"Grenzgänger" fehlen den Betrieben. Tschechien machte die Grenzen nun auch für die Pendler dicht, die in Österreich arbeiten. Hollabrunn treffe das besonders, meint Bauernkammerobmann Fritz Schechtner. Die fehlenden Arbeitskräfte bereiten den Landwirten große Sorgen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. März 2020 (18:47)
Bauernkammerobmann Fritz Schechtner (r.) berät die Landwirte im Bezirk in allen Lebenslagen. Dieses Mal geht es nicht um Dürre oder Schädlinge, das größte Problem sind derzeit fehlende Arbeitskräfte aufgrund der geschlossenen Grenzen.
Sandra Frank/Archiv

Die Landwirtkschaftskammer NÖ hat eine Online-Plattform geschaffen, auf der Arbeitskräfte vermittelt werden. Dort können sich Betriebe wie auch Helfer eintragen.

Mitbegründer diese Initiative, die bereits auf ganz Österreich ausgeweitet wurde, ist die Bezirksbauernkammer Hollabrunn. „Uns hat es vom ersten Tag an getroffen“, sagt Bauernkammerobmann Fritz Schechtner. Gemeint ist, dass Tschechien in der vergangenen Woche die Staatsgrenzen auch für Berufspendler dichtgemacht hat. Das Treffe den Bezirk aufgrund seiner Nähe zu Tschechien besonders. „Das ist bei uns ein gröberes Problem. In den landwirtschaftlichen Betrieben sind sehr viele Grenzgänger beschäftigt“, sagt Schechtner.

Als Grenzgänger werden all jene bezeichnet, die in Tschechien leben und in Österreich arbeiten. Im Landesinneren sei die Lage vielleicht entspannter, weil ausländische Arbeitskräfte ohnehin dort während ihres Arbeitsaufenthalts leben würden. Für die Landwirtschaft gelten jedenfalls dieselben Richtlinien, wie für wirtschaftliche Betriebe: Ausländische Arbeitskräfte dürfen 21 Tage in Österreich bleiben, müssen sich aber danach in ihrem Heimatland zwei Wochen in Quarantäne begeben. „Ob das die Grenzgänger auf sich nehmen wollen …?“

Natur nimmt keine Rücksicht auf fehlende Arbeitskräfte

Auf der Plattform der LKNÖ gebe es auf beiden Seiten bereits Anmeldungen. „Mich rufen fast stündlich Betriebe an und fragen, wo sie jetzt Arbeitskräfte herbekommen“, zeichnet Schechtner ein Bild von der aktuellen Situation.

Die große Frage: Sind die Freiwilligen für die Arbeit auf dem Feld oder im Weingarten geeignet? „Es ist harte körperliche Arbeit. Das muss einer wollen, können und aushalten.“ Die Arbeit der Landwirte müsse jedenfalls erledigt werden: „Die Natur nimmt ja keine Rücksicht darauf, ob wir eine Krise haben und, dass uns die Arbeitskräfte fehlen.“

"Bürger tragen Maßnahmen sehr gut mit"

Obwohl die aktuelle Situation katastrophal sei, sieht der Bauernkammerobmann etwas Positives: „Für mich ist es auch eine Zeit der Entschleunigung.“ Er verbringe jetzt viel Zeit im Weingarten und im Wald. „Dort gibt’s keinen Virus.“

Als Bürgermeister in Österreichs kleinster Stadt, Hardegg, nutzt er jetzt vor allem die Gemeindehomepage, um Informationen zu verbreiten. Was dem Niederfladnitzer positiv auffällt: „Ich bin überrascht, wie gut die Bürger die Maßnahmen mittragen.“ Dafür hat er ein Beispiel parat: In der Stadtgemeinde gibt es zwei kleine Nahversorger. „Wenn dort wirklich einmal mehr Leute zusammenkommen, dann warten sie draußen, bis jemand herauskommt, damit nicht zu viele gleichzeitig im Geschäft sind.“