Ertl und Seitenstetten: Drei „e“ als Belohnung. Land Niederösterreich und eNU haben die Gemeinden Ertl und Seitenstetten für ihr vorbildliches Engagement im Energie- und Umweltbereich vor den Vorhang geholt.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 30. Oktober 2020 (06:13)

Viele Gemeinden im Bezirk setzen bereits wichtige energie- und klimapolitische Maßnahmen. In der Kleinregion Herz Mostviertel wurden kürzlich Ertl und Seitenstetten von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie und Umweltagentur des Landes, für ihr Engagement im Rahmen des e5-Programmes vor den Vorhang geholt.

„Unser Leuchtturm ist natürlich die Schule, die wir thermisch generalsaniert haben. Zudem wurde in Ertl ein Fernwärmewerk errichtet und wir lassen von diesem nun alle öffentlichen Gebäude versorgen. Mit den Privathäusern, die ebenfalls am Netz hängen, werden insgesamt 140.000 Liter Erdöl jährlich eingespart“, sagt Bürgermeister Josef Forster. Aber auch in Sachen Photovoltaik hat die Gemeinde wichtige Akzente gesetzt: Auf dem Schuldach wurde eine 101kWp-Anlage montiert und auch das Gemeindeamt und der Kabinentrakt der Fußballer wurden mit Paneelen ausgestattet. Beim Gemeindefuhrpark setzt Ertl ebenfalls auf neue Technologien und hat als Ersatz für ein Dieselfahrzeug ein Elektroauto angeschafft. Lobend hervorgehoben wurde von der e5-Jury zudem die Windkraftanlage eines Landwirts, die schon seit 20 Jahren in Betrieb ist und Strom für 230 Haushalte liefert.

Forster dankt vor allem seinem Umweltgemeinderat Manfred Kalkgruber für dessen unermüdlichen Einsatz. „Er engagiert sich sehr im Umwelt- und Energiebereich. Die Errichtung der Photovoltaikanlage auf der Schule ist vor allem seinem Engagement zu verdanken“, sagt der Ortschef. Die Gemeinde Ertl ist 2018 zum e5-Programm beigetreten und wurde jetzt erstmals bewertet. Sie erreichte 3 „e“ mit einem Umsetzungsgrad von 55,2 Prozent.

Auch in Seitenstetten setzt man schon seit längerer Zeit auf den Einsatz von erneuerbarer und nachhaltiger Energie. Die Gemeinde trat dem e5-Programm 2018 bei.

Photovoltaikanteil ist in Seitenstetten hoch

Seitenstetten besticht, laut Jury, durch einen überdurchschnittlichen Photovoltaikanteil. Durch die Versorgung mit Hackgut-Nahwärme kann die Gemeinde zudem ihre eigenen Gebäude klimaneutral beheizen und im Gemeindegebiet den Anteil erneuerbarer Energie maßgeblich beeinflussen. Auch bei der Sanierung der Volksschule wurde viel Wert auf energiesparendes und umweltfreundliches Bauen gelegt. Unter anderem hat das Gebäude eine begrünte Fassade und ein begrüntes Dach bekommen.

Vorangetrieben hat Seitenstetten den Bau von Radwegen – etwa jenen ins Trefflingtal, wo auch schon wieder ein neues Teilstück in Planung ist.

Ein weiteres Herzensanliegen der Gemeinde ist die e-Mobilität. Beim Feldversuch „e-Mobilität 2030-2050“ im Jahr 2017 testeten 28 Personen Elektro-Fahrzeuge im persönlichen Alltag. Ein Jahr später startete das e-Carsharing System EMMA — und nun befinden sich zwei klimaschonende E-Autos im Gemeindefuhrpark. Als Bodenbündnisgemeinde möchte sich die Gemeinde künftig auch verstärkt mit dem Bodenverbrauch und Regenwassermanagement auseinandersetzen. Seitenstetten erreichte im ersten Audit 3 „e“ mit einem Umsetzungsgrad von 54 Prozent.