Biber sorgen für „Sinkendorf“ an der Schmida. Wasserverbandschef Martin Reiter hofft auf rasche Hilfsmaßnahmen mit dem Land NÖ.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 19. September 2019 (05:11)
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Symbolbild

Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter traute seinen Augen nicht, nachdem er seinen Traktor an einem Uferbegleitweg der Schmida zwischen Goggendorf und Sitzendorf abgestellt hatte. Er war damit beschäftigt, eine durch einen Biberbau einsturzgefährdete Stelle abzusichern. „Plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel, dass mein Traktor versinkt. Die Reifen habe ich schon nicht mehr gesehen“, schildert er.

„Feldweg war durch Biberburgen unterminiert“

In letzter Sekunde sei es ihm gelungen, sein Gefährt mit dem Allradantrieb wegzubewegen. Der Vorfall ereignete sich im Frühjahr – und ist in der Region kein Einzelfall. Immer wieder komme es zu gefährlichen Situationen.

NOEN
„Wir müssen handeln“, sagt Martin Reiter.

„Der Feldweg war durch drei bis vier Biberburgen unterminiert“, erläutert Reiter. Leider habe der Nager an der regulierten Schmida und den schmalen Uferböschungen zu wenig Platz für seine Bauten. Er gräbt daher auch unter den Feldwegen und Ackerflächen.

Als Obmann des Wasserverbandes Oberes Schmidatal richtete Reiter eine Resolution an die damalige Umweltministerin Elisabeth Köstinger und den stellvertretenden Landeshauptmann Stephan Pernkopf. Das Schreiben mit dem Titel „Der Biber – Baumeister in der Natur oder Plage?“ erhielten die Politiker bereits Ende März.

Die Schmidatal-Gemeinden appellierten, die Vermehrung der Biber zu regulieren und Schutzgebiete – Biotope und Rückhaltebecken wie etwa in Roseldorf – für die Nager zu errichten. Die Republik Österreich solle den Eigentümern betroffene Grundstreifen von Feldern und Wiesen abkaufen, damit sich die Schmida entfalten kann.

Biber sollen geeignete Lebensräume erhalten

Vor einigen Jahren stand den Gemeinden der Bibermanager Gerald Hölzer von der Universität für Bodenkultur zur Verfügung. Ein solcher Experte wäre wieder wünschenswert, um direkt vor Ort zu helfen.

Aus dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus trafen im Juli die Antwortschreiben ein. Die dargestellten Probleme seien nachvollziehbar, für konkrete Maßnahmen seien jedoch die Länder zuständig.

Die NÖN erkundigte sich beim Amt der NÖ Landesregierung über den Stand der Dinge. Dort heißt es, dass die Abteilungen Naturschutz und Wasserbau bereits mit dem Thema befasst und in Gesprächen mit dem Schmida-Oberlauf-Wasserverband und Vertretern der betroffenen Gemeinden seien.

Neben einer Kartierung des Bestandes sollen Gewässerabschnitte geschaffen werden, wo der Biber geeignete Lebensräume findet, sowie Bereiche, die freigehalten werden sollen. Bei geplanten Maßnahmen wie Gewässerpflegekonzept oder Rückhaltebecken sollen diese Anforderungen berücksichtigt werden.

„Letztendlich sind auch Eingriffe in die Population in Niederösterreich rechtlich nicht ausgeschlossen. Dafür müssen aber vorher gelindere Mittel angewendet werden, wie zum Beispiel präventive Maßnahmen oder die Entfernung der Biberdämme“, erklärt Sandra Klingelhöfer von der Abteilung Naturschutz.

Martin Reiter hofft indes, dass der Zonenplan des Landes so rasch wie möglich verfügbar ist. „Ich bin Tierschützer und liebe Tiere, aber man kann das Problem nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen handeln, damit nicht wirklich einmal etwas Gröberes passiert.“