Reinhard Waldhör: „Es braucht jetzt Taten“. Reinhard Waldhör bleibt Chef der Gesundheitsgewerkschaft – und fordert rasches Handeln der Politik.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 13. Mai 2021 (04:39)
Reinhard Waldhör wurde als Vor- sitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft bestätigt.
privat, privat

Reinhard Waldhör, Chef der Personalvertretung am Landesklinikum Horn-Allentsteig, wurde von den 145 Delegierten am Bundestag der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft neuerlich einstimmig als Vorsitzender dieser Gewerkschaft bestätigt. Der NÖN erzählte er über die wichtigsten Inhalte seiner Arbeit und welche Forderungen er an die Politik hat.

NÖN: Wie beurteilen Sie dieses eindeutige Votum ihrer Kollegen?

Ich sehe das als klaren Auftrag, die Arbeit der vergangenen Jahre im Sinne der Kollegen und Kolleginnen fortzuführen. Ich sehe die Gewerkschaft als Partner für die Planung der Zukunft und will die Interessen der Kollegen in sozialpartnerschaftlicher Manier in die Verhandlungen einbringen.

Was ist bei Ihrer Arbeit das vordringliche Thema in Zeiten der Pandemie?

Ganz eindeutig: Dass wir die Pandemie im Sinne der Kollegen zu einem möglichst raschen Abschluss bringen – je früher umso besser. Das hängt natürlich vom Fortschritt der Impfung und da besonders von der Bereitschaft der Leute, sich impfen zu lassen, ab. Daneben ist aber die Frage der Pflege ganz allgemein eine, bei der die Politik gefordert ist, rasch zu handeln.

Welche Probleme sehen Sie im Bereich der Pflege auf uns zukommen?

Wir brauchen 75.000 neue Pflegekräfte bis zum Jahr 2030, aber seitens der Regierung geht in diesem Bereich fast nichts weiter. Vielleicht ist dieser Stillstand der Coronapandemie geschuldet, aber das Jahr 2030 kann auch wegen der Pandemie nicht verschoben werden. Den Worten muss die Politik jetzt auch Taten folgen lassen. Die Entwicklung geht uns zu träge, wir müssen dieses Thema wieder verstärkt auf die Tagesordnung bringen.

Wie wirkt sich der Mangel an Pflegekräften jetzt schon aus?

Es gibt viele Betriebe, die jetzt schon Sorge haben, dass sie nicht genug Personal bekommen. Das betrifft alle Sparten der Pflege. Wir brauchen daher mehr Ausbildungsplätze, auch im medizinisch-technischen Bereich. Es gibt auch zu wenige Hebammen oder auch Labor-Analytiker. Wir brauchen eine bundesweit einheitliche Personalbedarfsberechnung, eine österreichweite Ausbildungsoffensive in allen Berufsgruppen sowie bessere Arbeitsbedingungen für die Kollegen und Kolleginnen. Wenn da nicht bald etwas passiert, dann ist es zu spät. Um einen Vergleich aus dem Golf-Sport zu bemühen: Wenn wir jetzt nicht mehr Ausbildungsplätze schaffen, dann ist der Cut nicht zu schaffen.

Mit Ausbildungsplätzen alleine wird es aber wohl nicht getan sein. Für viele gilt ein Beruf im Pflegebereich nach wie vor als unattraktiv ...

... richtig! Wenn wir den Mangel an Pflegepersonal beheben wollen, dann muss uns klar sein, dass jeder fünfte, der heute geboren wird, in die Pflege gehen müsste. Daher ist es das Gebot der Stunde, den Beruf attraktiver zu machen.

Abgesehen von der Bezahlung müsste man da wohl an mehreren Schrauben drehen?

Zu einer steigenden Attraktivität des Pflegeberufs gehören viele Punkte. Etwa die Dienstplansicherheit, dann eine 40-Stunden-Woche, die es nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität gibt, damit man nicht dauernd Überstunden machen muss.

Gerade wegen der Pandemie hat die Öffentlichkeit derzeit großes Interesse an der Situation in den Kliniken und im Pflegebereich. Ist das Ihren Anliegen förderlich?

Keine Frage: Die Coronakrise hat jetzt Dinge, von denen wir auch vorher schon wussten, mehr an die Oberfläche geholt. Viele Probleme waren auch davor schon da, jetzt werden sie noch sichtbarer. Noch nie war der öffentliche Fokus so sehr auf unseren Bereich gerichtet wie jetzt. Diesen Fahrtwind, der auch von den Medien erzeugt wird, müssen wir jetzt ausnutzen.

Vor einigen Wochen haben Fake-Meldungen im Internet bezüglich Corona-Impfungen in Zwettl und Horn für große Aufregung gesorgt. Sie haben damals den Urhebern dieser Meldungen mit Klagen gedroht. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge?

Es gab da einerseits Meldungen nach dem Tod einer Krankenschwester in Zwettl. Da wurde der Fake-Account gelöscht, der Betreiber des Accounts ist unauffindbar. Es wäre sehr aufwendig – und kostenintensiv – gewesen, ihn ausfindig zu machen. Auch nach der Falschmeldung, wonach eine Krankenschwester in Horn nach einer Impfung verstorben sei, haben wir uns mit einem juristischen Schreiben an den Verfasser des Postings gewandt. Er hat sich danach für sein Posting entschuldigt und es gelöscht. Daher wird auch das nicht mehr weiter verfolgt.

Gab es seither weitere Falschmeldungen?

Das hat jetzt aufgehört. Wir haben mit dem Signal, uns das nicht gefallen zu lassen, also schon etwas erreicht. Das war ein wichtiges Zeichen nach außen. In erster Linie ist es uns auch darum gegangen, unsere Mitarbeiter vor solchen Falschmeldungen zu schützen.