Brauerei in ältester Braustadt rundum erneuert. Rechtzeitig zum 700-Jahr-Jubiläum präsentiert sich Weitraer Brauerei mit automatischer Brauanlage bei traditioneller Produktion.

Von Karin Pollak. Erstellt am 07. März 2021 (05:20)

Ein perfekteres Timing gibt es kaum: Der Um- und Zubau der Brauerei Weitra und das neu kreierte Bier „Das Schwarze“ sind fertig – und das alles zu Beginn des Jubiläumsjahres „700 Jahre Braustadt Weitra“.

Viele „Überraschungen“

Vor zwei Jahren startete Karl Schwarz, Inhaber der Zwettler Brauerei, mit dem Umbau der 2003 übernommenen Brauerei Weitra. Insgesamt 4,5 Mio. Euro wurden investiert. „Eigentlich blieb nur die Hülle von der alten Brauerei“, erklärt Karl Schwarz. Von A wie der Außenbereich bis Z wie Zulieferung von Hopfen und Malz wurde alles auf den neuesten Stand gebracht. „Mit derart hohen Kosten haben wir nicht gerechnet. Aber wer schon einmal mit einer alten Bausubstanz zu tun gehabt hat, weiß, dass es da viele unerwartete Überraschungen gibt“, erklärt Karl Schwarz. Alleine ins Fundament zwischen den beiden Gebäuden der Brauerei „flossen“ 200.000 Euro mehr als budgetiert, hier habe es kein festes Erdreich, sondern nur Gatsch gegeben.

„Viel Bierverständnis und Liebe zum Bier ist in der Weitraer Bevölkerung verankert.“ Karl Schwarz

Die Arbeiten in der Bierwerkstatt Weitra seien abgeschlossen. Es würden nur noch ein paar Feinjustierungen und die behördliche Abnahme fehlen.

Von Knochenarbeit zum Computer

Für die drei hier Beschäftigten sei laut Schwarz „ein sehr angenehmer Wandel“ vollzogen worden. „Von der wirklich harten Knochenarbeit, die beim Reinigen der alten Bottiche erforderlich war, ist es jetzt mehr ein Überwachen und Steuern. Die gesamte Anlage läuft vollautomatisch. Auch unser Abwasser wird kontrolliert und aufbereitet, bevor es ins Weitraer Kanalsystem fließt.“ Man habe sich auch kurzfristig entschlossen, das Bürogebäude zu modernisieren. „Diesen Plan haben wir erst ein halbes Jahr vor der Fertigstellung der Brauerei gefasst.“

Die neuen Büros, die Technikräume samt Labor und Steuerungen sind somit ebenfalls auf dem neuesten Stand der Technik. „Wir sind für die Zukunft gerüstet“, meint Schwarz.

Fünf neue Gär-Bottiche

Das Herzstück der Weitraer Brauerei sind die „offenen Gär-Bottiche“. Auf diese traditionelle Bierproduktion, die außer in Weitra nur in einer weiteren Brauerei in Österreich angewendet werde, setzt man auch in der modernisierten Bierwerkstatt. Im neuen Zubau befinden sich nun in der obersten Etage fünf Edelstahl-Bottiche mit einem Fassungsvermögen von jeweils 120 Hektoliter. „Die offene Gärung ist eine besonders schonende Form der Gärung. Dabei lagern sich die bitteren Elemente im Schaum an der Oberfläche ab und können abgeschöpft werden. Das Bier wird dadurch milder. Außerdem kann die Kohlensäure entweichen, und das macht das Bier bekömmlicher.“

Das Bierbrauen nach dieser alten Tradition sei nicht teurer und auch nicht zeitaufwendiger als jene in geschlossenen Bottichen. „Es ist aber hygienisch viel anspruchsvoller“, meint Schwarz. Auf diese Art werden in Weitra maximal 60.000 Liter Bier pro Woche produziert, die in der Zwettler Brauerei abgefüllt werden. Um den Transport der edlen Biere von Weitra nach Zwettl zu verbessern, wurde ein neuer Tankwagen angekauft.

Neues Bier am Markt

In diesem Silowagen wird jetzt auch das neue Jubiläumsbier „Das Schwarze“ von Weitra nach Zwettl zur Abfüllung gebracht. „Nach mehr als 20 Jahren gibt es jetzt wieder ein neues Bier aus der Brauerei Weitra“, freut sich Schwarz. Der Name „Das Schwarze“ bezieht sich auf die Farbe des Bieres und nicht auf die Brauerdynastie Schwarz. „Dieser Biertyp ist sehr selten, also ein Nischenprodukt. Es ist ein Vollbier und vereint das ausgeprägte Bittere, die Leichtigkeit und das Süffig-Milde.“

Bierbrauen in der Braustadt

Karl Schwarz und seine Mitarbeiter sind nicht nur stolz, sondern auch dankbar, in der ältesten Braustadt Österreichs Biere produzieren zu können. „Das ist schon etwas Besonderes. So viel Bierverständnis und Liebe zum Bier ist in der Weitraer Bevölkerung verankert, das ist außergewöhnlich. Es herrscht eine sehr gute Beziehung zur Stadtgemeinde, sonst wäre es nicht möglich gewesen, eine so moderne Brauerei in einer so historischen Stadt zu errichten.“

Wegen Corona: Bier wegschütten

Gedämpft wird diese Freude durch die Corona-Krise. „Wir hatten eine wirklich gute Ausgangslage. Aber Corona kam für uns zu einer wirklichen Unzeit. In Zwettl haben wir groß investiert, auch in Weitra. Jetzt reißt die fehlende Gastronomie zusätzlich ein großes Loch“, so Schwarz. Mittlerweile sei es auch in einem geringen Ausmaß notwendig, Zwettler und Weitraer Bier, dessen Haltbarkeitsdatum in Kürze abläuft, wegzuschütten. „Das ist natürlich sehr schmerzlich, aber mit unseren Produkten, die ja auch Lebensmittel sind, wollen wir einfach einen sauberen Weg gehen.“

Zuversichtlich ist Schwarz trotzdem: „Wenn die Gastronomie wieder öffnet, dann steigt der Bierbedarf und dann gibt es auch das neue Weitraer Bier in den Gaststätten.“