Coronavirus: Fünf Mostviertler über Alltag im Ausland. Fünf Mostviertler schildern ihren Coronaalltag in Spanien, den Niederlanden, Australien und den USA.

Von Hermann Knapp, Armin Grasberger, Karin Katona, Lisa Hofbauer und Denise Schweiger. Erstellt am 08. April 2020 (04:34)

Seit 2013 lebt Petra Granzer (46) aus Hiesbach (Bezirk Amstetten) auf der spanischen Insel Mallorca. In Santa Ponsa hat sie eine kleine Mietwohnung mit Meerblick. Hinunter zum Strand darf sie derzeit nicht. Seit 15. März ist die Insel im Alarmzustand und dort patrouilliert die Polizei. „Wir dürfen quasi das Haus nicht verlassen, nur noch einmal pro Woche zum Einkaufen mit Handschuhen und Mundschutz. Geöffnet haben Trafiken, Apotheken und Lebensmittelgeschäfte“, berichtet Granzer.

Es habe auf Mallorca schon viele Verhaftungen gegeben und mehr als 7.000 Strafen wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre. Immerhin sinke die Zahl der Neuinfizierungen drastisch. Insgesamt sind auf den Balearen rund 1.300 Coronavirusfälle aufgetreten und es gab bislang 22 Tote. Voraussichtlich dürfte die Ausgangssperre von der spanischen Regierung bis 26. April verlängert werden.

„Mir selbst geht es gut, ich genieße mein Zuhause und den Ausblick auf das Meer und meditiere viel“, sagt Granzer. Beruflich weiß die Reiseleiterin, die nebenbei auch Klangmassagen anbietet, allerdings nicht, was die Zukunft bringen wird. „Ohne Tourismus wird es schwierig werden, hier zu bleiben. Da geht es mir so, wie zigtausend anderen. Wir können nur abwarten und hoffen.“

„Wollte mir Erfahrung nicht nehmen lassen“

In Amsterdam hält sich derzeit die Waidhofnerin Annemarie Andre (25) auf. Sie verbringt ein Auslandssemester in den Niederlanden, wo sie „International Journalism“ an der Hogeschool van Amsterdam studiert. „Es hat sich alles sehr schnell entwickelt. Bis in die zweite Märzwoche hatten wir noch Unterricht an der Universität, seit 16. März sind die Unis zu und viele meiner internationalen Studienkolleginnen sind bereits abgereist und haben ihr Auslandssemester unterbrochen“ berichtet sie. Eine Heimreise war für Andre aber nie wirklich Thema. „Nachdem die Flüge nach Österreich früh eingestellt wurden, blieb mir nicht viel Zeit zum Überlegen“, sagt sie. Da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob und wie lange sie ihr Studium in Amsterdam unterbrechen müsse, blieb sie, um das Hin- und Herreisen zu vermeiden. „Außerdem fühle ich mich sehr wohl hier und die Erfahrung wollte ich mir nicht nehmen lassen“, sagt sie.

Dass gerade während ihres Auslandssemesters eine Pandemie ausbricht, nimmt die Waidhofnerin mit Humor: „Wenn wir das alles gut überstehen, ist es in zehn Jahren sicher eine lustige Geschichte über ein spezielles Auslandssemester.“

Eine Stimmung fast wie nach dem 11. September

Die gebürtige Purgstallerin Eva Noonan (55) lebt seit 20 Jahren als Immobilienmaklerin in dem idyllischen Ferienort Cape Charles in Virginia. „Der Gouverneur hat gesagt, dass wir zuhause bleiben müssen. Ich bin mit meiner Familie seit drei Wochen im Haus. Schulen, Universitäten und viele Betriebe sind geschlossen. Aber die Stimmung ist noch gut, auch wenn wir seit dem Wochenende draußen Masken tragen müssen.“ Große Sorgen musste sich Eva Noonan um ihre 21-jährige Tochter Meadow machen, die bis vor Kurzem im UN Friedenscorps im Senegal gedient hat: „Vor zwei Wochen wurden die 7.400 Mitglieder aus 61 Ländern evakuiert. Nach zwei Wochen Quarantäne habe ich Meadow dann endlich in die Arme nehmen können.“ Die Coronakrise, sagt Eva Noonan, habe die politisch gespaltenen USA wieder näher zusammengebracht: „Es ist fast wie nach 9/11. Alle halten zusammen, niemand redet mehr über Politik.“

