Zusatz-Ausstellung: Rückblick auf die Vindobona-Zeit. Der ehemalige Direktzug Wien-Prag-Berlin auf der Franz-Josefs-Bahnstrecke im Mittelpunkt des Eisenbahnmuseums.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 13. Mai 2021 (05:42)
Das Schild war an der Außenwand des Zuges fixiert – nun halten es Obmann Rupert Öhlknecht und Stellvertreter Gerhard Zauner in ihren Händen.
Widhalm, Widhalm

Die Franz Josefs-Bahn hat die Marktgemeinde und das Waldviertel näher an Wien – und näher an Prag und Berlin gebracht: Das Eisenbahnmuseum bewahrt diese Geschichte. Rupert Öhlknecht und Gerhard Zauner sind aber mehr als Sammler und Hobbyhistoriker im dahinterstehenden Verein: Sie sind Befürworter für die Stärkung einer Strecke, auf der früher der „Vindobona“ verkehrt ist. Es ist kein Zufall, dass sich die bald startende Sonderausstellung um genau jenen Zug drehen wird.

Öhlknecht hat die NÖN-Berichte gelesen, wonach Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko im Gespräch mit dem tschechischen Vize-Verkehrsminister Jan Sechter ist. Ziel: Den Vindobona parallel zum Betrieb auf der Nordbahn zurück ins Waldviertel zu holen, vorerst fürs Wochenende. Das ist mit Interesse aufgenommen worden, auch von den Grünen und der „Pro FJB“, die allerdings einen „PR-Schmäh“ hinter der Vision vermuten. Schleritzko sagt indes, dass jetzt Pläne mit dem Bund abgestimmt werden. „Das wäre eine Chance fürs Waldviertel“, ist Öhlknecht überzeugt.

Die Berichterstattung hat in ihm selbst eine Vision reifen lassen: Der Verein hat eigentlich geplant, ausschließlich die Ausstellungen aus dem coronagebeutelten Vorjahr nachzuholen: 150 Jahre Franz Josefs-Bahn, die Karikaturen-Schau mit Otto Schön (der lange für die NÖN pointiert gezeichnet hat), eine Kunstausstellung mit Margareta Winkelbauer, dazu 100 Jahre ÖBB. Jetzt stellt Öhlknecht fieberhaft mit dem Team die Zusatz-Schau auf die Beine.

Material ist genügend vorhanden: „Ich sammle schon seit 40 Jahren.“ Öhlknecht hat zum Beispiel Fotos, wie sich das Aussehen des Vindobonas verändert hat und weiß genau, wann die beteiligten Bahnverwaltungen den Betrieb übernahmen. Sigmundsherberg hatte die Ausstattung und das Know-how, um 1973 einen Vindobona-Achsbruch reparieren zu können; auch das wird thematisiert.

Ein Aufleben des Direktzuges wäre ganz nach seinem Geschmack. „Wir hoffen, dass sich etwas entwickelt“, erklärt Öhlknecht. Man solle ruhig eine Probezeit fürs Wochenende andenken: „Die ÖBB kalkulieren wie jede Privatfirma, aber Angebot schafft Nachfrage: Man muss abwarten, bis es greift“, sagt Zauner, dass schon Geduld gefragt sein müsste.

Rodungen bei Gleisen bis nach Pulkau

Richtig aktiv wird der Verein auf einer anderen Strecke, nachdem die Gleise der früheren Lokalbahn von Sigmundsherberg bis Zellerndorf in seinen Besitz gewechselt ist. Die Mitglieder wollen bis Pulkau (Bezirk Hollabrunn) Rodungen vornehmen, damit leichte Baufahrzeuge (zum Transport von Geräten und Werkzeugen) die Gleise befahren können.

„Das ist der Beginn“, schildert Zauner. „Und dann sind Arbeiten notwendig, die geldintensiver sind: Die Gleise müssen so hergerichtet werden, damit sie mit schwerem Gerät befahren werden können.“ Das wird durchaus als Herausforderung gesehen, auch weil die Pandemie die Einnahmen aus Eintrittspreisen einbrechen ließ: „Finanziell sind wir runtergrutscht“, schildert Öhlknecht.

Eins nach dem anderen: Der Verein fasst mal den Sommer ins Auge, um zur Feier „150 Jahre Nordwestbahn“ per leichtem Gefährt nach Pulkau anreisen zu können – auf den Gleisen.