St. Valentin hat neue Hausärztin. Fast ein Jahr lang war die Kassenstelle für Allgemeinmedizin unbesetzt. Die Wahl-St.Valentinerin Dr. Martina Huber übernimmt – ab wann genau und wo, ist aber noch nicht fixiert.

Von Daniela Führer. Erstellt am 10. September 2019 (05:01)
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Martina Huber (37) wird die erste Allgemeinmedizinerin, die zwei Ordinationen über eine Landesgrenze hinweg führt.

„Wir sind hier angekommen und fühlen uns einfach wohl. Daher war es mir auch ein Anliegen, für St. Valentin eine Unterstützung zu sein“, erklärt die gebürtige Linzerin und Allgemeinmedizinerin Dr. Martina Huber (37) ihre Motivation, sich für die freie Kassenstelle als Allgemeinmedizinerin in der Stadtgemeinde, die mit 1. Oktober 2018 frei wurde, zu bewerben.

Vor nicht ganz zwei Jahren zog sie mit ihrer Tochter (8) nach St. Valentin. Anfangs habe sie mit dem Gedanken gespielt, hier eine kleine Wahlarztordination zu eröffnen. Doch Mitte 2018 wurde sie vermehrt von Nachbarn und Patienten dahingehend angesprochen, ob sie nicht Interesse an der frei werdenden Hausarztstelle hätte.

Am Dienstag erhielt sie die Zusage der Kasse

Es folgten viele Gespräche und seit vergangenem Dienstag ist es unter Dach und Fach. Beim Hearing bei der NÖ Gebietskrankenkasse in St. Pölten bekam die praktische Ärztin die Zusage für die Planstelle. Und mehr noch: Die Allgemeinmedizinerin nimmt wiederum eine Vorreiterrolle in ganz Österreich ein. Für sie gab es nämlich eine Bedingung: Ihre Ordination in Linz, die sie vor dreieinhalb Jahren aufgebaut hat, will sie weiterführen. „Daher war es meine Wunschlösung, dass ich künftig St. Valentin als Erst-Ordination und Linz als Zweit-Ordination führen kann“, erzählt sie.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass sie sich diesen Schritt auch traut und bei uns Neues beginnt.“Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr freut sich sehr über den neuen Kassenvertrag

„Ich habe in Linz Verpflichtungen meinen Patienten gegenüber. Auch dort gibt es einen Notstand bei Hausärzten. Allein in meinem Umfeld in Linz-Süd sind vier, fünf Ordinationen in letzter Zeit frei geworden“, verdeutlicht sie.

So eine Konstellation über eine Landesgrenze hinweg gab es bislang noch nie. Doch die Kassen stimmten zu – nicht zuletzt, um mit dieser neuen, grenzübergreifenden Möglichkeit österreichweit die Situation für Hausärzte in Grenzgebieten zu attraktivieren. Wo genau Dr. Huber ihre Praxis in St. Valentin eröffnen wird, steht noch nicht fest. „Es gibt mehrere Optionen und schon recht konkrete Gespräche. Aber noch ist nichts unterschrieben. Da wie dort braucht es auch noch Umbaumaßnahmen“, berichtet die Ärztin. Demnach ist auch der Eröffnungstermin noch nicht fixiert: „Mein Wunsch wäre Anfang 2020.“

Dr. Huber: „Eine Win-Win-Situation für alle“

Zunächst beabsichtigt die Allgemeinmedizinerin, drei Tage in St. Valentin und zwei Tage in Linz zu ordinieren. Da es ab 1. Oktober möglich sein wird, dass Ärzte andere Ärzte anstellen, plant sie mittelfristig, einen weiteren Allgemeinmediziner für ihre Linzer Praxis anzustellen. „Es gibt viele Ärzte, die sich zunächst nicht über eine Selbstständigkeit trauen. Und ja, wenn es gut läuft, könnte der- oder diejenige auch einmal die Praxis ganz übernehmen.“

Die Ordination in St. Valentin bedeutet für die Medizinerin vor allem auch mehr Zeit für ihre Tochter und somit mehr Lebensqualität. „Es ist eine Win-win-Situation für mich und für St. Valentin“, ist sie überzeugt.
Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr sieht das ebenso: „Wir freuen uns wirklich sehr über ihre Zusage. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie sich diesen Schritt auch traut und bei uns Neues beginnt neben ihrer Praxis in Linz.“ Sie kenne die neue Ärztin auch persönlich und weiß: „Sie ist eine sehr engagierte Frau.“

Dr. Martina Huber studierte von 2000 bis 2008 Medizin an der Medizinischen Universität Wien. Anschließend war sie in der Unfallchirurgie am AKH Linz tätig und startete eine Genetik-Ausbildung. „Ich wollte dann aber im Sinne der Familienvereinbarkeit weitgehend auf Nacht- und Wochenenddienste verzichten. Bei der Arbeit in der Genetik hat mir dann wiederum der Kontakt zu den Patienten gefehlt, da die Arbeit viel im Labor stattfindet“, erklärt die Jungärztin ihren Weg zur Allgemeinmedizin.

„Abwechslung macht den Beruf so spannend“

Ein Jahr lang arbeitete sie auch als physikalische Medizinerin bei der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse und schließlich begann sie vor dreieinhalb Jahren als selbstständige Hausärztin zu arbeiten und eröffnete ihre eigene Ordination in Linz-Süd.

Und in der Allgemeinmedizin ist die 37-Jährige auch angekommen: „Als Hausarzt kennt man die Menschen und ihre Familien. Man betreut Patienten von Jung bis Alt und hat einfach mit allen Bereichen zu tun. Ich bin Dermatologin, Gynäkologin, Kinderärztin – alles in einem. Die Abwechslung macht den Beruf so schön und spannend“, schwärmt sie.