Hochkarätige Klima-Runde: "Noch nicht zu spät“. Im Nationalpark waren Experten einig: Es muss dringend gehandelt werden.

Von Romana Schuler. Erstellt am 23. Oktober 2020 (04:36)
Klimadiskussion im Nationalparkhaus (v.l.): Diplomat Ferdinand Trauttmansdorff, Leader-Region-Geschäftsführerin Renate Mihle, Geschäftsführer Gregor Danzinger (Klimamodellregion Retzer Land), Thomas Weber (Biorama), Amtsleiterin Margit Müllner, Nationalpark-Direktor Christian Übl, Bürgermeister Friedrich Schechtner, Umweltdachverband-Präsident Franz Maier, Klimaforscher Herbert Formayer, Waldviertel-Akademie-Direktor Erich Wurz sowie Landtagsabgeordneter Georg Ecker.
Romana Schuler

„Biodiversitätskrise, Wirtschaftskrise, Klimakrise. Zeit für neue Zukunftsperspektiven“: Der der Meteorologe und Klimaforscher Herbert Formayer (BOKU) sowie der Biologe und Präsident des Umweltdachverbandes, Franz Maier, waren zur Podiumsdiskussion im Nationalparkhaus angereist. Per Live-Schaltung war Ökonomin Sigrid Stagl aus London mit dabei.

Moderiert von Thomas Weber (Magazin „Biorama“), erläuterte Formayer die Klimakrise anhand der zunehmenden Trockenheit in der Region. Der Wassermangel habe dramatische Folgen, aber noch würden wir in einem guten sozialen Umfeld leben und könnten somit einiges abpuffern.

„Wir sind bereits mitten im Klimawandel, und zwar weltweit. Wir stehen heute faktisch an einer Grenze.“Herbert Formayer, Klimaforscher

Doch auch das Gegenteil könne schwerwiegende Folgen haben. Extremes Hochwasser, kleinräumige Überflutungen werden häufiger und verursachen enorme Schäden in der Landwirtschaft. Als Beispiel nannte Formayer die aktuellen Überschwemmungen in Südfrankreich und Italien. „Die Zunahme extremer Wetterphänome müssen wir uns bewusst machen“, so der Experte, der betonte: „Wir sind bereits mitten im Klimawandel, und zwar weltweit. Wir stehen heute faktisch an einer Grenze.“

Bedrohlich sei die Rückbildung des arktischen Eises, die das Klima massiv verändern wird; möglicherweise werde es in Europa zukünftig Wüstengebiete geben. Es gebe jedoch Möglichkeiten, diese Entwicklung zu stoppen, vor allem der politische Wille müsse vorhanden sein, so Formayer.

Der Krise der Biodiversität widmete sich Franz Maier. Er schilderte, dass Klima, Biodiversität und Wirtschaft zusammenhängen, letztlich sei auch die aktuelle Coronakrise eine Folge des menschlichen Umgangs mit der Natur. „Daher können wir diese drei Krisen nur gemeinsam lösen.“

Maier visualisierte das ungleiche Verhältnis zwischen Mensch, Haus- und Wildtieren. Die Wildtiere scheinen kaum noch auf. Weiters wies er am Beispiel der Donau auf die Auswirkungen von Flussbegradigungen hin. Viele Tierarten seien danach verschwunden. Auch Monokulturen wie Fichtenwälder wirken sich ungünstig aus. „Es ist also kein Wunder, dass sich der Borkenkäfer so stark verbreiten konnte.“ Maier setzt sich für Mischwälder ein. Vielfalt müsse der Schlüssel für den Erhalt unserer Wälder sein.

Selbst mit erneuerbaren Energien solle behutsam umgegangen werden. „Letztlich müssen wir der Natur Raum geben“, so Maier. Auch er sieht die Politik dringend gefragt.

Für Ökonomin Stagl ist die Covid-19-Krise keine Überraschung. „Bereits 2017 gab es erste Warnungen, dass wir gegen neue Viren zu kämpfen haben würden.“ Sie sieht nur eine Chance, die Pandemie einzudämmen, nämlich im interdisziplinären Vorgehen von Naturwissenschaften, Wirtschaft und Geisteswissenschaften. In vielen Dingen stimmt sie Maier und Formayer zu. Es gehe nur gemeinsam. Man müsse Regelwerke in den Märkten einführen. Diese Regeln liefern die gesellschaftlichen Ziele, nach denen wir handeln können. Dabei sollen vor allem auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Regionen beachtet werden.