Nationalratswahl 2019: Wer hat die Chance auf Mandat?. Ein Überblick über Waldviertels Spitzenkandidaten und die Themen, die sie einbringen wollen.

Johannes Zinner

Weniger als zwei Jahre nach der Abstimmung über die Zusammensetzung des Nationalrates steht am 29. September infolge der „Ibiza-Affäre“ die nächste Wahl an. Zur Urne schreiten im Wahlkreis um 1.400 Stimmberechtigte weniger als 2017. Die Ausgangslage: In keinem der acht Regionalwahlkreise war die ÖVP 2017 erfolgreicher als im Waldviertel, die SPÖ nirgendwo schwächer. Die FPÖ lag im Landestrend, während der Rest nur Nebenrollen spielte.

Die „Türkisen“ stellen mit Martina Diesner-Wais aus Pürbach (Bezirk Gmünd) und Lukas Brandweiner aus Groß Gerungs (Bezirk Zwettl) die Hälfte der über das Wahlkreis-Ergebnis gekommenen Abgeordneten. Beide Mandate gelten als gesichert, ein drittes wäre nur bei sensationellem Zugewinn möglich. Wurden die Mandate in der ÖVP zuletzt anhand der Vorzugsstimmen vergeben, entscheiden jetzt die Listenplätze.

"Ich hoffe, dass mir die Wähler wieder das Vertrauen schenken"

Diesner-Wais, seit 16 Jahren Abgeordnete, will „bei der Wahl auf alle Fälle noch zulegen“. Die Waldviertler Themen seien Landwirtschaft, Dezentralisierung von Ämtern („möchten den Weg fortsetzen“), die Infrastruktur für (öffentlichen) Verkehr und Breitband, Gesundheit, Pflege („verstärkt zu Hause“) und Klima („CO -Neutralität ist ein unbedingtes Muss“). Günter Steindl aus Gföhl (Bezirk Krems) steigt als Waldviertels SPÖ-Spitzenkandidat in den Ring.

Ihm ist bewusst, dass das rote Mandat im Waldviertel knapp (mit 1.500 Stimmen!) abgesichert ist und will „noch mehr persönlichen Einsatz“ zeigen. Das Waldviertel soll „vom Stiefkind der Politik zur lebenswertesten Region Österreichs“ werden. Arbeitsplätze stehen auf der Agenda ganz oben. Mehr Bildungsmöglichkeiten („Waldviertel ist prädestiniert für eine Holz-HTL“) und die Stärkung des regional stark vertretenen Bundesheeres sind Ziele.

Der Waldviertler Spitzenkandidat der FPÖ kommt aus dem Bezirk Zwettl. Der Einzug von Alois Kainz ist sehr wahrscheinlich. Er selbst gibt sich eher demütig: „Ich hoffe, dass mir die Wähler wieder das Vertrauen schenken.“ Der Allentsteiger möchte sich am Gesundheitssektor gegen den Landärztemangel einsetzen, Landwirte und Gastwirte besser unterstützen und bei der Ökostrom-Förderung nachbessern. Das Pflegethema werde zudem schlagend.

Koalition mit ÖVP wäre für Hoyos „schwierig“

Douglas Hoyos aus Raan bei Schönberg am Kamp (Bezirk Krems) geht für die NEOS im Wahlkreis als Spitzenkandidat ins Rennen. Sein größtes Anliegen „nicht nur für das Waldviertel, sondern alle Regionen“: Eine umfangreiche Schulautonomie, sowohl, was das Personal, als auch das Budget betrifft. Dass eine Koalition mit der ÖVP – sollte sich das ausgehen – eine Idealkonstellation wäre, unterschreibt Hoyos nicht. „In der Bildungsfrage liefert die ÖVP nichts. Wenn nichts kommt, ist es schwierig, eine Übereinstimmung zu finden.“

Martin Litschauer, Spitzenkandidat der Grünen im Wahlkreis, aus Thaya (Bezirk Waidhofen) hat Chancen auf ein Nationalratsmandat. Ihm liegen zwei Themen am Herzen. Klimaschutz und Energiewende sowie die Mobilität. Ziel ist es, mit dem Ausbau des gesamten Spektrums der Erneuerbaren Energie, die Region energieautark, vielleicht sogar zum Exporteur zu machen, das würde sowohl Infrastruktur als auch Beschäftigung ins Waldviertel bringen“. Er fordert das 365 Euro-Jahresticket für die Öffis und deren Ausbau im Waldviertel.

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