Dorfplatz als Spiegel der Welt. Paul Petritsch erklärt, welche Motive er und seine Partnerin bei der Gestaltung des Dorfplatzes in Klein-Meiseldor hatten. Eine Wanderung verweist darauf.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. September 2020 (04:18)
Der Dorfplatz mit der Feuerstelle, den Balken und den Säulen, die den Sonnenstand anzeigen.
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„Die Suche nach dem Eggenburger Meer“, eine Wanderung, endete am Samstag letztlich am neuen Dorfplatz in Klein-Meiseldorf – und das aus gutem Grund. So, wie der regionale Boden uralte Gesteinsschichten aufweist, so sind Teile davon an jener Stelle platziert worden. Das geht auf die Idee von Nicole Six und Paul Petritsch zurück.

Wettbewerb ausgerufen

Aber von vorn: Die Gemeinde ließ zwei Häuser errichten, eines für den Nahversorger, das zweite ist das Dorfhaus – und mittendrin entstand ein Platz, der mehr als nur zum Parken dienen soll. Die Gemeinde hat mit der Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ einen Wettbewerb ausgerufen: Six und Petritsch wurden zur Planung des Dorfplatzes beauftragt.

„Wir haben überlegt, was bedeutet es für einen Ort, wenn es kein Gasthaus, keine Post, keine Zughaltestelle mehr gibt“, erläutet Petritsch den Zugang zum Projekt. Das Lebensmittelgeschäft mit dem Dorfhaus sind die neuen Errungenschaften, aber was soll der Dorfplatz bewirken?

Teilnehmer der Wanderung „Auf der Suche nach dem Eggenburg Meer“ sammelten Steine, um sie auf den neuen Dorfplatz zu bringen.
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Die Künstler haben am alten Steinbruch in Klein-Meiseldorf Reste von Feuerstellen entdeckt: Man widersetzt sich offenbar dem Betretungsverbot, um eine Sehnsucht zu stillen. Genau das ist am Dorfplatz geschaffen worden: die Möglichkeit, auf der geschliffenen Bodenfläche Feuer zu machen. Das ist das eine.

Das Zweite ist, dass die Balken aus Beton oder Holz eine Sitzgelegenheit sind und zu Tribüne oder Stufen angeordnet werden können. Das Wasserbecken aus Lärchenholz ist das dritte Element: „Wir haben der Gemeinde dafür einen Parkplatz abgerungen, es hat die Größe von einem Auto.“ Dieses Becken ist beweglich, damit es nicht im Weg steht, und hat eine Tiefe von einer Bierkiste: Getränke und Füße können gekühlt werden.

„Böhmische Masse ist älter als die Alpen“

Und man erinnert an eine uralte Geschichte: „Die böhmische Masse im Waldviertel ist älter als die Alpen“, erklärt Petritsch. Er hat mit Six Gesteine auf den Platz zusammengetragen: aus der Sandgrube in Kühnring, wo man Gebeine von Seekühen gefunden hatte, und aus dem früheren Granitabbau in Klein-Meiseldorf. „Wir haben gedacht, damit kann man auch den Platz absperren und die Steine als Poller verwenden“, so Petritsch. Die Teilnehmer der Wanderung sammelten auf ihrem Weg von Eggenburg nach Klein-Meiseldorf Steine, die nun ergänzend auf dem Dorfplatz platziert sind. Veranstaltungen wie diese sollen zu einer Belebung führen. „Ohne dem Zutun der Bewohner wäre er nur zum Anschauen“, erklärt Petritsch.

„Uns war schon wichtig, dass es funktioniert, aber dass auch Inhalte transportiert werden.“ Die Feuerstelle ist daher auch eine Uhr, worin die Zeitzonen der Welt vorzufinden sind. Denn: „Im Dorf spiegelt sich alles, was es auf der Welt gibt, und das Dorf ist ein Baustein der Welt.“ Die Künstler werden bei der Wintersonnenwende noch den niedrigsten Sonnenstand markieren, der höchste ist schon ersichtlich. Petritsch: „Man sitzt bei der Feuerstelle – und schaut in die Weite.“