Ina Reuter: "Hat mich schon immer hinter Bühne gezogen". Die aus Essen stammende deutsche Bühnenbildnerin Ina Reuter lebt seit fast zehn Jahren in Wolfsbach und kann sich hier auch künstlerisch gut entfalten.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 04. April 2020 (03:43)
Ina Reuter (2. von rechts) im Gespräch über das Bühnenbildmodell zu Smetanas „Verkaufter Braut“.
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Sie stammt aus Essen, studierte Bühnenbild in Hamburg und wollte schon immer Bühnenbildnerin werden, wurden ihr doch als Sechsjährige von ihrem Vater Hinterbühne und Werkstätten des Grillo theaters in Essen gezeigt.

Und Ina Reuter blieb theateraffin, sammelte ihr Vater noch dazu Papiertheater, sodass sie also permanent von Modelltheatern umgeben war. „Ich war aber auch Statistin in Essen, allerdings hat es mich immer schon hinter die Bühne gezogen. Ich mag das Künstlerische, will aber auch das Handwerkliche nicht missen“, erzählt Reuter, die schon während ihres Studiums an verschiedenen Theatern – von Düsseldorf über Berlin, vom Akademietheater Wien bis an die Pariser Oper – assistierte.

„Es hat mich immer schon hinter die Bühne gezogen.“Bühnenbildnerin Ina Reuter über ihre Zeit als Statistin in Essen

Seit 1996 arbeitet sie als freie Bühnen- und Kostümbildnerin vor allem in Deutschland (Hamburg, Leipzig, Dresden, Bielefeld, Lübeck) mit bekannten Regisseuren zusammen. Ihre erste Arbeit in Österreich waren 2006, für die Tiroler Festspiele Erl unter der Regie von Gustav Kuhn, die Bühnenbilder für ‚Tristan und Isolde‘ und ‚Parsifal‘, wobei sie auch ihren Lebenspartner, den leider schon 2014 verstorbenen Bassbariton Alexander Trauner kennenlernte. Mehrmals hat sie bereits das Bühnenbild für den Operettensommer auf der Festung Kufstein entworfen, zum Beispiel für Carl Zellers „Vogelhändler“ oder „Das weiße Rössl“. In der Sommerarena Baden gestaltete sie den Operettenklassiker „Die Zirkusprinzessin“.

Als besonders spannende Produktionen nennt Reuter auch jene mit der Volksbühne Waidhofen/Ybbs: „Wir haben dort ohne das Korsett eines Theaters gearbeitet, das gibt Freiheiten, man muss aus fast nichts etwas machen!“ Im Vorjahr durfte sie im Rahmen von „Oper rund um“ in Waidhofen „Figaros Hochzeit“ betreuen.

Von der Idee zum fertigen Bühnenbild

Die Herstellung von kunstvollem Kopfschmuck ist Ina Reuters zweite Leidenschaft.
Archiv/ privat

Derzeit kann Ina Reuter als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder höchstens zwei Produktionen jährlich erarbeiten, zurzeit ist sie mit dem „Vogelhändler“ beschäftigt, der im Juni in Bad Hall Premiere feiern soll. „Zumeist nimmt der bereits engagierte Regisseur mit mir als gewünschter Bühnenbildnerin Kontakt auf. Bekomme ich den Zuschlag, beginnt die intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stück“, schildert die 49-Jährige.

Sie sucht dann nach Inspirationsbildern, die ihre Vorstellung von dem Raum unterstreichen. Hierfür recherchiert sie in Büchern, Zeitschriften, im Internet, notiert sich Räume, Orte und Anforderungen. Dabei entstehen Bilder, Farben und Assoziationen im Kopf. Dann werden die jeweiligen Vorstellungen mit dem Regisseur und dem Kostümbildner aufeinander abgestimmt, weshalb oftmals in bereits bestehenden Teams gearbeitet wird: „Man weiß, wie der andere denkt!“ Danach beginnt Ina unter Berücksichtigung der Gegebenheiten im Theater ein Modell zu bauen – vorerst nur skizzenhaft, mit jeder Besprechung wird es konkreter.

Kunsthandwerk abseits des Theaters

Ist der Entwurf akzeptiert, sind technische Zeichnungen anzufertigen, bisweilen gibt es sogar eine Bauprobe, wobei Größen und Maße auf der Bühne markiert werden. Bei der technischen Besprechung sind dann alle Gewerke anwesend, es werden die Arbeiten verteilt und die Materialien festgelegt. „In der Produktionsphase kontrolliere ich in den Werkstätten die Fortschritte, da kann es noch zu kleinen Änderungen kommen.“ Ob gemäßigt oder modern – sie möchte mit ihren Räumen eine „Leinwand“ für die Darsteller erzeugen, sie sollen im Vordergrund stehen. Interessant findet sie aber auch moderne, freie Räume.

Als Alleinerziehende kann Ina Reuter derzeit nicht alle Aufträge annehmen, deshalb produziert sie nun Kunsthandwerk abseits des Theaters wie Trachtenschmuck. Auch die Verarbeitung von Perlen bereitet ihr viel Freude. Sie verkauft gerne auf Märkten und ist gerade dabei, einen Internetshop aufzubauen. Ihre eigentliche Passion aber ist das Theater: „Unbestritten ist das Bühnenbild mehr als geschmackvoller Zuträger oder Dekoration und Gestaltung des Umraumes. Die moderne Sicht dieses Berufes entspricht eigentlich der eines Bilddramaturgen.“