Natur braucht Wasser: „Noch mehr Regen wünschenswert“. Horner Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer über die aktuelle Witterung und deren Auswirkung auf Landwirtschaft.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:18)
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Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer.
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Als „vielfältig“ bezeichnet Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer die Auswirkungen der heuer ungewohnt kalten Witterung im Frühjahr auf die Landwirtschaft im Bezirk Horn.

Wald und Äcker brauchen noch mehr Niederschläge. Neben einigen weniger guten Aspekten gibt es laut Hofer aber auch positive, etwa die Situation in den heimischen Wäldern. Für die sei das heurige Wetter – etwa in Hinblick auf die Borkenkäferproblematik – nahezu ideal, sagt Hofer. Aus Sicht der Wälder müsse man eher auf mehr Niederschläge hoffen. Großteils würde man noch von den Niederschlägen aus dem Herbst leben, im Frühjahr habe es noch zu wenig Regen gegeben. Denn vereinzelt fange der Käfer schon wieder an zu bohren, vor allem bei bereits liegendem Holz soll man rasch darauf achten, es wegzuarbeiten. Weiters positiv für Waldbesitzer: Auch beim Holzpreis ortet Hofer eine gewisse Entspannung.

Beim Ackerbau sei für alle Kulturen, deren Wurzeln schon rund 15 Zentimeter im Boden stecken, die Situation gut, meint Hofer. Für alle anderen sei ebenfalls noch weiterer Niederschlag wünschenswert. Und zwar nicht nur für das Wachstum der Pflanzen, sondern auch hinsichtlich Qualitäten bei der Einlagerung von Eiweiß.

Schwierige Situation bei Rübe, Mais, Kürbis und Wintergetreide . Die im Vergleich mit den Vorjahren etwas niedrigeren Temperaturen sorgen bei einigen Kulturen für Probleme, weil sich der Boden nicht entsprechend erwärmen konnte. Betroffen hiervon sind etwa Rübe, Mais und Kürbis, von dem im Bezirk große Flächen angebaut sind. Denn diese Früchte gehen aktuell nicht gut genug auf, das Korn kann nur langsam keimen. Das biete Schädlingen die Chance, die Früchte zu schädigen. Häufig hätten diese Früchte auch ein zweites Mal angebaut werden müssen oder überhaupt erst verspätet angebaut werden können.

Durch den feuchten Herbst 2020 sei auch das Wintergetreide verspätet angebaut worden. Daher erwarte er hier heuer keine Top-Erträge.

Reise in die Vergangenheit? Generell sei die Vegetation im Vergleich mit den Vorjahren um etwa zwei bis drei Wochen hinten. Aber, so gibt Hofer zu bedenken: Im Vergleich mit der Witterung, die bis in die Mitte der 1980er-Jahre geherrscht habe, sei das heurige Jahr endlich wieder ein „normales“. „Vielleicht brauchen wir ein paar solche Jahre hintereinander, dann könnten sich Natur und Wälder, aber auch der Grundwasserspiegel wieder erholen“, sagt Hofer.

Ob das Jahr 2021 für die Bauern am Ende ein erfolgreiches sein werde, könne man noch nicht endgültig abschätzen, für eine Prognose sei es noch zu früh, sagt der Bezirksbauernkammer-Obmann.

Wachstum von Unkraut ist ungebremst. Was den Betrieben – vor allem im Bio-Bereich – derzeit viel Arbeit beschert ist ein „Wettbewerbsvorteil“ für Unkraut. Denn während sich die aktuell kühle Witterung zwar auf das Wachstum von Kulturpflanzen auswirke, treffe das auf Beikraut nicht zu: „Diese Pflanzen entwickeln sich hervorragend. Daher wird uns sicher nicht langweilig“, sagt Hofer.