Holger Schober: Workaholic und Tausendsassa? . Holger Schober ist Schauspieler, Autor und Regisseur in einer Person. Ein „*Szene Waldviertel Festival“ ohne ihn: undenkbar.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 24. September 2020 (04:35)
Holger Schober ist auch dieses Jahr mit gleich drei Theaterstücken beim „Szene Waldviertel Festival“ vertreten .
Agentur Fürst

Die „*Szene Waldviertel“ geht mit einem vielfältigen Programm in den Herbst. Auch drei Theaterstücke aus der Feder von Stammgast Holger Schober sind im Programm. Neben dem Schreiben führt der Mann der vielen Talente auch noch Regie und ist in „Herr Rolf der Werwolf“ als Schauspieler zu sehen.

NÖN: Sie sind doch ursprünglich Schauspieler, oder? Wie kamen Sie zur Regie und zum Schreiben?

Holger Schober: Ja, das stimmt. Ich habe Schauspiel am Max Reinhardt Seminar studiert, mich aber immer schon auch für die anderen Felder interessiert. Mittlerweile wurde das Schreiben sogar zu meinem Hauptjob. Über diesen Weg bin ich dann auch zur Regie gekommen, weil bei einem meiner Stücke der Regisseur ausfiel, und ich gefragt wurde, ob ich nicht einspringen kann. Jetzt mache ich alle drei, hin und wieder sogar gleichzeitig wie bei „Herr Rolf der Werwolf“.

Und was machen Sie am liebsten?

Schober: Ich habe eigentlich keine Präferenzen. Dadurch, dass ich jetzt wieder eine kleine Tochter habe, verlagert sich meine Arbeit wieder mehr in Richtung Schreiben, weil man das auch gut von zu Hause machen kann. Ich versuche trotzdem, weiterhin möglichst überall aktiv zu bleiben. Bei den Film- und Fernsehproduktionen ist es momentan ohnehin schwierig. Ich bin wirklich froh, während der Coronazeit mehrere Standbeine zu haben. Regie und Schauspiel sind seit März quasi komplett weggefallen, aber ich habe in der Zeit vier Theaterstücke geschrieben.

Arbeiten Sie lieber für Film und Fernsehen oder fürs Theater?

Schober: Es kommt wirklich sehr auf das Projekt an. Wenn der Film gut ist, mache ich das 100 mal lieber, aber nicht jede Produktion ist ein „Club der toten Dichter“ (Anm. einer von Holger Schobers Lieblingsfilmen). Sollte ich mich jedoch zwischen so etwas wie „Robinson Crusoe“ oder „Die Bergretter“ entscheiden müssen, bleibe ich doch lieber beim Theater.

Was verbindet Sie mit der *Szene Waldviertel?

Schober: Meine Zusammenarbeit mit Stefan Rabl geht schon lange bis zu „Dschungel Wien“ Zeiten zurück. Über die Jahre ist ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen uns gewachsen. Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit hier sehr geschätzt wird. Für mich ist ein Sommer (bzw. Herbst) ohne „*Szene Waldviertel mittlerweile unvorstellbar.

Viele Ihrer Stücke richten sich an ein jüngeres Publikum. Ist es eine besondere Herausforderung für Kinder und Jugendliche zu schreiben?

Schober: Prinzipiell sind die Inhalte die gleichen, wie in einem Stück für Erwachsene. Man muss natürlich auch schauen, was die Kinder interessiert und den Erfahrungshorizont bedenken. Das Schöne ist, dass Kinder das ehrlichste Publikum sind. Es geht nur um die reinen Emotionen, die sie auch direkt wiedergeben.

Zittern Sie jeden Tag, ob die anstehenden Vorstellungen auch wirklich über die Bühne gehen können?

Schober: Ich bin eigentlich immer unter Strom, wenn ich den Fernseher einschalte und Kurz und Anschober vor der Kamera sehe. Man arbeitet immer lange auf die Aufführungen hin, doch man kann sich nie wirklich sicher sein. Ich sage meinen Schauspielern immer, wir machen unsere Sache so gut es geht. Der Rest liegt nicht in unserer Hand. Es freut mich, dass in solchen Zeiten trotzdem verhältnismäßig viele Leute kommen. Es herrscht nach wie vor ein großer Hunger nach Kultur und Unterhaltung. Natürlich macht man sich aber auch Gedanken. Ich bin für drei Projekte bei „*Szene Waldviertel“ verantwortlich, an denen jede Menge Techniker, Schauspieler und Musiker dranhängen. Wenn ich mich jetzt infizieren oder ausfallen sollte, bricht das alles zusammen. Manchmal läuft es mir bei dem Gedanken schon kalt den Rücken runter.