Winzer: „Als wären die Heuschrecken eingefallen“. Noch nie hat ein Unwetter so viel Schaden in der Landwirtschaft angerichtet wie jenes am Donnerstag.

Von Barbara Witzany und Sandra Frank. Erstellt am 25. Juni 2021 (11:17)

„So großflächige Schäden hat es im Bezirk noch nie gegeben“, sagt Niederösterreichs Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann, der bereits mit Experten der Hagelversicherung Rücksprache hielt. Sein Roseldorfer Weingut blieb zum Glück von den heftigen Unwettern am Donnerstag verschont. Bei seinen Winzer-Kollegen sieht die Welt anders aus. Dort gibt es teilweise Totalausfälle. „Massive Schäden gibt es bei Hohenwarth und Radlbrunn“, so Zöchmann.

Die Spur der Verwüstung zog sich von Pulkau in Richtung Retz, die Gemeinden Wullersdorf und Retz sind ebenfalls betroffen. „Die Weingärten schauen aus, als wären die Heuschrecken eingefallen“, spricht er davon, dass kein Blatt mehr auf der Rebe ist. Die Winzer können nur hoffen, dass die Rebstöcke erneut austreiben und so eine Ernte im nächsten Jahr möglich ist, aber: „Es gibt sicher auch einige Langzeitschäden.“

"Wir sind noch nicht übern Berg"

Gibt es normale Ernteausfälle, so können sich die Winzer damit helfen, Trauben zuzukaufen, aber auch das wird heuer zur Herausforderung: „Von wem kaufst du die Trauben, wenn es in der Umgebung keine mehr gibt?“ Die aktuelle Lage schlage sich sicher auf die Stimmung während der Weintour, die am Samstag und Sonntag über die Bühne geht, ist Zöchmann sicher. Und: „Für heute sind schon wieder Gewitter angesagt. Wir sind noch nicht übern Berg.“

„Unser Haus hat zum Glück nichts, aber unsere Weingärten hat es stark erwischt“, sagt der Radlbrunner Winzer Andreas Pröll. In Ziersdorf hat der Hagel in Fenster und Dächer eingeschlagen. Der Winzer geht von einem Ernteausfall von um die 70 Prozent aus. „Es ist schlimm“, berichtet er im Gespräch mit der NÖN. 

Roseldorfer Becken hielt stand

In der Gemeinde Heldenberg gibt es in Glaubendorf Schäden an der Kirche: "Auf der Seite des Eingangs sind die Butzenscheiben zerstört - sie wurden bis zum Altar geschleudert. Die neue Fasade hat ebenfalls einige Einschläge", schildert Bürgermeister Peter Steinbach. Auch die Pergola des Dorfhauses wurde beschädigt. Landwirtschaft und Weinbau sind ebenfalls betroffen.

Martin Reiter, Sitzendorfs Bürgermeister, ist seit 5 Uhr morgens unterwegs. "Wir sind zum Teil verschont geblieben. Allerdings gibt es Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen. In Niederschleinz sollen Straßen vermurt sein, am heftigsten hat es Frauendorf erwischt." In dem Ort gibt es Hagelschäden an Dächern und Autos. Um 6 Uhr in der Früh war der Pegel der Schmida sehr hoch. "Unsere Rückhaltemaßnahmen mit dem Roseldorfer Becken funktioniert, das Wasser kommt aus dem Waldviertel."

90 Prozent der Dächer in Ziersdorf beschädigt

Extreme Schäden sind in Ziersdorf und Großmeiseldorf zu beklagen: "90 Prozent der Dächer sind zum Teil massiv betroffen, Photovoltaikanlagen zerstört. Beim Konzerthaus Weinviertel sind Scheiben zu Bruch gegangen", schildert Bürgermeister Hermann Fischer, der gerade in seiner Gemeinde unterwegs ist. "Wenigstens Rohrbach, Kiblitz und Dippersdorf sind nicht so arg betroffen. Radlbrunn hat es beim zweiten Unwetter gegen 18 Uhr erwischt, aber nicht in dem Ausmaß."

Gewaltig sind in den Gemeinden auch die Schäden in der Landwirtschaft und der Natur. "Die Straßen haben wie zu Fronleichnam ausgeschaut, voll Blätter und Äste", so Fischer. Sehr schwer stellt er sich die Reparatur der Schäden vor: "Die Dachdecker der Region sind bereits ausgebucht. Es kommen bereits Waldviertler Firmen zum Einsatz."