Ingeborg Lentschig: Helfen war ihre Passion. Ingeborg Lentschig, die immer für ihre Familie da war, erfolgreich in der Sonderschule gewirkt und die Lettland-Hilfe organisiert hatte, verstarb im 88. Lebensjahr.

Von Red. Horn. Erstellt am 01. März 2021 (08:01)
Auch wegen ihres Engagements für die Hilfsaktion Lettland wurde Ingeborg Lentschig von der NÖN zur „Frau des Jahres 2013“ gekürt, Von der Stadtgemeinde Horn erhielt sie das „Ehrenzeichen in Gold“.
Martin Kalchhauser

„Großherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Zuneigung und bedingungslose Liebe kennzeichnen das lange Leben von Ingeborg Lentschig, die am 24. Februar im 88. Lebensjahr von uns gegangen ist“, charakterisiert Stadtpfarrer Pater Albert die Verstorbene. Um sie trauert nicht nur die Familie mit Gatten Josef, vier Kinder samt Schwiegerkindern, neun Enkel- und fünf Urenkelkinder.

Auf drei Säulen war das Leben Ingeborg Lentschigs aufgebaut: auf die Familie, die Schule und auf die Hilfsaktion Lettland mit dem verstorbenen Altenburger Abt Bernhard Naber.

Geboren als Ingeborg Maurer am 17. Dezember 1933 in Drosendorf besuchte sie nach der Pflichtschule die Lehrerbildungsanstalt in Wien Döbling, wo sie die Matura mit Auszeichnung und danach die Lehramtsprüfung ablegte. Am 17. Mai 1954 heiratete sie den Rechtsanwalt Josef Lentschig.

Ingeborg Lentschig war in ihrer Familie stets der „Fels in der Brandung“ – immer für ihren Ehemann bis hin zu den Urenkeln da. Der Freitag war „ihr“ Tag, wo sie alle zum Essen einlud, zu den Geburtstagen oder zu Weihnachten versammelte sie die ganze Familie generationsübergreifend um den Tisch. „Wir haben dich sehr lieb und vermissen dich unheimlich. Seit einem Jahr müssen wir aufgrund von Corona Abstand halten und waren daher wenig bis gar nicht körperlich in Kontakt. Deine Umarmungen und Küsschen fehlen uns sehr – und das Essen natürlich auch“, schrieb Nada erst vor kurzem als ältestes Urenkerl ihrer Uroma.

Als Lehrerin unterrichtete Ingeborg Lentschig an den Volksschulen in Drosendorf und Horn, ab 1977 an der Sonderschule Horn, wo sie ab 1983 über zehn Jahre Direktorin war.

117 Hilfstransporte nach Lettland organisiert

Ihr Lettland-Engagement begann mit pädagogischen Vorträgen für Sonderschullehrer in Riga und später in Altenburg, aber auch über Sport behinderter Kinder in London, Stettin und an der Sportuniversität Riga. Die große Not nach der Wende 1989, die sie in Lettland erlebt hatte, erweckte in ihr und vielen Helfern aus Horn und Umgebung enorme Energien, um neben Missständen auf sonderpädagogischem Gebiet auch die Armut in Kinderheimen für Waise und Altersheimen in Lettland zu lindern. Dafür wurde sie von der Horner NÖN als „Frau des Jahres 2013“ ausgezeichnet.

Aus „Horn hilft Riga“ wurde bald mit Unterstützung des damaligen Abtes Bernhard Naber „Stift Altenburg hilft Lettland“. 1991 startete im Stift der erste Hilfstransport nach Lettland, bis 2017 konnten 117 Transporte per Bahn oder Lkw mit jeweils 1.300 Bananenschachteln, voll gepackt mit Sachspenden, bis Riga gebracht werden. Von rund 25 Helfern, die sich monatlich im Stift trafen, wurden die Spenden gesichtet, sortiert, der Inhalt jedes Kartons penibel aufgelistet und am Zielpunkt im Lettland von Helfern verteilt.

Abschließend sei noch einmal Pater Albert zitiert: „Ingeborg Lentschig war eine Frau, die immer optimistisch in die Zukunft schaute, bedingungslos an das Gute im Menschen glaubte und Freude ausstrahlte.“

Die Verabschiedung ist am Freitag, 5. März, von 10 – 11 Uhr möglich, anschließend ist Seelenmesse und Beisetzung im engsten Familienkreis.