34 Stunden von

Tür zu Tür unterwegs

Nach 18 Jahren in Australien ist Tamara Galhuber wieder in Gresten. „Mindestens für ein Jahr, um näher bei Familien und Freunden zu sein“, erzählt sie. Geplant war der Abflug für den 31. März. Ende Februar ging aber jenes Online-Reisebüro in Konkurs, über welches die 40-Jährige ihren Trip gebucht hatte. Das Ticket war weg, Wohnung und Job zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt, guter Rat somit teuer. „Erst wusste ich nicht, ob ich nicht vielleicht doch in Australien bleibe“, erzählt sie. „Dann hat aber mein Vater gemeint, dass ich sofort nach Hause kommen soll, weil die Coronakrise Fahrt aufnimmt.“ Galhuber wandte sich an die Österreichische Botschaft und ergatterte schließlich um 1.900 Dollar einen Platz im von der Regierung organisierten Rekordflug der Austrian Airlines. Um gestrandete Urlauber nach Hause zu holen, steuerte die AUA nach 13 Jahren wieder Sydney an. Erstmals Non-Stop.

Die Reise von Australien zurück nach Österreich war, den Umständen entsprechend, ungewöhnlich. „Kabinenpersonal befand sich zwar an Bord, blieb aber in den vorgesehenen Bereichen. Masken waren während der Flugdauer zu tragen.“ Nach einem Gesundheitscheck am „gespenstisch leeren“ Flughafen Wien mussten sich die Reisenden ohne Umwege in ihr Quarantäne-Domizil begeben.

Jenes von Galhuber befindet sich im Gästehaus Kummer in Gresten. 34 Stunden, nachdem sie in einem Vorort von Sydney die Tür hinter sich geschlossen hatte, schloss sie jene in Gresten. „Es geht mir hier wirklich gut“, schildert sie. Freunde und Verwandte bieten Hilfe an oder bringen Essen. „Außerdem kommt immer wieder jemand auf einen Plausch vorbei. Natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Ich bleibe im Zimmer, öffne die Balkontür, und schon wird geplaudert.“

Von der Hilfsbereitschaft ist die Grestnerin überwältigt: „Völlig egal, wie lange du weg warst: Du bist und bleibst ein Mitglied der Orts-Gemeinschaft. Das ist großartig.“

Schläft nun die Stadt, die niemals schläft?

Am New Yorker Broadway erklingen keine Lieder und Musicals, Shows und Kabaretts gibt es derzeit nicht. Schläft die Stadt, die bekanntlich niemals schläft, also doch einmal? Derzeit grassiert die Pandemie besonders stark in den USA, vor allem in New York. Mitten drinnen: der Weitener Hermann Reiner (Bezirk Melk). In einem Wohnviertel mit 11.000 Wohnungen in Manhattan in der 14. Straße wohnt er mit seiner Gattin Lucille. Die Corona-Pandemie stellt die Amerikaner vor große Herausforderungen. Beinahe stündlich werden die Horrorzahlen der Infizierten und leider auch der Verstorben nach oben korrigiert. „Wir haben Angst und bleiben nach Möglichkeit zu Hause. Per Telefon und Internet lässt sich viel erledigen. Bezahlen kann man auch in den Geschäften nur mit Kreditkarte, keiner nimmt Bargeld“, stellt der ehemalige Koch fest.

Der Individualverkehr ist fast komplett zum Erliegen gekommen. Fahren dürfen Taxis und auch die öffentlichen Busse und die Subway (U-Bahn) ist unterwegs. Zwar mit eingeschränkten Intervallen, die aber morgens und abends für den Berufsverkehr erweitert werden.

Das Tragen von Schutzmasken ist nicht Pflicht, wird aber empfohlen. „Oberstes Gebot ist – und dies schon seit Jahrzehnten – das Händewaschen, Abstand halten und die Desinfektion von Händen und Kleidung.“

Hermann und Lucille Reiner sind versicherungsmäßig abgedeckt. „Aber viele Amerikaner sind das nicht. Das könnte zu einem großen Problem werden“, betont Reiner. Laut Medienberichten am Wochenende werden die Tests vom Staat bezahlt und auch die Behandlung der Erkrankten. Was geschieht aber mit den vielen Illegalen, die sich im Land aufhalten?

Eines möchte Reiner den Bewohnern seines Geburtslandes mitgeben: „Haltet Abstand und vor allem: Bleibt gesund!“

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