„Keiner hat gewusst, dass ich singe!“. Alexander Eder startet nach dem Erfolg bei „The Voice of Germany“ mit eigener Musik voll durch. Neues Album, neue Band und große Ziele. Der Publikumsliebling aus Neuhofen an der Ybbs im großen Interview.

Erstellt am 10. September 2020 (09:52)
Alexander Eders Lieblingsplatz ist die Bühne. Zum Ausgleich tauscht er diese mit seiner exklusiven AE-Edition BMW.
MARIO WALLNER / STEFAN WOLF

Auf seiner schwarzen BMW mit goldenen Stilelementen kommt Alexander Eder (21) zum Hallo! Mostviertel-Interview. Die „Alexander Eder Edition“ hat der deutsche Motorradhändler BMW Martin speziell für den jungen „The Voice of Germany“-Star und Rock´n Roller aus Neuhofen/Ybbs designt. Dem schmucken Bike gehört im Moment ein kleiner Teil der raren Freizeit des Mostviertler Musikers.

Bei einer Ausfahrt mit dem deutschen Bob-Weltmeister Johannes Lochner.
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Alexander, Dein Erstlingsalbum erscheint am 31. Oktober. Wie viel „Eder“ steckt darin?
Alexander Eder: Vom Gefühl und der Stimme natürlich 100 Prozent. Die Titel widerspiegeln das, was ich im Moment lebe und fühle: Gute Musik mit Rock-Elementen und deutschen Texten, die zum Teil auch aus meiner Feder stammen. Für einen Titel hab ich auch die Musik geschrieben. Insgesamt standen uns 22 Super-Nummern zur Wahl – unter anderem von den Songwritern von Matea und Vincent Weis. Bei „Alles wird vergehen“ hat sogar der Songschreiber von Unheilig mitgewirkt.

Alexander Eder: Jeder Auftritt ist Ardrenalin pur. Sein Premierenalbum „Schlagzeilen“ wird am 31. Oktober veröffentlicht.
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Klingt nach großer deutscher Meisterarbeit? Hast du auch in Deutschland aufgenommen?
Eder: Als Plattenfirma haben wir Universal Deutschland gewinnen können. Produziert wurde das Album aber in Wien von Alexander Kahr, der ja unter anderem lange Jahre für Christina Stürmer sehr erfolgreich gearbeitet hat. Alles in allem standen wir unter ziemlich großem Zeitdruck. Wir wollten den Schwung nach „The Voice“ unbedingt mitnehmen. Letztlich bin ich aber unendlich glücklich mit dem, was wir geschafft haben.

Stichwort „The Voice of Germany“: Wie wichtig war die Zeit für dich und deine Karriere?
Eder: Die Sache hat zwei Seiten. Nach meinem Ausscheiden im Viertelfinale war ich am Boden zerstört. Obwohl ich froh war, dass ich es überhaupt so weit geschafft habe. Heute bin ich happy, dass es damals aus war. Ich war schon zu eng in das Elvis-Kostüm gepfercht – immer wieder mit der „Your Man“-Geschichte verbunden. Dabei geht es nicht um die Musik. Ich liebe Elvis, er ist ein Riesen-Vorbild von mir. Ich möchte mich jetzt aber bewusst vom Cover-Image wegbewegen, weil ich einfach was Eigenes machen will. Mein Markenzeichen – die tiefe Stimme – habe ich bei der Castingshow überhaupt nicht einsetzen können. Was ich total schade gefunden haben, weil das ein Teil von mir ist. Im Viertelfinale hätte ich mich für ein ganz anderes Lied entschieden. Das hat man – glaube ich – auch gespürt. Umso mehr freut es mich, dass ich nach dem Ausscheiden rasch als eigenständiger Künstler wahrgenommen wurde. Auch in Deutschland ist die Nachfrage sehr groß!

Wer managt Dich?
Eder: Ich hatte nach „The voice“ das Riesen-Glück, bei der Tiroler Agentur Starmaker zu landen. Bettina und Hubert sind Vollprofis, die mit vielen namhaften Künstlern zusammenarbeiten. Für 2021 haben wir in Österreich, Deutschland und der Schweiz schon sehr viele Termine stehen – Konzerte und Fernsehshows. Es läuft einfach super!

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Wie hat sich Corona bei Dir ausgewirkt?
Eder: Corona war für mich – wie für alle Künstler in Österreich – natürlich alles andere als cool. Wir haben zwar an einigen Wochenenden auftreten können, mussten aber mit Sicherheit einen Publikumsverlust von rund 70.000 Leuten hinnehmen. Im Gegenzug ermöglichte uns das sehr viel Zeit im Studio. Jetzt hoffen wir stark auf eine Beruhigung der Situation. Denn ich will unbedingt viel live spielen. Das ist für mich das Schönste. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, durchs Land zu touren und mit Fans zusammenzutreffen.

Rock ´n Roll hat ja zum Teil auch ein „schmutziges“ Image. Vor allem, wenn es um Rauchen, Drogen oder Alkohol geht. Wie stehst du dazu?
Eder: Also rauchen kann ich überhaupt nicht. Da ist meine Stimme viel zu empfindlich. Ich reagiere auch ganz schlecht auf Alkohol. Ein, zwei Bier nach einem Gig sind natürlich kein Problem. Vor einem Auftritt trinke ich aber überhaupt nichts. Ich will ja zu 100 Prozent da sein und die Momente auf der Bühne voll spüren und genießen. Ich gebe bei jedem Konzert 110 Prozent. Nach einem Auftritt bin ich nicht verschwitzt, sondern „waschelnass“ und voller Adrenalin und Glückshormone. Dann sitze ich oft da und mir denke: Ich will noch einmal zurück!

