Karl Markovics präsentierte persönlich "Nobadi". Karl Markovics ist seit seinem Auftritt als Stockinger in „Kommissar Rex“ einem breiteren Publikum bekannt. Er hat aber auch die Hauptfigur im oscarprämierten Film „Die Fälscher“ oder Franz Fuchs gespielt. Sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor hatte er 2011 mit „Atmen“, eine gelobte Premiere. Horn durfte ihn am Dienstag (8. Oktober) begrüßen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 09. Oktober 2019 (19:35)
Karin Widhalm
Nobadi feierte Horn-Premiere: Silvia Meingast, Karl Markovics und Winfried Meingast

Er kam zum Filmgespräch zu seiner eben erschienen Produktion „Nobadi“. „Horn hat sich ordentlich gemausert“, sei sein letzter Besuch der Stadt „ewig her.“ „Ich hoffe, Sie finden die Stadt so lebenswert, wie sie nach außen hin wirkt“, sagte Markovics, nachdem ihn Kinobetreiber Winfried Meingast im Saal begrüßt hatte. Der Stargast versprach dem – oder warnte das – Publikum, dass es „ziemlich sicher“ keinen schönen, dafür einen wichtigen Film sehen werde. Schön ist tatsächlich die falsche Beschreibung.

Schlüsselszene: "Weiß, dass ich hier Menschen verliere"

Die für Markovics wichtige Schlüsselszene erträgt nicht jeder. Er treibt das Aufeinandertreffen des knorrig-alten Heinrich und des afghanischen Flüchtlings auf die Spitze. Die erwachende Helfer-Paranoia des alten Mannes, begründet aus seiner eigenen Vergangenheit, lässt die Geschichte eskalieren.

„Vielen Dank fürs Bleiben“, ist das für Markovics nicht selbstverständlich. Der Magen habe sich tatsächlich umgedreht, sagt einer im Publikum. „Ich weiß, dass ich hier auch viele Menschen verliere. Ich glaube aber nicht, dass es die Mehrheit ist“, erklärt der Regisseur. Viele Enden seien ihm in den Sinn gekommen, auch ein hoffnungsvolles. „Das hat alles nicht funktioniert.“

Markovics & Meingast von Jugend beeindruckt

Umso bemerkenswerter ist das für eine Zuseherin, dass Gymnasiasten den Film ein paar Stunden vorher gesehen hatten. „Ich fand, dass man es ihnen zumuten kann“, führt Markovics aus. Sein Besuch geht überhaupt auf eine Einladung des Bundesgymnasiums zurück. Peter Schnaubelt vereinbarte mit Markovics, eine Lesung in der Schule zu halten. Das geschah Dienstagvormittag, aber erst, nachdem die Oberstufe – also 17- oder 18-jährige – „Nobadi“ sah. Man ließ sie damit nicht alleine.

Silvia Meingast ist beeindruckt, wie gut die Jugendlichen vorbereitet waren. Markovics beschreibt sie als selbstbewusst, sie haben hintergründige Fragen gestellt. „Das war unglaublich.“ Warum er bestimmte Wendungen geschehen ließ, werde überhaupt oft angesprochen. „Der Versuch einer Selbstrettung am falschen Platz und falschen Menschen, das kann nicht funktionieren“, war für Markovics klar, dass für ihn nur das Drastische erzählbar sei. „Nobadi“ könne den Zusatz „Das Märchen vom schlechten Gewissen“ tragen.

Buh-Rufe und Zuseher, die gehen - fast

Dass das nicht immer wohlwollend aufgenommen wird, ist ihm auch klar. Buhrufe eines Ehepaars habe er in Baden gehört. Aber: „Sie sind bis zum Schluss geblieben und haben mitdiskutiert“, hat ihn das wiederum beeindruckt. Er finde Filmgespräche bereichernd.

In Horn wäre ein aufgewühlter Zuseher, der zuallererst die Flüchtlingsfrage ansprach, fast gegangen. Markovics holte ihn zurück mit der Bitte, die Diskussion doch bis zum Schluss zu verfolgen. Das tat dieser – und ließ sich dann sogar zu einem Loblied auf den Film hinreißen.

"Wen wollen Sie retten?"

Im Horner Publikum würdigte man sehr – und zu Recht – Heinz Trixner in seiner Rolle des alten Mannes. Man habe Verständnis für sein Alter und seine Hilflosigkeit aufbringen können. Der Mann, der Heilung sucht: „Wen wollen Sie retten?“, lässt sich ein Kinobesucher auf dieser Basis zu dieser Frage hinreißen. Markovics muss lächeln.

„Ich glaube schon, dass ich mit meinen Filmen eine Art Erlösung finden möchte“, denke er dabei an die Frage nach Gott, an die Isoliertheit der alten Menschen, an Schuld und Gewissen. Man könne als Schauspieler Rollen nur spielen, wenn man seinen wundesten Punkt kenne.

„Nobadi“ wird im Stadtkino Horn noch am 10. und 16. Oktober, 20 Uhr, gezeigt.