Ökostrom-Novelle: „Das sind lauter Halbwahrheiten“. Johann Glöckl, Betreiber des Holzkraftwerkes in Ennsdorf, kritisiert die ÖVP und befürwortet das Veto der SPÖ.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 19. Februar 2019 (05:37)
Ingrid Vogl
Johann Glöckl (rechts) und Werksleiter Stefan Luger hoffen auf einen Weiterbestand des Ennsdorfer Werkes, denn die Alternative zum Ökostrom wäre Atomstrom.

Am vergangenen Donnerstag brachte die SPÖ mit ihrem Veto im Bundesrat die Änderung des Ökostromgesetzes zu Fall. Eine Aktion, die bei den Regierungsparteien auf völliges Unverständnis stieß. So auch bei der ÖVP im Bezirk Amstetten, die in einer Aussendung am Freitag ausdrücklich darauf hinwies, dass die „Neuregelung des Ökostrom-Gesetzes die Biomasseanlage in Amstetten gesichert hätte“ und dass mit der neuen Regelung erreicht worden wäre, „dass es eine vernünftige Lösung gibt, die das Wegbrechen des gesamten Biomasse-Sektors verhindert“.

Es waren Aussagen wie diese, die die Diskussion in den letzten Tagen bestimmten, und die bei Johann Glöckl für ziemlichen Ärger sorgten. Für den Betreiber des Biomasseheizkraftwerkes in Ennsdorf, der auch bei der IG Holzkraft aktiv ist, wurden nämlich „lauter Halbwahrheiten und viel Blödsinn“ verbreitet.

„Dieses Gesetz brauchen wir nicht“

Seitens der IG Holzkraft habe man sich ein Jahr intensiv mit der Materie befasst und versucht, die Argumente an die Politik heranzutragen. „Umso mehr sind wir enttäuscht, was da herausgekommen ist“, erklärt Glöckl. Er meint damit aber nicht das Veto der SPÖ, sondern das von der Regierung geplante Gesetz an sich.

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Johann Glöckl (rechts) und Werksleiter Stefan Luger hoffen auf einen Weiterbestand des Ennsdorfer Werkes, denn die Alternative zum Ökostrom wäre Atomstrom.

„Wir haben uns gefreut, dass die Regierung ein Gesetz für uns beschließt. Aber sie wollte ein Gesetz machen, mit dem wir nicht überleben können – auch die großen Anlagen nicht“, spricht Glöckl Klartext. Bisher habe man für die Kilowattstunde Ökostrom nämlich 15 Cent bekommen, in der Nachfolgeverordnung wären laut Glöckl nur noch neun Cent vorgesehen gewesen.

Für Johann Glöckl stand daher eines fest: „Wir müssen die Roten nicht motivieren, dass sie dem Gesetz zustimmen, sondern, dass sie das Gesetz kippen. Dieses Gesetz brauchen wir nämlich nicht.“ Und er hat auch ein Beispiel parat, das die Problematik verdeutlicht. Um eine Megawattstunde Ökostrom zu erzeugen, benötigt man eine Tonne Holz. Für die Tonne Holz zahlt man momentan 90 Euro, für eine Megawattstunde Ökostrom bekommt man nach dem neuen Tarif ebenfalls 90 Euro. Kosten für Mitarbeiter oder eventuelle Wartungen der Anlage könne man so nicht abdecken, von einem Verdienst brauche man gar nicht zu reden. „Und das völlig unabhängig von der Effizienz der Anlage“, gibt Glöckl zu bedenken.

„Anlagen sind dafür gar nicht ausgelegt“

Und mit der Effizienz ist der Holzkraftwerks-Betreiber beim nächsten wesentlichen Punkt angelangt. In den Genuss der Förderungen wären im neuen Gesetz nämlich nur Anlagen mit einem Wirkungsgrad von über 60 Prozent gekommen. Mehr als die Hälfte der Anlagen erfüllt diese Kriterien aber nicht. „Die Anlagen sind technisch dafür auch gar nicht ausgelegt“, erläutert Glöckl.

Sein Wunsch wäre daher, die Bedingungen bis zur generellen Neuregelung der Förderung von erneuerbaren Energien, die für 2020 geplant ist, zu lassen wie bisher. Und das ohne Effizienzbedingung. Diese erfüllt nämlich auch das Ennsdorfer Werk nicht, obwohl es die Stadt Enns und den Wirtschaftspark mit Wärme versorgt. „Das Werk hat 22 Millionen Euro gekostet und steht nach 13 Jahren in der Blüte des Lebens. Und jetzt müssen wir es abdrehen?“, hofft Glöckl auf eine Übergangslösung von drei Jahren, in denen alle Zeit hätten sich neu zu orientieren oder zusätzliche Sommerabnehmer zu finden. Die Alternative, die Wärmeversorgung auf fossile Energie wie Erdgas zurückzubauen, wäre für ihn nicht erstrebenswert. „Das wäre ein doppelter Rückschritt“, spart Glöckl nicht mit deutlichen Worten.

In Ennsdorf wird man nun spätestens Ende Februar erste Maßnahmen setzen müssen. „Ende April läuft der Ökostromvertrag aus. Wir werden die Brennstoffzufuhr komplett sperren und die zwei Monate noch mit dem Vorrat fahren, den wir schon da haben“, schildert Glöckl. Für danach gibt es verschiedene Worst Case-Szenarien. Eines davon würde das Personal treffen. Dabei müsse man sich von mindestens der Hälfte der sechs Mitarbeiter trennen.