Direktoren: „Über Zentralmatura redet keiner mehr“. Die höheren Schulen in Hollabrunn liefern weiter Erfolgsgeschichten. Bildungsreform wird belächelt.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Erstellt am 05. Juli 2017 (04:36)
EbGym
Das Logo des Erzbischöflichen Gymnasiums Hollabrunn, das einen Musik-Schwerpunkt einführt. Die Schülerzahl ist etwa gleichbleibend und liegt bei rund 560.

Endlich sind sie da, die Sommerferien! Die NÖN nahm das zum Anlass, mit den Direktoren der höheren Schulen in Hollabrunn zu sprechen.

Im BG/BRG Hollabrunn ist die Matura mit 30 Kandidaten „ganz normal“ verlaufen, erzählt Direktorin Jutta Kadletz. „Wir haben zwar keine weiße Fahne, aber auch keine ungewöhnliche Zahl an negativen Noten.“

NOEN
„31 Klassen sind eine neue Höchstzahl“, blickt Gym-Direktorin Jutta Kadletz aufs neue Schuljahr.

Ein absolutes Highlight des abgelaufenen Schuljahres war der Handball-Bundesmeistertitel der Unterstufen-Mädchen (die NÖN berichtete). Einen Höhepunkt des kommenden Schuljahres kann Kadletz schon vorhersagen: Im Februar 2018 werden die Gymnasiasten ein Musical im Stadtsaal aufführen: „Dracula – Das Grusical“.

Im kommenden Schuljahr steht das Gym vor einer besonderen Herausforderung: Es wird sechs erste Klassen geben, etwa 735 Schüler werden die Schule besuchen. „Insgesamt haben wir 31 Klassen. Das ist eine Höchstzahl!“ Jeder Sonderraum, wie Biologie- oder Chemiesaal, wird umfunktioniert.

Rummel um „Flüchtlingsklasse“ längst vorbei

Archiv
Hat erstmals die „MedienHAK“ im Angebot: Direktorin Andrea Filz. Foto: Archiv

Ohne Probleme ist auch die Reife- und Diplomprüfung an der HAK über die Bühne gegangen. „Die Schülerzahlen entwickeln sich positiv. Es gibt mehr Anmeldungen als im vergangenen Schuljahr“, berichtet Direktorin Andrea Filz.

Der Rummel um die einstige „Flüchtlingsklasse“ ist längst vorbei. Es gab in Hollabrunn keine Übergangsstufe mehr. „Alle höheren Schulen haben einige Asylwerbende und Schutzberechtigte in normale Klassen integriert“, weiß Filz.

Ab Herbst gibt es an der Handelsakademie erstmals die Ausbildungsmöglichkeit in der „MedienHAK“. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Medieninformatik, Internet, Social Media und Kommunikation, Netzwerkmanagement, Wirtschafts- und Organisationspsychologie sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Zur Polit-Reform? „Die Schulautonomie tritt erst übernächstes Schuljahr in Kraft, da haben wir ein Jahr Zeit, an neuen Konzepten zu arbeiten“, so Filz.

Schuljahr von Entwicklungsprozess geprägt

Von 61 angetretenen Kandidaten aus drei Klassen haben am Erzbischöflichen Gymnasium 53 die Matura bestanden, 14 davon mit ausgezeichnetem und 16 mit gutem Erfolg. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Schulleiterin Ingrid Lehner-Pfennigbauer.

Das Schuljahr 2016/17 sei vom Schulentwicklungsprozess geprägt gewesen. Musik wird als zweiter Schwerpunkt zu HUM eingeführt. Gestartet wird mit September 2018 in den ersten Klassen. Voranmeldungen sind ab sofort möglich.

Stolz ist Lehner-Pfennigbauer auch auf besonders talentierte Oberstufenschüler im Rahmen der Begabungsförderung. So gibt es einen Latein-„Olympiasieger“ in der siebten Klasse, einen Sechstklässler, der bereits das zweite Jahr „nebenbei“ an der WU studiert und ein Mathematiktalent aus der fünften Klasse, das eine 80-seitige Projektarbeit verfasst hat.

Hat Bildungsreform mit Bildung zu tun?

NOEN
Große Erfolge, aber kein größerer Finanzrahmen: HTL-Direktor Wolfgang Bodei.

„In drei Jahren redet kein Mensch mehr darüber“, freut sich HLW-Direktor Leopold Mayer, dass die Zentralmatura in seinem Haus besser ausgefallen ist als im Vorjahr. Kritik, dass durch die Konzentration auf die Zentralmatura die Freiheiten in der Lehrplan-Gestaltung eingeschränkt sind, seien aber nicht von der Hand zu weisen: „Das System in sich ist nicht schlüssig. Das ist der Preis, den man dafür zahlt.“ Die Bildungsreform führe sich mittlerweile ad absurdum, meint Mayer.

In der HTL mit ihren knapp 1.500 Schülern traten 138 Maturanten an, die Zahl der „Wiederholungstäter“ im Herbst beträgt in Summe 21. In der Fachschule müssen 15 von 69 noch einmal ran.

Ein Highlight des abgelaufenen Schuljahres war, dass zum dritten Mal binnen zehn Jahren der „Technik fürs Leben“-Preis der Bosch-Gruppe gewonnen wurde. Der hochqualitative Output der Paradeschule wird bis hinauf in Ministerkreise gelobt. Finanziell gewürdigt werden die Leistungen hier jedoch nicht, wie Direktor Wolfgang Bodei bestätigt. Der verordnete Lehrplan könne nur mit Sonderzuschüssen erfüllt werden. Zur Bildungsreform? „Die Frage ist, ob sie mit Bildung zu tun hat.