Brand in Pelletswerk: Fahrlässig gehandelt. 28- & 30-Jähriger haben Regeln nicht zur Gänze eingehalten. Ob aber tatsächlich eine „Feuersbrunst“ vorlag, wird erst geklärt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 18. September 2019 (05:12)
Einsatzdoku

Das Pelletswerk brannte im Februar, nun standen zwei Männer wegen „Fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst“ vor dem Bezirksgericht Horn. Der 28-jährige Erstangeklagte ist teilweise geständig: Er ist Maschinenbautechniker und wurde über seine externe Firma ins Werk geholt. Beim Brand standen damals 120 Mitglieder von 24 Wehren im Einsatz.

Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er für seine Arbeit mit dem Winkelschleifer einen Heißarbeitsschein benötigt hätte, sagte der 28-Jährige jetzt vor Gericht. Der Schubboden hätte aber abgestellt werden sollen: Er bringt Hackschnitzel zur Maschine, die Pellets erzeugt.

Der 30-jährige Zweitangeklagte, ein Instandhaltungstechniker ist voll geständig: Es seien Fehler passiert, wofür er die Verantwortung hat. „Die Verantwortlichkeiten waren damals keinesfalls klar geregelt“, erklärte sein Verteidiger. Das erfolge aber jetzt im Betrieb, wie er höre. Was ist passiert?

Der 28-Jährige habe die Flex bedient, wie er schildert. Der Schubboden war in Betrieb, er kam fast leer aus der Produktionshalle heraus, nur Überbleibsel seien darauf gelegen. Ein Funkenflug entzündete die wenigen Hackschnitzel. „Ich habe die Maschine ausgeschaltet, aber da war es zu spät.“

Trotz Feuerlöscher und Schlauch chancenlos

Der 30-jährige Pelletswerk-Mitarbeiter sei gerade Farbe holen gewesen, als er die Glut sah. Er habe sie mit dem Feuerlöscher, dann mit einem Schlauch in den Griff zu kriegen versucht. Das schlug fehl. „Ich vermute, dass ich bei dem Versuch zu löschen, Glutnester in den Bunker hineingetragen habe.“

Denn: Der Schubboden führt in einen Raum, in der zu dem Zeitpunkt bis zu 400 Kubikmeter Hackschnitzel gelagert waren. Die Glut sei hineingelangt und der Boden gloste vor sich hin. Mehrere Stunden habe man damit verbracht, mit einem Bagger den Hackschnitzel-Raum auszuschaufeln, damit die bereits eingetroffene Feuerwehr zu den Glutnestern gelangen könne.

„Ich war da, aber nicht durchgehend!“ 

Bezirksrichter Thomas Brandstetter ging mit beiden Beschuldigten die Vorschriften durch: Es erwies sich, dass ein Heißarbeitsschein erst im Nachhinein aufgesetzt, nicht in die betrieblichen Brandschutzrichtlinien eingeführt und dass zwar alles Brennbare entfernt, aber das Hackgut nicht nass abgespritzt wurde. Ein Firmenverantwortlicher hätte während der ganzen Tätigkeit dabei sein müssen: „Ich war da, aber nicht durchgehend“, erzählt der 30- Jährige.

Länger wird darüber gesprochen, inwieweit sich das Feuer ausbreiten hätte können. Einer der zwei Verteidiger beantragte schließlich ein Gutachten eines Brandschutztechnikers. Er soll zur Klärung verhelfen, ob wirklich eine Feuersbrunst vorlag. Der Verhandlung wurde daraufhin vertagt.