20 Jahre Reitherhaus: Kultur löste die Schnitzel ab. Wo sich einst eine Fleischhauerei befand, entstand 1999 ein Zentrum für Künstler.

Von Hans Kopitz. Erstellt am 17. August 2019 (03:54)
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Norbert Koppensteiner war 1999 Stadtrat: „Kulturzentrum fasste bei der Bevölkerung rasch Fuß.“

Seit 20 Jahren nennt sich das Reitherhaus am Rathausplatz „Kulturzentrum“ - und das mit gutem Recht, denn das Haus, das um 1550 erbaut wurde, als gerade die Pest in Herzogenburg wütete, kann in den vergangenen Jahren auf zahlreiche Kulturveranstaltungen zurückblicken, sei es nun Ausstellungen, Konzert- und Operettenabende, Lesungen oder das beliebte Sommerkino, die viele Besucher aus naher Umgebung und auch aus der Ferne anlocken.

Bereits in wenigen Tagen gibt es einen weiteren Höhepunkt: Die Marinekameradschaft Babenberg-Traisental feiert dort ihr 30-jähriges Bestehen und lädt zu einer Ausstellung von Schiffsmodellen der ehemaligen kaiserlich und königlichen Kriegsmarine ein. Die Ausstellung wird am Samstag, 17. August, um 10 Uhr eröffnet.

Errichtet wurde das Haus einst vom Fleischer Georg Knuebegkh – die Gewölbe im Erdgeschoß und die Halle im ersten Stock sind noch aus dieser Zeit erhalten. Das Haus wechselte in den folgenden Jahrzehnten mehrmals den Besitzer, bis es schließlich 1686 vom Stift Formbach am Inn gekauft wurde, das zu dieser Zeit die Grundherrschaft über den unteren Markt von Herzogenburg ausübte. Die Formbacher nutzten das Gebäude als Amtshaus – als Rathaus der unteren Markts – und gaben ihm sein heutiges Erscheinungsbild, wobei die wertvolle Kassettendecke mit Malereien im ersten Stock, die Barockfassade von Baumeister Jakob Prandtauer sowie die Stuckarbeiten von Joseph Munggenast zu den repräsentativsten Umbauten zählten.

1803 wurde das Kloster Formbach aufgelöst und sein Besitz fiel dem österreichischen Staat zu. Diesem kaufte schließlich das Stift Herzogenburg 1806 unter Prälat Michael Teufel den unteren Markt ab und ermöglichte damit die Vereinigung des oberen und unteren Marktes. Damit gelangte auch das heutige Reitherhaus in den Besitz des Stiftes Herzogenburg, welches das Haus jedoch noch im selben Jahr versteigerte.

Altbürgermeister Rupp war der „Motor“

Es folgten mehrere Besitzwechsel, bis es schließlich 1905 Heinrich Reither mit seiner Frau erwarb und ihm damit den heutigen Namen verlieh. Reither führte hier bis zu seinem Ruhestand einen Fleischhauerbetrieb. Seine beiden Töchter Johanna und Margarethe Reither übertrugen das Haus 1995 der Stadt auf Leibrente, um es für eine Nutzung zum Wohle der Gemeinde bereitzustellen. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten konnte somit 1999 das Haus unter Bürgermeister Anton Rupp als Kulturzentrum eröffnet werden.

Kulturstadtrat war damals Norbert Koppensteiner, er erinnert: „Ziel von Anton Rupp, der schon lange die Idee hatte, ein Kulturzentrum zu schaffen, war es, der heimischen Kultur eine Chance zu geben und sich entsprechend zu positionieren. Da er jedoch bei der Eröffnung krank war und dadurch nicht anwesend sein konnte, übernahm die feierliche Eröffnung Vizebürgermeisterin Luise Haas. Festredner war damals Karl Schlögl. Und da Wahlen bevorstanden, wurde sein Auftritt natürlich auch ausgenützt. Es gab ja anfangs alle zwei bis drei Wochen eine Veranstaltung, entweder eine Vernissage oder eine musikalische Darbietung, sodass das neue Kulturzentrum auch bei der Bevölkerung rasch Fuß fasste.“