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Tourst du mit einer eigenen Band?
Eder: Ja. Wir haben uns während Corona neu aufgestellt und sind ein Super-Team. Wir ziehen alle an einem Strang. So, wie wir jetzt spielen, sind wir unschlagbar. Das spürt man auch bei der Kreativität. Gemeinsam haben wir in kurzer Zeit acht neue Nummern geschrieben. Da kommt uns unser neues Probenlokal zu Gute, das wir gerade mit viel Handarbeit zum Mini-Studio umbauen.

Wie schaffst du es, mit 21 so zielstrebig, professionell und geerdet zu sein?
Eder: Neben Management und Plattenfirma, die beide unermüdlich für mich arbeiten, profitiere ich viel von meinem Bruder. Der ist Mentaltrainer und persönlich eines meiner größten Vorbilder. Er, meine Eltern und meine Freunde erden mich irrsinnig stark. Sie bestätigen mich auch in meiner Lebensphilosophie: Man muss Spaß haben und genießen, dafür aber auch hart arbeiten. Diese Einstellung teile ich mit meinen Eltern, den ich natürlich ganz besonders dankbar bin.

Mein Vater hat ein Autohaus und hat nie verlangt, dass wir Kinder das übernehmen müssen. Er hat vielmehr gemeint, macht was ihr wollt. Wenn Ihr euch da hineinkniet, unterstütze ich das zu 100 Prozent. Und das hat er auch gehalten. Zur Zeit von „The Voice“ sind wir Tausende Kilometer mit dem Auto gefahren. Einmal hatten wir in 24 Stunden drei weit verstreute Auftritte. Mein Papa ist gefahren und hat die Zeit dazwischen nichts geschlafen. So was hat uns schon sehr zusammen geschweißt.
Auch meinen Freunden bin ich unendlich verbunden. Es sind die Besten, die man sich vorstellen kann. Obwohl keiner von ihnen aktiver Musiker ist, reisen die oft hunderte Kilometer zu einem Auftritt. Das ist schon einzigartig.

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Gehen wir einen Schritt zurück. Wer in deiner Familie hat dich zur Musik gebracht?
Eder: Niemand. Bei uns sind alle unmusikalisch (lacht). Einzig mein Urgroßvater, den ich leider nie kennenlernen durfte, hat Opern gesungen. Aber das wissen wir nur aus Erzählungen.

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Und wie kommt man da zum Singen und zu so einer Musikbegeisterung?
Eder:  Ich habe einfach still und heimlich zum Singen angefangen. Im Keller geübt und niemand davon erzählt, weil ich das nicht wollte. Ein wichtiger Moment, den ich nie vergessen werde, war in der 6. Klasse im BORG St. Pölten, als ich im Schülerchor bei einem großen Konzert eine italienische Arie gesungen habe. Keiner hat das zuvor gewusst, weder meine Eltern noch meine Freunde. Das Highlight war dann eine große Musical-Produktion, die im BORG jährlich inszeniert wurde: „The Sound of Music“ - so richtig groß mit 150 Leuten im Chor, 50 im Orchester und drei Besetzungen. 10 Abende mit jeweils 700 Besuchern. Ich in der Hauptrolle. Meine Mama war so begeistert, dass sie jede Vorstellung besucht hat.

Mit der Zeit habe ich mich dann auch für Instrumente interessiert – Schlagzeug, Trompete und Gitarre gelernt und nach der Matura Pop- und Jazzgesang studiert. Ja und dann kam „The Voice“.

Welche Musik hörst du privat und gibt es spezielle Vorbilder?
Eder: Ganz klar Elvis oder Leute wie Johnny Cash, aber auch Schwarzenegger und Sylvester Stallone. Das ist mein absoluter Lieblingsschauspieler. Seine Geschichte schau ich mir jeden zweiten Tag an.

Zur Lieblingsmusik – das ist ganz arg. Meine Freunde sagen immer: meine Playlist ist eine Katastrophe. Von jeder Richtung ist da irgendwas dabei – von Hip Hop zu Schlager, von Rock´n Roll zu Drum ´n Bass. Eigentlich mag ich alles, was gut und ehrlich ist. Die genaue Richtung ist dann stimmungsabhängig. Irgendwie spiegelt sich das auch in meiner Musik, die eigentlich keiner Schublade eindeutig zuordenbar ist. Das zeigt sich beispielsweise auch auf spotify, wo Lieder von mir vielfach in Schlager-, Pop- und Rock-Playlisten zu finden sind. Das finde ich total cool. Aktuell habe ich dort gerade 32.000 monatliche Hörer. Auf „Lauf mich frei“ habe ich über eine halbe Million Streams, fast so viele auch auf „YouTube“. Es läuft so richtig gut.

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Gibt es einen Plan B, falls die Musik nicht funktionieren sollte?
Eder: Nein. Mein Plan B ist Plan A. Ich will mein Leben lang Musik machen, mit 70 auf der Bühne stehen. Wenn man sich was fest vornimmt und hart daran arbeitet, werden solche Träume auch wahr. Natürlich soll ich von der Musik leben können, aber wegen Geld mach ich das alles nicht. Das Gefühl auf der Bühne zu stehen und seinen Traum leben zu dürfen, ist mehr wert als ein volles Konto. Dann noch das Feedback der Fans zu spüren, das macht alles perfekt. Ich habe bislang an die 40.000 Nachrichten persönlich beantwortet. Die Zeit war es mir aber wert. Kurzum – so wie es jetzt läuft, kann es ewig weiter gehen!

https://alexander-eder.at/