Weistracher gehen gemeinsam durch die Krise. Schwierige Situation für die praktischen Ärzte, Diagnosen erfolgen derzeit auch per Telefon.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 02. April 2020 (04:23)
Allgemeinmedizinerin Martha Huber in Schutzkleidung.
privat

Not macht erfinderisch: Dieses Sprichwort trifft derzeit in besonderem Maße auf die praktischen Ärzte in der Region zu. „Ursprünglich haben wir nur fünf Schutzmasken zugeteilt bekommen, was natürlich viel zu wenig ist. Handschuhe, Desinfektionsmittel und Schutzkleidung mussten wir uns selber organisieren“, berichtet Martha Huber, Allgemeinmedizinerin in Weistrach.

Die Gemeinden hätten sie in dieser Situation aber wesentlich unterstützt. In Weistrach helfe Bürgermeister Pittersberger, wo er könne. „Ein lokaler Schneiderbetrieb nähte OP-Mäntel aus PVC-Material, weil dieses möglichst undurchlässig ist. Overalls stellte ein Malereibetrieb zur Verfügung. Die Kosten dafür hat die Gemeinde übernommen“, berichtet Huber.

Sie hebt auch den Vorteil der Hausapotheke hervor, weil sie damit die Patienten auf kurzem und unkompliziertem Weg, mit den nötigen Medikamenten versorgen könne. Die Kommune hat dazu einen Lieferdienst organisiert. „Unsere Kindergartenhelferinnen sind jetzt ja praktisch arbeitslos und daher haben sie diese Aufgabe übernommen“, berichtet der Bürgermeister.

Für die Gemeinde sei es gerade in dieser Situation sehr wichtig, sich auf die Ärztin verlassen zu können. „Wir sind alle Laien. Sie weiß am besten, wie man sich schützen kann und welche Regeln einzuhalten sind und sie lebt es uns auch vor“, sagt Pittersberger. Gemeinsam werde man durch diese Krise kommen. Der Ortschef freut sich aber auch über die Disziplin der Weistracher, die die Ausgangsbeschränkung sehr ernst nehmen würden. „Zugleich bieten immer wieder auch Leute an, zu helfen, falls wir jemanden brauchen. Der Zusammenhalt ist bei uns in Weistrach sehr gut“, betont der Ortschef.

Der direkte Kontakt mit Patienten wurde natürlich auch in der Ordination in Weistrach auf das Notwendigste reduziert. „Viel läuft derzeit über Videokonferenz und Telefon. Zum Teil schicken mir die Patienten sogar Bilder, um zu erfahren, was ihnen fehlt“, erzählt Huber.

Vollvisierhelm für die Hausbesuche

Hausbesuche macht sie natürlich dennoch. Dafür hat Pittersbergers Sohn ihr einen Schutzhelm mit Vollvisier so umgemodelt, dass sie noch zusätzlich zur Maske vor Viren geschützt ist. „Man darf ja nicht vergessen, dass Keime, wenn jemand niest, mit 80 km/h davonfliegen. Und da wir sie auch über die Augenschleimhäute aufnehmen, ist diese Vorsichtsmaßnahme sicher nicht übertrieben. Das ist übrigens auch der Grund, warum man sich auf gar keinen Fall ins Gesicht fahren soll, wenn man zum Beispiel einkaufen ist“, erklärt die Ärztin.

Schutzkleidung benötigen die Allgemeinmediziner deshalb so dringend, weil sie auch für die Betreuung der Coronavirus-Erkrankten zuständig sind. „Da gibt es nämlich nicht, wie manchmal erzählt wird, eine Truppe von Ärzten, die herumfährt und ins Haus kommt, sondern das macht der Praktiker vor Ort.“ In Weistrach gibt es derzeit noch keinen Infizierten, aber man ist für mögliche Erkrankungsfälle gut gerüstet.

Huber ist auch Štadtärztin in St. Valentin, wo bereits einige Personen positiv auf Covid-19 getestet wurden. „Aber auch dort funktioniert die Zusammenarbeit mit Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr und Amtsärztin Petra Golaszewski sehr gut. Wir werden von ihnen bestmöglich unterstützt“, sagt die Ärztin.

Praktiker können lokal keine Testungen auf Covid-19 durchführen, sie aber bei Verdachtsfällen beantragen. Wer sich krank fühlt und nicht sicher ist, ob er Kontakt mit einem Infizierten hatte, sollte aber dennoch 1450 wählen.