Oper Gars-Intendant Wildner: „Geben lange nicht auf“. Ob die Oper im Juli hält, entscheidet Intendant Wildner kurzfristig. Bis dahin bereitet man sich vor.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 02. April 2020 (03:56)
Johannes Wildner erzählt in seiner gewonnenen Freizeit via YouTube, was in seiner Umgebung an Kultur vorzufinden ist.
privat, lukasbeck.com

Im Sommer steht auf der Bühne der Oper Burg Gars bekanntlich Georges Bizets ebenso berühmte wie bekannte Oper „Carmen“ auf dem Programm, die Premiere ist für den 16. Juli geplant. Hält der Plan?

„Verfolgen Vielfach-Strategie“. Das getraut sich Intendant und Dirigent Johannes Wildner derzeit noch nicht zu sagen. „Aber die intensiven Vorbereitungen dafür sind voll angelaufen. Wir verfolgen derzeit eine Vierfach-Strategie, haben vier Modelle erarbeitet, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt wir wissen, ob wir spielen können.“ Eines sieht beispielsweise vor, dass etwa von der Ausstattung her es nur Kostüme für die Solisten gibt, der Chor aber in einer Einheitskleidung auf der Bühne stehe.

Der Dirigent widmet sich zudem weiterhin seinen Studenten.
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Entscheidung wird im Juni fallen. Anders als etwa in Mörbisch oder St. Margarethen im Burgenland, wo bereits die Entscheidung für eine Absage erfolgt ist, hat man in Gars noch Zeit. „Schon aufgrund des Bühnenbildes, für das an diesen Spielstätten enorm viel Geld aufgewendet wird, sind wir in der glücklichen Situation, dass wir keines brauchen. Unser Bühnenbild ist ganz einfach die Burg Gars selbst.“ Für Wildner genügt es, wenn eine Entscheidung bis Mitte Juni, also einen Monat vor Beginn der Aufführungen fällt.

Selbst Chor übt daheim. Wie lässt sich das mit den Proben vereinbaren, die müssten ja jetzt schon angelaufen sein? „Für die Solisten ist das kein Problem, die können ihre Rollen, für das Orchester auch nicht. Schwierig ist das nur beim etwa 40-köpfigen Chor, aber da haben wir eine Lösung gefunden.“ David Ricardo Salazar, der für die Choreinstudierung verantwortlich ist, hat Files mit Klavierbegleitung für jede Stimmgruppe aufgenommen und sie an jeden einzelnen Choristen verschickt, damit er oder sie daheim üben können. Via Skype trete man dann in Kontakt, um zu überprüfen, wie weit die „Hausübung“ gediehen ist.

Zehn Tage für Gesamtproben. Die Gesamtproben werden, sofern keine Absage eintritt, was tausende Opernfans nicht hoffen, dann etwa Anfang Juli sein. „Recht viel mehr als zehn Tage werden wir wohl nicht brauchen“, rechnet Wildner.

Wildner unterrichtet weiterhin. Nachdem derzeit keine Engagements als Dirigent anstehen (das letzte seiner Konzerte fand am 11. März in Dänemark statt, die in Ancona in Italien geplanten fallen aus), widmet er sich neben seiner Tätigkeit für Gars seinen Studenten an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo er Universitätsprofessor für Dirigieren ist. Sein Credo dabei ist: „Ich bin sehr dafür, dass man die Prüfungen abhalten soll, wenn es bis Mitte Mai halbwegs läuft“, betont er. „Ich will, dass die jungen Leute zwar in diesen Zeiten in sich gehen, das ist ganz wichtig und dafür ist jetzt Zeit, aber sie sollen nicht oberflächlich studieren.“

Kulturvermittlung via youtube. Er selbst hält sich inzwischen in seinem Haus in Mödling fit und unternimmt jeden Tag allein einen ausgedehnten Spaziergang. Die Videos, die er dabei dreht und mit denen er ein wenig Kulturgeschichte vermitteln will („Immerhin wandere ich auf den Spuren Beethovens, Eichendorffs und Schuberts!“), sind auf youtube abrufbar. Vergangenen Donnerstag hat er ein solches bei der Weingartenkapelle gedreht, als er mit dem Entzünden einer Kerze des 193. Todestages Beethovens gedacht hat.

„Für mich höchste Gipfel“. Die Kapelle steht auf dem 379 Meter hohen Eichkogel hinter dem Garten seines Hauses. „Für mich ist das der höchste Gipfel der Welt, denn wenn ich es an meinen Atemzügen messe, die ich brauche, um oben zu stehen, dann sind das für mich 8.849 Meter, um 20 Zentimeter mehr, als der Mount Everest hoch ist“, diktiert er mit einem – nicht sichtbaren – Lächeln ins Handy. Und dann ganz ernsthaft: „Nach dieser Zeit werden die Menschen die Kultur brauchen, sie werden wieder hinausgeben und Theater und Musik erleben wollen. Das wollen wir den Leuten bieten. Wir sind bereit, wir geben noch lange nicht auf!“