Skepsis zu neuen FJB-Verträgen. Land NÖ kündigt Grob- und Detailplanung für Gmünd-Absdorf an. Hohenbichler fordert „endlich Taten statt Worte“.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 01. September 2019 (12:21)
Josef Bollwein, Martin Kalchhauser
Die Meldung über Verträge von VP-Mobilitäts-Landesrat Ludwig Schleritzko mit den Bundesbahnen freute Pendler – und brachte Bahn-Aktivist Gerald Hohenbichler auf die Palme.

Das Vertrauen auf den Inhalt positiver Meldungen in Sachen öffentlicher Verkehr ist unter Waldviertler Öffi-Nutzern nach Jahrzehnten der Ankündigungen und Enttäuschungen von überschaubarer Größe. So folgten nach einer Beschwerde-Flut über die Anfang August in Kraft getretenen Buspläne mit neuem Busmaterial auch scharfe Worte von Bahn-Aktivist Gerald Hohenbichler (Initiative Pro FJB) zu einer Meldung zur Franz-Josefs-Bahn aus dem Büro von VP-Mobilitäts-Landesrat Ludwig Schleritzko.

Land NÖ und ÖBB hätten Verträge zur Weiterentwicklung der FJB unterzeichnet, stand in der Meldung, die Infrastruktur solle zwischen Gmünd und Absdorf-Hippersdorf „in den kommenden Jahren eine deutliche Verbesserung erfahren“. Und: Dank Weiterentwicklungen etwa zur Anhebung des Maximaltempos auf 160 km/h, für Erneuerungen an Oberbau, Brückenbauwerken, Durchlässen und Oberleitungen sowie zur Adaptierung von Signaltechnikanlagen solle ein REX-Stundentakt zwischen Wien und Gmünd sowie ein verstärktes Angebot in der Hauptverkehrszeit für Wien-Gmünd bzw. Wien-Sigmundsherberg möglich werden.

 „Drüben ist man im Gegensatz zu uns aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht.“ Gerald Hohenbichler über fixe Pläne in Südböhmen

 „Wir wissen längst, dass das alles möglich ist“, poltert Hohenbichler: „Was wir wollen, das sind endlich einmal Taten, nicht wieder nur Worte. Diese Verträge sind nur weitere unverbindliche Absichtserklärungen.“

„Stimmt nicht“, kontert Schleritzko-Sprecher Florian Krumböck – und präzisiert: Zwischen Land NÖ und ÖBB sei ein klares Ziel definiert worden, das bis spätestens 2025 umgesetzt sein soll. Die Verträge umfassen demnach mit der grob definierten Infrastruktur-Entwicklung und detaillierteren Planungsverträgen – nach aktuellem Stand etwa für die Erneuerung des Oberbaus auf 15,7 Streckenkilometern beziehungsweise von Oberleitungen auf etwa 16 km – zwei der drei Stufen am Weg zur Realisierung.

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Gerald Hohenbichler: „Diese Verträge sind nur weitere unverbindliche Absichtserklärungen.“

Die Planungsverträge umfassen alle Schritte von der Entwurf- über die Einreich-, Detail- und Ausschreibungsplanung bis zu Behördenverfahren. Das Land NÖ trage für diese Maßnahmen 40 Prozent der Kosten, die ÖBB-Infrastruktur den Rest. Finanzierung und Realisierung sollen als letzte Schritte mit dem nächsten Bundesministerium ausgearbeitet und in den ÖBB-Rahmenplan integriert werden.

Was die Erhöhung auf Tempo 160 km/h bringe, wo doch gerade der flotte City-Jet durch Doppelstock-Material (maximal 140 km/h) ersetzt wird, fragt Hohenbichler. 15 Minuten Fahrzeitverkürzung für Gmünd-Wien wären ab Dezember tatsächlich drin gewesen, aber nur mit typenreinem Einsatz von City-Jets. Man gehe davon aus, dass auf einer ertüchtigten Strecke adäquates Material fahren werde, heißt es aus dem Büro Schleritzko.

Mehr gehe derzeit auf tschechischer Bahnseite weiter, berichtet indes Hohenbichler.

Positive Signale aus Südböhmen

Die Strecke eské Velenice-Veselí-Prag (mit in Bau befindlicher Neubautrasse) werde ab 2025 in 1:56 statt derzeit 3:06 Stunden gefahren, jene zwischen Veselí und Velenice in 35 statt 55 Minuten. Letztere werde ab 2020 und bis 2023 elektrifiziert. Ab Dezember sollen erstmals nach 30 Jahren wieder Direktzüge von Velenice nach Prag fahren. „Drüben ist man im Gegensatz zu uns bereits aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht“, raunt Hohenbichler.