„Aus“ für Impf-Pioniere in Weitersfeld. Nach Etablierung des Impfzentrums in Horn dürfen die Ärzte in Weitersfeld Patienten nicht mehr impfen. Verärgerung darüber bei Jäger und Weinlich groß.

Von Leo Nowak. Erstellt am 10. April 2021 (04:04)
Der Weitersfelder „Impf-Pionier“ Johann Jäger mit Tochter Verena Weinlich. Beide haben sich gemeinsam mit ihrer Assistentin Sonja Wagner besonders für die Motivation und Corona-Impfberatung ihrer Patienten engagiert und sind – wie eine Reihe von anderen Ärzten – über die Schließung von Hausarzt-Ordinationen als Pfizer-Impfstellen sehr enttäuscht.
Nowak, Nowak

In der Causa rund um die Etablierung von 20 Impfzentren in Niederösterreich und dem damit verbundenen „Aus“ für zahlreiche Impfmöglichkeiten bei niedergelassenen Ärzten melden sich die Weitersfelder Ärzte Johann Jäger und Verena Weinlich zu Wort. Die beiden betreiben in Weitersfeld erfolgreich eine Gemeinschaftspraxis.

Das Anliegen seiner Patienten – viele davon über 80 Jahre – endlich gegen Corona geimpft zu werden, nahm Jäger von Anfang an sehr ernst und bewarb sich um die Erlaubnis für eine „Pfizer“-Impfstelle in Weitersfeld. Als Vorleistung für seine Patienten erarbeitete er mit diesen schon früh den für die Impfung notwendigen Aufklärungs- und Dokumentationsbogen. Diesen konnte er aufgrund der vorhandenen Krankenakte stets genau und vollständig erstellen.

Damit hatten andere Kollegen – wenn die Weitersfelder Patienten nur mehr Impf-Termine bei diesen erhielten – eine wesentliche Erleichterung. Als nun die ersten Impftermine – zum Leidwesen vieler Älterer nur per Internet – gebucht werden konnten, entstand ein Run auf die wenigen Impfstellen im Bezirk Horn. So registrierten sich viele Impfwillige aus der gesamten Großregion bei der Gruppenpraxis Jäger–Weinlich, sodass die eigenen Patienten oft keinen Platz mehr im „Internet-Wettrennen“ erhielten, erzählt Jäger.

In der Zwischenzeit habe sich die Lage durch weitere Impfstellen bei anderen Ordinationen in der Nähe und die Eröffnung einer Impfstraße in der Bezirkshauptstadt sehr gebessert. Dann sei aber die „Hiobsbotschaft der Landesregierung“ gekommen, dass man nun auf seine Dienste verzichten könne, weil Impfungen mit BioNTech/Pfizer in den Ordinationen auslaufen werden, sagt Jäger. „Allerdings sollen bereits gebuchte Impftermine in den niedergelassenen Ordinationen davon unberührt bleiben, bis die letzten Teilimpfungen verabreicht wurden“, heißt es im Schreiben von Notruf NÖ Impfmanagement, das an die betroffenen, niedergelassenen Ärzte ging.

Weitersfelder müssen wieder nach Horn

Für die Patienten aus Weitersfeld heißt das künftig, dass sie sich im Impfzentrum in Horn impfen lassen müssen: „Da müssen sie wieder 22 Kilometer weit fahren“, meint Jäger.

Für ihn bleibe daher nur mehr die Beantwortung von Fragen bei diversen Impf-Nachwirkungen. „Die für die Impfung getätigten Zeitinvestitionen für die Vorbereitung und unser persönliches Engagement braucht man nun plötzlich nicht mehr. Und ältere Impfwillige, die aus Krankheitsgründen oder als Risikopatienten bisher nicht geimpft werden konnten, müssen jetzt wieder die beschwerliche, längere Anfahrt in Kauf nehmen“, ist sein bitteres Resümee.

Stattdessen soll aber laut oben genannter Mitteilung „der im April neu eingeführte Impfstoff von Johnson&Johnson für den niedergelassenen Bereich zur Verfügung stehen“. Ob dieser dann wirklich bereit ist, wisse man allerdings noch nicht, sagt Jäger.