„Fidelio“ brachte Top-Werte. Oper Burg Gars fuhr mit Beethovens Oper das zweitbeste Ergebnis in der fünfjährigen Wildner-Ära ein.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 17. August 2019 (04:35)
Rupert Kornell
Zogen zufrieden Bilanz über die heurige Saison der Oper Burg Gars und freuen sich schon auf das kommende Jahr, wenn Georges Bizets „Carmen“ gespielt wird: Peter Schneyder (links) und Johannes Wildner.

Ausgerechnet der zehnte und letzte Abend von Ludwig van Beethovens „Fidelio“ der Oper Burg Gars fiel am Samstag dem Regen zum Opfer. Am darauffolgenden Morgen zogen Intendant Johannes Wildner und Burg Gars-Geschäftsführer Peter Schneyder eine erste Bilanz.

NÖN: War das der einzige Abend, an dem Sie das Publikum wieder nach Hause schicken mussten?

Johannes Wildner: Ja, der einzige. Wir haben uns mit mehreren Unterbrechungen bis fast zum Ende des ersten Aktes durchgearbeitet, aber wegen des starken Regens abgebrochen. Sänger und Publikum haben bewundernswert durchgehalten und es ist eine ganz eigene, sehr positive Stimmung entstanden. Das muss man sicherlich auch der Musik Beethovens zuschreiben, die eine große Kraft hat, die Seelen zu erfassen.

Peter Schneyder: Nicht zuletzt auch dadurch, weil wir die Leute nicht im Unklaren gelassen haben. Und es gab die Zusage, dass alle ihre Karte gegen ein Ticket für „Carmen“ im nächsten Jahr eintauschen können. Es hat niemand geraunzt und es hat bis heute kein böses Mail gegeben.

Trübt dieser Abend die wirtschaftliche Bilanz der diesjährigen Opernsaison?

Schneyder: Nein, das tut sie nicht. Durch die Ersatzkarten gibt es zwar einen Vorgriff auf die nächste Saison, aber das ist in einem Rahmen, der absolut kalkulierbar ist. Wir haben, was die genauen Besucherzahlen betrifft, nur einen Einblick, weil noch nicht alles abgerechnet ist, aber wir liegen über jenen des Vorjahres, was das bisher zweitbeste Ergebnis nach der „Zauberflöte“ 2017 betrifft. Es ist natürlich nicht leicht, immer – fast – alle 1.245 Plätze zu verkaufen.

Wildner: Für uns ist es ein mit Dankbarkeit angenommenes Phänomen, weil wir ja wissen, dass „Fidelio“ keine „leichte“ Oper ist. Die Zusammenarbeit des gesamten Teams hat diesen Erfolg erst ermöglicht.

Schneyder: Wir waren in den Medien sehr präsent und wurden diesbezüglich von Leuten immer angesprochen, auch das Gastspiel in Bad Aussee hat unheimlich viel Aufmerksamkeit gebracht. Aber wir haben noch unausgeschöpftes Potenzial wie verschiedene Personengruppen anzusprechen, Busse mit Opernfreunden aus Tschechien nach Gars zu bringen, Nostalgiezüge von Wien …

Zur künstlerischen Bilanz: Was war aus Ihrer Sicht das Beeindruckende der Aufführungen?

Wildner: Man tut sich schwer, das zu beurteilen, wenn man selbst ein Rädchen in diesem Getriebe ist, aber für mich das Beeindruckende war, dass der Geist Beethovens, dieses Sehen nach Innen, seine Ideale, die er vertritt, dass das die gesamte Opernfamilie erfasst hat. Dabei war die Gruppe so inhomogen, da ein Top-Star, der seit Jahren in allen Opernhäusern singt, dort ein junger Brasilianer, der zum ersten Mal auf der Bühne gestanden ist. Und das Ganze hat sich zu einem Ensemble zusammengefunden, als ob sie schon immer miteinander gesungen hätten. Keiner hat sein eigenes Würstchen gebraten, alle haben zusammengearbeitet. Das ist möglich geworden, weil auch Geschäftsführung und Förderverein entsprechend mitgewirkt haben. Es war das Ziel aller, Beethoven fest in der Burg Gars zu verankern. Und das ist zweifellos gelungen.

Die nächsten Programmpunkte auf der Burg sind ja sehr unterschiedlich …

Schneyder: Der Gesellschafter, die Marktgemeinde Gars, hat von uns verlangt, ein zusätzliches Programm zu erarbeiten. Dem haben wir natürlich Rechnung getragen, lagern aber insofern aus, dass wir nicht selbst organisieren, sondern andere Veranstalter hereinholen. So wird es zwei Angebote geben, nämlich das Konzert von Andy Lee Lang & Band am 23. August und jenes der „Paldauer“ am 6. September auf der großen Bühne sowie „Saitenzauber“ mit Peter Ratzenböck am 28. September im Festsaal. Der Klassik tragen wir noch Rechnung mit dem Konzert von Erwin Ortner und dem Arnold Schoenberg Chor – samt Chortag für begeisterte Sänger, wir haben schon über 100 Anmeldungen im Vorfeld – am 31. August und eine Suppè-Serenade des Landes Niederösterreich am 6. Oktober. Jahresabschluss ist das große Babenberger-Fest am 15. November mit dem Thema „Jagd“.

Es darf wohl angenommen werden, dass die Planungen für „Carmen“ schon angelaufen sind?

Wildner: Am Tag der Premiere von „Fidelio“ haben wir schon erste Aktionen für „Carmen“ im Jahr 2020 gesetzt, und es gibt schon unheimlich viele Vorbuchungen, was uns natürlich sehr ehrt und freut. „Carmen“ ist die logische Fortsetzung des „Fidelio“, wobei wir unserer Linie treu bleiben, die Beziehung des Menschen zur Obrigkeit und zu seiner Umwelt zu thematisieren sowie das Seelendrama des reformierten Charakters. Die Anforderungen an den Regisseur werden nicht leicht sein, weil man eine bestimmte Klischeevorstellung hat, aber gleichzeitig nicht will, dass man dem Klischee folgt. Aber wir werden diese Hürde im 30. Spieljahr der Oper Burg Gars sicher meistern.