Der Mann, den Red Bull nicht kaufen konnte. Emanuel Aiwu (19) wäre teuerster Transfer der Geschichte von Bundesligist Admira gewesen, die Südstädter ließen ihn aber nicht zu Serienmeister Salzburg ziehen. Seine Wurzeln liegen in Moorbad Harbach im Bezirk Gmünd.

Von Petra Suchy. Erstellt am 16. Februar 2020 (15:21)
Top-Talent Emanuel Aiwu mit seiner Mutter Heidi (geborene Semper)
privat

Die Meldung sorgte überregional für Schlagzeilen: Bundesliga-Serienmeister Red Bull Salzburg hätte den österreichisch-nigerianischen Kicker Emanuel Aiwu vom FC Admira Wacker Mödling holen und dafür die Rekordablöse in der 115-jährigen Geschichte Admiras hinblättern wollen – doch die Südstädter lehnten das Angebot ab.

Sie sehen ihren 19-jährigen Innenverteidiger als unverzichtbar im nahenden Abstiegskampf. Die Wurzeln des in Innsbruck geborenen und in St. Pölten aufgewachsenen Aiwu führen ins obere Waldviertel…

Weg von Innsbruck in die Südstadt führt übers Waldviertel

Die Mutter des Top-Talents, Heidi Aiwu (geborene Semper), stammt aus der Gemeinde Moorbad Harbach, von wo aus Oma Leopoldine und Onkel Andreas heute noch gespannt und stolz Emanuels Karriere verfolgen und sich über seine regelmäßigen, wenn auch spärlichen Besuche freuen.

Nach der Matura 1999 zog es Mama Heidi für ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ nach Innsbruck, wo sie gleich in den ersten Wochen den aus Nigeria stammenden Nathan Aiwu kennen und lieben lernte. Im Jahr darauf, zwei Tage vor ihrem 20. Geburtstag, kam Emanuel zur Welt, 2001 folgte die Hochzeit am Standesamt in Weitra.

„Die überraschende Familiengründung gleich nach der Schule war für meine Familie zuerst ein Schock“, erinnert sich die 39-Jährige. Trotz vieler Ängste folgte sie beharrlich ihren Überzeugungen. Als ihr erster Sohn neun Monate war, begann sie die Ausbildung zur diplomierten Behindertenpädagogin, die sie ein Jahr vor der Geburt ihres zweiten Sohnes Elias abschloss.

2006 zog die vierköpfige Familie nach St. Pölten, wo die Buben ihre ersten Fußballschuhe bekamen. „Ich war in meiner Jugend immer aktiv, bin viel gelaufen und wollte meinen Kindern die Freude am Sport mitgeben. Sie haben sich gleich für Fußball interessiert, Emanuel ist dann zufällig beim SKN St. Pölten gelandet und mit knapp 14 Jahren zur Admira gewechselt“, erzählt die Harbacherin.

„Bua, mach bitte deine Matura fertig!“

Die stolze Mama hat alle weiteren Schritte ihres Erstgeborenen auch nach der Trennung von ihrem Gatten gefördert und unterstützt – vom Umzug ins Internat in die Südstadt als 14-Jähriger („Allein dafür ist ein Drittel meines Gehalts drauf gegangen“), über sein Bundesliga-Debüt mit 17 gegen die Wiener Austria bis hin zum großen Traum von einer internationalen Karriere.

Als Fußball-Mutter erlebte sie hautnah, wie viele junge Burschen an der Doppelbelastung Training/Schule scheiterten. „Ich bin wirklich stolz, dass Emanuel durchgebissen hat – er hatte im Abschlussjahr so viele Fehlzeiten. Am letzten Tag der schriftlichen Matura ist er volley vom Klassenzimmer zum Match gegen Altach nachgeflogen, hat aber alle Fächer bis auf Deutsch auf Anhieb geschafft.“ 

Alles auf eine Karte!

Der Weg zur Deutschmatura habe sich neben allen anderen Aufgaben zum kleinen Hürdenlauf entwickelt, der schließlich auch dank Nachhilfestunden rechtzeitig vor dem Ligastart bestanden wurde. Heidi Aiwu: „Das hat mich Nerven gekostet. Aber was willst du machen, wenn dein Kind keinen Plan B hat – und einfach nur Fußball-Profi werden will?“

Man leide als Mutter da auch sehr mit, weil man ja wisse, dass nur ein kleiner Teil den Sprung in die oberste Liga schafft oder dass eine Verletzung auch ein Karriere-Aus bedeuten kann. „Manchmal bin ich wohl nervöser als er und gebe ihm alle möglichen Ratschläge, die er eh selbst am besten kennt. Dann nennt er mich wieder seinen ‚ersten Co-Trainer‘.“

Langfristiges Ziel: Premier League

„Ich arbeite hart daran, meine Ziele zu erreichen, und versuche auf dem Platz, immer mein Bestes zu geben“, sagt der ehrgeizige Youngster: „Damit möchte ich auch meiner Mama zurückgeben, dass sie sich immer für mich eingesetzt hat und immer an mich glaubt!“ Enttäuscht ist Emanuel Aiwu nach dem geplatzten Deal mit Serienmeister Salzburg nur im ersten Moment gewesen. Er weiß, dass die Zukunft erst vor ihm liegt. Und er will alles daran setzen, dass sie ihn eines Tages bis in die Premier League führen wird.