Gössl-Nachfolge: SPÖ startet neu durch. Alexander Eckhardt ist nun Ansprechpartner des roten Wirtschaftsverbandes in Hollabrunn.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. Juni 2021 (04:18)
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Neuformierung im Hollabrunner SWV: Alexander Eckhardt, Gabriele Winkler und Landesgeschäfts- führer Gerd Böhm.
Ines Freitag, Ines Freitag

„Ich war eineinhalb Monate selbstständig, dann kam die Corona-Krise“, sagt Alexander Eckhardt, der als Finanzdienstleister und Versicherungsmakler tätig ist. In dieser Zeit überlegte er sich, wer die Klein- und Mittelbetriebe sowie die Ein-Personen-Unternehmen (EPU) vertritt. Im Falle von Eckhardt, der SPÖ-Gemeinderat in Hollabrunn ist, lag die Antwort nahe: die Sozialdemokratie. Genauer gesagt, der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Niederösterreich, SWV.

Eckhardt startet nun als neuer Ansprechpartner des SWV im Bezirk und wird ein Team aufbauen. Damit tritt er in die Fußstapfen des verstorbenen Werner Gössl. Seine Stellvertreterin ist Gabriele Winkler, die stellvertretende Vorsitzende der Fachgruppe Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe ist.

„Wer mich kennt, der weiß, dass ich viel Energie und Herzblut reinstecke.“ Alexander Eckhardt

Was der SWV erreichen will? „Einen rascheren Breitbandausbau“, nennt der Breitenwaidinger ein Beispiel. Gerade die Corona-Krise hätte gezeigt, dass hier in der Region noch viel Luft nach oben ist. Für ihn ist klar: „Der Staat muss flächendeckendes Breitbandinternet aus den Steuereinnahmen zu Verfügung stellen!“

Eine weitere Forderung: Jede Gemeinde ab etwa 3.000 Einwohnern soll Büros für Start-ups zur Verfügung stellen, die sie kostenlos oder nur für geringe Miete – zumindest in den ersten ein bis zwei Jahren – nutzen können. „Es gibt genug leer stehende Gebäude“, meint der SPÖ-Mandatar. Land und Bund müssten den Gemeinden mit Förderungen zur Seite stehen.

Generell sei der Infrastrukturausbau voranzutreiben. Denn wie die Erweiterung der Weinviertler S 3 zeige, ist dies ein Turbo für den Bezirk. „Neue Gewerbeparks entstehen und somit neue Arbeitsplätze“, sagt Eckhardt und betont: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich viel Energie und Herzblut reinstecke, wenn mir etwas wichtig ist.“

Steuersystem muss gerechter werden

Für die soziale Absicherung der Unternehmer sei es nötig, das Steuersystem gerechter zu gestalten. „Es kann nicht sein, dass Internet-Giganten wenig zahlen und Klein- und Mittelbetriebe die ganze Steuerlast tragen.“ Hier stimmt ihm SWV-Landesgeschäftsführer Gerd Böhm zu. Er ist froh, dass es nun wieder einen Ansprechpartner vor Ort gibt. „Die beiden sind ein engagiertes Team, die sich für die Region einsetzen werden. Das ist sehr wertvoll.“

„Kleine Betriebe haben Potenzial und können sich zu Leitbetrieben entwickeln – wenn man sie genug unterstützt“, sagt Böhm. Ihre Bedeutung werde oft unterschätzt, dabei machen sie österreichweit 50 Prozent der Unternehmen aus, in Niederösterreich sind es sogar 60 Prozent. Branchen, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind, sollen weiterhin Förderungen bekommen. Winkler kann davon ein Lied singen. Ihre Familie hat einen Schaustellerbetrieb und Zeltverleih. „Wir sind seit November 2019 zu Hause.“

Ersparnisse für die Pension durch Corona aufgebraucht

Wie man ohne Einnahmen überlebt? „Wir haben zum Glück gut gewirtschaftet“, sagt Winkler. Das Ersparte, auf das sie zurückgreifen musste, war allerdings für die Pension gedacht. Außerdem habe man Überbrückungskredite in Anspruch genommen, um laufende Kosten, wie Leasingraten, bezahlen zu können. „Die Kredite muss man aber auch wieder zurückzahlen.“

Die Planungslage sei nach wie vor unsicher. „Ab September können wir wieder fahren“, wurde ihr in Aussicht gestellt. Bis dahin muss sie sich um Personal kümmern, das sie im Moment aber noch nicht anstellen kann. „Wenn ich zu lange warte, gibt es aber kein Personal mehr“, spricht sie von einem Teufelskreis.

Selbst wenn die Geschäfte im Herbst wieder beginnen können, die Einnahmen werden sich in Grenzen halten, seufzt Winkler. Außerdem ist die Saison mit Wintereinbruch wieder vorbei. Bisher ist auch nicht klar, unter welchen Bedingungen die Fahrgeschäfte betrieben werden dürfen. „Wir sind zum Vergnügen da und nicht zum Kontrollieren.“ Darum hofft sie, dass der Härtefallfonds, der bis September verlängert wurde, auf das ganze Jahr ausgeweitet wird.