Nicht alle Bäume fallen. Baumbestand am Drosendorfer Altstadtberg wird nach Gutachten nur teilweise entfernt.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 15. April 2021 (05:52)
Der Baumbestand am Drosendorfer Altstadtberg erfüllt nicht die Voraussetzungen, als Naturdenkmal ausgewiesen zu werden.
Skarohlid

Nicht komplett gerodet wird jetzt der Altstadtberg in Drosendorf. Wie Bürgermeister Josef Spiegl erklärt, wird der Baumbestand dort, wo es notwendig ist, zurückgeschnitten.

Bürgermeister Josef Spiegl
MK

Passieren soll das in Abstimmung mit dem Biologen Wolfgang Waitzbauer. Wann, das ist noch nicht endgültig fix.

Zur Vorgeschichte: Wie die NÖN berichtete, hatte vor einigen Wochen die Gemeinde ein Gutachten bei Forst-Experte Markus Reichenvater eingeholt. Darin hieß es, dass „die Verkehrssicherheit“ durch den Zustand der Bäume nicht mehr gegeben sei und der Baumbestand daher gefällt werden müsse. Die Stadtgemeinde hatte danach die Bevölkerung über dieses Gutachten informiert, woraufhin sich vor allem bei Anrainern am Altstadtberg Widerstand gegen die Pläne formierte. Auch die Sprecherin der Grünen NÖ, Helga Krismer, schaltete sich in die Debatte ein und regte eine Überprüfung an, die ermitteln sollte, ob die Bäume der „Altstadt-Allee“ die Kriterien für eine Erklärung zum Naturdenkmal erfüllen.

Allee-Charakter nicht gegeben. Daraufhin wurde vom Fachgebiet Forstwesen der Bezirkshauptmannschaft Horn ein neuerliches Gutachten erstellt. Darin heißt es unter anderem, dass zwar Linden und Rosskastanien entlang des Hauptweges einen Allee-Charakter aufweisen, das Erscheindungsbild einer Allee durch den angrenzenden Baumbestand aber maßgeblich geschmälert werde. Zudem weisen viele der älteren Bäume massive Schädigungen im Kronen-, Stamm- und Wurzelbereich sowie aufgrund des hohen Alters der Bäume viele Totäste, morsche bis hohle Stämme, Faulstellen, Pilzbefall und Spechtlöcher auf. Daher sei der Vitalitätszustand dieser Bäume als schlecht zu bezeichnen. Auch im Nebenbestand seien viele Bäume durch Efeu oder Wurzelfäule bereits geschädigt oder sogar schon umgefallen.

Voraussetzung für Naturdenkmal nicht gegeben. Ein Teil dieses Gebiets, als „Kurzer Berg“ bezeichnet, war 1927 zum Naturdenkmal erklärt worden, verlor diesen Status aber 2005 deshalb, weil keine Allee im klassischen Sinn mehr gegeben war. Da sich der Waldbestand am Altstadtberg nicht durch „eine besondere Eigenart, Seltenheit bzw. Ausstattung“ auszeichne, erfülle er nicht die im NÖ Naturschutzgesetz 2000 vorgesehenen Voraussetzungen für eine Erklärung zum Naturdenkmal. Die Verkehrssicherheit wurde auch in diesem Gutachten als „gering bis sehr gering“ eingestuft. Vor allem die Bäume in der Lindenallee „stellen eine Gefährdung der näheren Umgebung dar“, heißt es im Gutachten weiter.

Bäume werden gestutzt. Wie Spiegl auf NÖN-Nachfrage erklärte, wird es die Möglichkeit geben, Baumpatenschaften zu übernehmen. Zudem werde man – ähnlich wie es auf der Sommerpromenade schon passiert ist – die Bäume, dort wo notwendig, zurückschneiden. „Und das wegen der Haftungsfrage so weit, dass wir sicher sein können, dass nichts sein kann“, sagt der Bürgermeister. Ihm sei klar, dass das bei einigen Bäumen, die man bis auf wenige Meter über dem Boden zurückschneiden müsse, optisch nicht schön aussehen werde. Von einem „Baum-Frevel“ will er dennoch nichts wissen, denn: „Wenn die Bäume dann wieder austreiben, schaut das gleich wieder ganz anders aus.“

Rücksicht auf brütende Tierarten. Begonnen werden soll mit den Arbeiten frühestens im Oktober. Davor müssen aber noch weitere Parameter evaluiert werden, ob die Fällungen erst im kommenden Winter durchgeführt werden können. Denn der Baumbestand am Altstadtberg ist gerade wegen der zahlreichen hohlen Stämme, Höhlungen und Spechtlöcher idealer Lebensraum sowie Brut- und Aufzuchtstätte von höhlenbrütenden Vogelarten und höhlenbewohnenden Arten wie Bilche und Fledermäuse. Da ohne eingehende Untersuchung nicht ausgeschlossen werden könne, dass Arten, die nach der NÖ Artenschutzverordnung geschützte Eulen-, Fledermaus- oder auch Käferarten sind, dieses Habitat für sich nutzen, sei auf den Zeitpunkt der Schlägerung besonders zu achten, heißt es im Gutachten weiter. Denn: Das Beschädigen bzw. Entfernen von Brutstätten oder Nestern besonders geschützter Arten ist nur von Oktober bis Februar gestattet.