Arzt & Pfleger: Wo krankt das System?. Die NÖN fragte Waldviertler Spitzenkandidaten zum Themenkreis Gesundheit, Pflege und medizinische Versorgung.

Von Franz Aschauer, Markus Füxl, Martin Kalchhauser, Markus Lohninger und Karin Widhalm. Erstellt am 08. September 2019 (06:30)
ml/Martin Kalchhauser/FPÖ/Philipp Simonis/zVg
Reihe oben: Martina Diesner-Wais, Alois Kainz (FP), Martin Litschauer (Grüne); Reihe unten: Günter Steindl (SP), Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS)

Der Pflegebedarf und der Druck auf Ärzte steigen, auch im Waldviertel suchen Regionen händeringend nach Allgemeinärzten. Welche Lösungsansätze haben die fünf Spitzenkandidaten aus dem Waldviertler Wahlkreis? Wo sehen sie den Handlungsbedarf, um Situationen entschärfen zu können?

Martina Diesner-Wais (ÖVP) betont, dass der Reiz der Kassenarzt-Stelle nicht ans Recht auf eine Hausapotheke geknüpft sein dürfe. Das könne durch die Aufwertung von Allgemeinmedizinern zu Fachärzten mit höheren Tarifen gelingen. Medizin-Studienplätze müssen aufgestockt und deren Absolventen in Österreich gehalten werden. Ein Modell für die Ausbildung zu Pflegefachassistenten inklusive Matura-Abschlusses sei in der VP-FP-Bundesregierung vor der Realisierung gestanden. „Das Pilotprojekt für Niederösterreich ist im Waldviertel angedacht.“ Das Ziel sei eine garantierte Betreuung auch zuhause.

Günter Steindl (SPÖ) findet, dass keine Kassenplanstelle unbesetzt bleiben soll. Das könne mit der Forcierung von Modellen zu Jobsharing, zur Nachfolge und zu Gruppenpraxen, die bei Ärzten beliebt seien, gelingen. Höhere Tarife, teambasierte Primärversorgungszentren und vor allem „wieder mehr Wertschätzung dem Vertragsarzt gegenüber“ seien wichtig. Langfristig müsse eine Verdopplung der Ausbildungsplätze an Medizin-Unis erfolgen. Das Waldviertel habe es bei der Nachbesetzung von Arztstellen nicht schwerer als andere Regionen. „Trotzdem wird es generell erst wieder genügend Ärzte geben, wenn die Rahmenbedingungen verbessert werden.“

Alois Kainz (FPÖ) sieht einen Ausbaubedarf an Pflegeassistenzen und Serviceassistenzen (für hauswirtschaftlichen Bereich). Sie sollen Pflegekräfte unterstützen, weil durchaus Überforderung zu beobachten sei. „Wir brauchen künftig eine Berufs-Charme-Offensive, damit wir mehr junge Leute in den Pflegeberuf bekommen.“ Er will mehr Geld in die stationäre Pflege fließen lassen. Der Budgetposten sei im Vergleich zum allgemeinen Gesundheitssystem unterdotiert. Man müsse Personal schulen und Sicherheitspersonal bereitstellen, um „Gewalt in der Pflege“ einzudämmen.

Douglas Hoyos-Trauttmannsdorff (NEOS) glaubt nicht, dass mehr Medizin-Studienplätze Probleme lösen könnten. Österreich habe europaweit eine der höchsten Dichten. Er schlägt vor, Geld vom stationären in den niedergelassenen Bereich umzuschichten. Die „finanzknappe Gebietskrankenkasse“ könnte dann attraktivere Honorare anbieten, Spitäler würden entlastet. Er fordert den Ausbau von Primärversorgungsnetzwerken, da Jungärzte zunehmend in Teams arbeiten wollen. Einbinden würde er darin auch gerne den Pflegebereich, in dem Prävention eine viel stärkere Rolle spielen soll.

Martin Litschauer (Die Grünen) fordert ein Mehr an Medizin-Studienplätzen. Der Bedarf müsse anhand statistischer Daten eruiert werden. Man müsse sich zudem überlegen, ob das Verdienstmodell der Kassenärzte noch passend sei. „Wenn die Aufgaben immer mehr, und die Verträge immer schlechter werden, wird die Situation nicht besser werden.“ Er spricht sich für eine medizinische Grundversorgung aus, die auch im Waldviertel auf kurzen Wegen erreichbar ist. Er tritt für eine bessere Unterstützung der Pflege zu Hause ein: „Damit Familien nicht allein gelassen werden.“