Landwirte sind von Erntemenge "positiv überrascht“. Kukuruz statt Braugerste, Kürbis statt Rübe: Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich auf den Feldern.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 04. August 2020 (11:36)
Die Ernte läuft, die Witterung schlug nach langer Trockenheit für viele Früchte gerade noch rechtzeitig um. Bei den geernteten Flächen wird – über alle Getreidearten hinweg – von guten bis sehr guten Qualitäten berichtet.
BBK Hollabrunn

„Manche Landwirte behaupten ja, dass ein Schaltjahr immer eine besondere Herausforderung darstellt. Für 2020 trifft das neben der Coronakrise gerade auch im Ackerbau zu“, analysiert Friedrich Schechtner in einer Zwischenbilanz. So war das heurige Jahr bis Mitte Mai von ausbleibenden Niederschlägen gekennzeichnet und eine Missernte stand zu diesem Zeitpunkt im Raum, schildert der Obmann der Hollabrunner Bauernkammer. „Der dann folgende Regen und gemäßigte Temperaturen konnten jedoch auch bei den Getreidebeständen noch einiges wettmachen.“

Das diesjährige Erntegespräch im westlichen Weinviertel (Bezirke Hollabrunn, Korneuburg und Tulln) fand heuer in Form einer Videokonferenz statt. Dabei wurde die Getreideernte, die gerade voll im Laufen ist, von Vertretern der Landwirtschaft, der Aufkäufer und der Agrarmarkt Austria analysiert. Für die Kammer Hollabrunn waren neben Schechtner auch Kammersekretär Gerald Patschka und Pflanzenbauberater Hermann Dommaier-Bachl vertreten.

Bedingungen für Kornausbildung waren optimal

Nach Meinung der Experten ist im Bezirk Hollabrunn mengenmäßig von einer Durchschnittsernte auszugehen. Die Pflanzen haben bis Mitte Mai unter der extremen Trockenheit gelitten. Eine geringe Bestockung und schüttere Bestände waren die Folge. Die Witterung bei der Abreife und damit die Kornausbildung seien dann aber nahezu optimal gewesen.

„Bei schlechteren Bodenbonitäten und wasserzehrenden Vorfrüchten haben wir es zwar auch heuer mit deutlichen Mindererträgen zu tun, da der Regen zu spät kam. Viele Landwirte sind aber insgesamt durchaus positiv von den Erntemengen überrascht“, berichtet Schechtner.

Bei den bereits geernteten Flächen werde – über alle Getreidearten hinweg – von guten bis sehr guten Qualitäten berichtet. „Die Werte für Siebung, Proteingehalt, Hektolitergewicht und Fallzahl bewegen sich in einem für die weitere Verwendung bzw. Verarbeitung günstigen Bereich.“

Tief bei Sommergerste und Zuckerrübe

Bemerkenswert seien einige Zahlen aus der Anbauflächen-Statistik. So liegen beispielsweise die Sommergerste (Braugerste) mit rund 4.400 ha und die Zuckerrübe mit 1.770 ha im Bezirk bei einem historischen Tiefststand, während Mais (7.170 ha) und Ölkürbis (4.490 ha) neue Höchststände erreicht haben. Aus diesen Zahlen sei – neben enormen Schäden durch den Rübenrüsselkäfer – eine Anpassung der Landwirte an die veränderten klimatischen Bedingungen ablesbar, da beispielsweise der Kukuruz wesentlich besser mit höheren Temperaturen zurechtkommt.

Landtagsabgeordneter Richard Hogl, der der Videokonferenz ebenfalls beiwohnte, betont: „Die Landwirte im Bezirk Hollabrunn leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Österreich. Die Konsumenten können sich auf qualitativ hochwertige, regionale Produkte verlassen.“