Öko-Leben mit Schaf und Esel in Peigarten. Pflegeassistent Manfred Schnötzinger betreibt in seiner Freizeit einen Öko-Hof, der in der Region schon einen Namen hat.

Von Romana Schuler. Erstellt am 11. April 2021 (04:23)
Durch die Beweidung durch die Tiere vom Öko-Hof Schnötzinger gibt es auf den Naturschutzwiesen wieder eine natürliche Artenvielfalt an Blumen und Gräsern.
NOEN, Durch die Beweidung durch die Tiere vom Öko-Hof Schnötzinger gibt es auf den Naturschutzwiesen wieder eine natürliche Artenvielfalt an Blumen und Gräsern.

Der gebürtige Jetzelsdorfer Manfred Schnötzinger erwarb 2015 in Peigarten ein Haus mit genügend Platz für seine drei Pferde und rund zwanzig Hühner. Inzwischen leben dort am Hof noch mehr Hühner, Mastschweine, Esel, Hasen, Weidegänse, Meerschweinchen, Schafe und Ziegen sowie sieben Dexter-Rinder, eine ursprünglich irische Zwergrinderrasse.

In einer Holzhütte vor dem Hof werden rund um die Uhr hauseigene Produkte angeboten, wie diverse Wurstsorten und Fleischwaren, Eier, Milch und Butter. Seit Kurzem auch selbst gemachter Eierlikör. Das Anwesen hat sich zu einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb entwickelt, der sich unter dem Label „ÖKO HOF Schnötzinger“ zunehmend einen Namen in der Region macht.

„Transport und Schlachtung bedeuten unglaublichen Stress für das Tier.“ Manfred Schnötzinger über Biofleisch, das quer durch Österreich gekarrt wird.

War das beim Kauf des Hauses bereits geplant? „Nein, ganz und gar nicht“, sagt Schnötzinger, der immer noch seiner 40-Stunden-Beschäftigung als Pflegeassistent im Retzer Pflegeheim nachgeht und demnächst eine Ausbildung zum diplomierten Krankenpfleger beginnen wird. Er liebe seinen Beruf, erklärt er, es sei eine erfüllende Aufgabe, in der Pflege tätig zu sein und Menschen zu helfen. Der Ökohof ist eine Art von Freizeitbeschäftigung.

Sein Partner Markus arbeitet ebenfalls Vollzeit als Gärtner in Mistelbach. Schnötzingers Liebe zu Tieren ist nichts Neues, ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Tierpfleger absolviert. „Im Zusammenhang mit den Tieren habe ich mich mit dem ökologischen Kreislauf beschäftigt und ihnen beim Fressen genau zugeschaut.“ Die meisten Weiden sind überdüngt, bei Gräsern und Blumen schwindet die Artenvielfalt. „Jede Tierart hat ein eigenes Fressverhalten. So bin ich auf die Idee gekommen, die meist verschilften Naturschutzwiesen entlang der Bundesstraßen beweiden zu lassen,“ erzählt Schnötzinger und ergänzt: „Die Erlaubnis habe ich mir beim Land geholt. Die brauchen die Wiesen nicht mehr zu mähen, das machen jetzt meine Schafe, Ziegen, Rinder und Esel. Jetzt blühen dort wieder unterschiedlichste Blumen.“

Er sei bewusst kein Biobauer geworden, weil ihm das wirtschaftliche Vorgehen bei Biohöfen, vor allem bei der Schlachtung, missfällt: „Trotz Biohaltung werden die lebenden Tiere oft österreichweit mit einem Lkw eingesammelt, um sie dann in stundenlanger Fahrt zum Schlachthof nach Graz zu transportieren“, weiß der Ökohof Besitzer.

Schlachtboxen für mehrere Landwirte

Danach werde das Fleisch wieder mit dem Transporter in unsere Region gebracht und in den Supermärkten als Biofleisch angeboten, „obwohl Transport und Schlachtung für das Tier unglaublichen Stress bedeutet haben“.

Einen eigenen Schlachtraum zu betreiben sei für ihn wie auch für viele andere kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufgrund der hohen Kosten nicht möglich. Schließlich schlachtet man nicht jeden Tag, sondern vielleicht nur einmal im Monat. Daher tritt er für die Idee einer Schlachtbox ein, die man sich mit anderen Landwirten teilen könnte. Dabei handelt es sich um eine Art Anhänger, in dem das Tier – nach stressloser Betäubung am Hof – vor Ort getötet und gleich anschließend zum Zerlegen in einen Schlachthof gebracht wird. Vor zwei Wochen wurde im Parlament dafür gestimmt. „Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Schnötzigner.

Er plädiert auch auf gerechte Bezahlung für landwirtschaftliche Produkte, die naturgemäß in einem höheren Preissegment liegen müssten. „Ich glaube schon, dass die Zeit mit Corona ein Umdenken gebracht hat und man sich bewusster mit den Produkten beschäftigt, die wir hier in der Region haben.“ Die beiden Ökohof-Betreiber hoffen auf ein nachhaltiges Umdenken im Umgang mit der Natur und auf vermehrtes Interesse an heimischen Produkten. Damit könnte auch das Leid in den ärmeren Ländern gestoppt werden: „Es sind die reicheren Länder, die dort die Bodenschätze plündern und die Natur zerstören, etwa mit den großen Palmölplantagen. Die Kinderarbeit für den zunehmenden Abbau von Kobalt für die Akkus in den Minen im Kongo ist auf das Konsumverhalten der reichen Welt zurückzuführen.“

Diese Form von Ausbeutung der Natur in armen Ländern ist für Schnötzinger die Folge davon, dass ökologische Kreisläufe nicht beachtet werden. Für ihn ist die Rückbesinnung auf natürliche Abläufe besonders wichtig, und die in unserer Region mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten: „Das so etwas möglich ist, lehren uns unsere Tiere am Hof.“