Knopf-Fabrik: 110 Jahre jung und frische Ideen. Die einzige Perlmutt-Manufaktur Österreichs im kleinen Ort Felling (Gemeinde Hardegg) am Rande des Nationalparks Thayatal feiert heuer ihr 110-jähriges Bestehen. Ein guter Zeitpunkt, im Wettbewerb mit der asiatischen Billigkonkurrenz neue Zukunftspläne zu schmieden. Als beliebtes Ausflugsziel startet die vermutlich älteste Knopf-Fabrik der Welt am 19. Mai in die Saison.

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 13. Mai 2021 (19:52)
Erfolgreiches Paar: Anita und Rainer Mattejka starten mit ihrem 110 Jahre jungen Familienbetrieb am 19. Mai in die neue Saison.
Usercontent, Kelag/Waschnig

Ob Innenausstattungen für die Luxus-Jets der Superreichen oder edle Knöpfe für die führenden Modemarken der Welt: Die RM Perlmuttdesign GmbH gehört zu den versteckten Nischenplayern am Weltmarkt und hat sich mit hochwertigen Perlmutt-Produkten einen Namen gemacht. Mit der „Erlebnis Perlmutt Manufaktur“ betreibt das Unternehmen ein bekanntes Ausflugsziel, das pro Saison rund 13.000 Besucher anzieht. Hier erfährt man alles über die Perlmutt-Produktion. Eine Café-Lounge samt Shop und ein Abenteuer-Spielplatz laden zum Verweilen ein. Die NÖ-Card berechtigt einmalig zum kostenlosen Eintritt.

"Mit blauem Auge davongekommen"

Durchschnittlich acht Millionen Perlmutt-Knöpfe werden in der letzten Perlmutt-Manufaktur Österreichs (eine der letzten drei in Europa) jährlich produziert. Zudem wächst das Luxus-Segment. Hier werden die Schriftzüge der Bösendorfer-Klaviere ebenso gefertigt und die Innenausstattungen von Privatjets, Yachten oder Kreuzfahrtschiffen individuell veredelt. „Wir sind im Corona-Jahr 2020 mit einem blauen Auge davongekommen“, blickt Geschäftsführer Rainer Mattejka zurück. Die Produktion brach auf nur 1,2 Millionen Knöpfe ein. Die Besucherzahl halbierte sich. „Wir blicken aber positiv in die Zukunft“, sagt der Chef des Familienbetriebs. Und hat neue Ideen.

Umweltfreundlicher Weg: Kein Abfall mehr bis 2025

So tüftelt er an einer nachhaltigen Produktionslinie. Dabei werden die Perlmutt-Produktionsabfälle – im Schnitt etwa eine Tonne pro Jahr – in unterschiedliche Stärken zerrieben und weiterverwendet. Derzeit laufen vielversprechende Testanwendungen der schillernden Perlmutt-Brösel für Deko-Artikel, Möbel und Fassaden mit Partnerfirmen. „Bis 2025 wollen wir somit gar keinen Abfall mehr produzieren“, verkündet Mattejka.

Das Erfolgsgeheimnis liege in der Qualität, betont er. Das beginne bereits beim Einkauf. Nur die hochwertigsten Muscheln werden aus Zuchtfarmen in Indonesien und Australien importiert.

In Felling werden daraus vor allem Knöpfe erzeugt, die doppelt so dick wie jene der asiatischen Billigkonkurrenz und somit bruchfest sind. Dazu komme der Trend weg von Kunststoff-Knöpfen zum Naturprodukt. Denn das schillernde Perlmutt wird aus der innersten Schalenschicht bestimmter Muscheln und Schnecken gewonnen und besteht vor allem aus Calciumcarbonat, einer Art Kalk.

Ausstellung wird neu aufgestellt

Ab 2022 soll auch die bisherige Ausstellung in der Erlebnis-Manufaktur von Anita Mattejka modernisiert und komplett neu aufgestellt werden. Bis dahin soll zudem eine neue Photovoltaikanlage samt E-Tankstelle für Autos und Radfahrer in Betrieb gehen, um den Weg der Nachhaltigkeit beizubehalten.

Seit 2005 wurde weit über eine Million Euro in den Standort im nordwestlichen Bezirk Hollabrunn investiert. Erst 2019 wurden der Shop- und Außenbereich neu angelegt. 

Geschichte:

Im Jahr 1911 gründete Rudolf Marchart seine Perlmutt-Manufaktur im Waldviertel. Im Laufe der Zeit wurde der Betrieb in Felling immer weiter ausgebaut. Heute betreibt Ur-Ur-Enkel Rainer Mattejka die RM Perlmuttdesign GmbH mit seiner Familie bereits in der fünften Generation und beschäftigt acht Mitarbeiter.

Damit ist das Unternehmen die einzige verbliebene Perlmutt-Manufaktur Österreichs. Zur Relation: In den 1950er-Jahren gab es hierzulande noch knapp 100 Werkstätten, die mit der wachsenden Billigkonkurrenz aus Asien schrittweise schließen mussten.