zur Digitalisierung, Kontrolle von Ein- und Auszahlungen und regionale Lieferanten fokussieren, Reduktionen treffen bei gut der Hälfte der Firmen das Sportsponsoring. Bei der Werbung wollen viele sparen, vor allem in Gastro, Gewerbe und Handwerk werden laut Leutgeb aber sogar Erhöhungen der Werbeausgaben angedacht. In den Branchen Industrie und Information/Consulting, wo er die höchste Stabilität ortet, seien die geringsten Veränderungen geplant: Die Krisenwahrnehmung sei hier am wenigsten ausgeprägt.

„Normalität“? Für Mehrheit frühestens in einem Jahr

Insgesamt reagierten Leutgeb zufolge 86 Prozent der Befragten etwa durch Kurzarbeit oder Urlaubsabbau personell auf Corona. An eine rasche Rückkehr zu einer Form von Normalität glaubt von den Befragten nur eine Minderheit, 59 Prozent gaben an, erst in frühestens einem Jahr zurück im unternehmerischen Alltag sein zu können. Einer eher defensiven Einstellung entspricht auch ein Aspekt zur Personalsuche: Nur 60 Prozent gaben an, nun unverändert oder sogar stärker als zuvor an ihrer Lehrlingssuche festhalten zu wollen.

„Regionale Investitionen und regionaler Konsum sind die wichtigsten Elemente, um als Region bald und eventuell gestärkt aus dieser Krise hervorzukommen“, fasst Alexander Leutgeb jedenfalls zusammen.

Investitionen: Wichtig, aber wie realisieren?

Karl Bauer
F: ml

Glasfaser-Pionier Karl Bauer, der in Gmünd mit einem 50-Mio.-Euro-Bau zur Erzeugung hochreiner Rohkörper für die Glasfaser-Gewinnung gerade die teuerste private Einzelinvestition des Waldviertels finalisiert, pflichtet ihm bei. „Die Wirtschaft braucht Investitionen“, betont Bauer, der selten ein Projekt abschließt, ohne das nächste schon in der Pipeline zu haben. Aber: „Woher soll Geld für Investitionen kommen, wenn die Liquidität fehlt?“

Banken würde es nach hohen Corona-Überbrückungskrediten vielfach am Eigenkapital fehlen, um Darlehen für neue Projekte vergeben zu dürfen. „Ich fürchte, dass wir auf eine Finanzkrise zusteuern. Uns mussten einige Banken bereits absagen“, sagt Bauer. Die NBG-Gruppe will jedenfalls heuer erstmals die 150-Mitarbeiter-Marke übersteigen – mit oder ohne neuer Investition.