Experten fordern raschere Klimaschutzmaßnahmen. Experten haben am Dienstag bei einer von ÖVP, Grünen und dem parteifreien Abgeordneten Gerhard Steier beantragten Enquete im Burgenländischen Landtag raschere Klimaschutzmaßnahmen gefordert.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 24. September 2019 (15:41)
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"Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, vor der wir in diesem Jahrhundert stehen", warnte etwa der Chef der ORF-Wetter-Redaktion, Marcus Wadsak.

"Der Klimawandel ist nicht neu, nur passiert er nun zwanzigmal schneller als beim Ende der letzten Eiszeit", erklärte der Meteorologe. Die fünf heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 251 Jahren habe es innerhalb der vergangenen 20 Jahre gegeben. "Wenn wir nichts tun, wird's nachher viel teurer", betonte er. Derzeit gebe es aber noch keinen wissenschaftlichen Grund, warum die Pariser Klimaziele nicht erreicht werden sollten. Das Burgenland könne zudem vieles auf Bundesebene vorgeben.

"Ziel ist es, Lebensbedingungen erhalten", sagte Leonore Gewessler, Geschäftsführerin von Global 2000 und Kandidatin der Grünen Bundesliste. Um die Klimaziele für 2050 zu erreichen, müsse man den Energieverbrauch um 50 Prozent senken, die CO2-Emissionen müssten sogar um 90 Prozent reduziert werden. Positiv bewertete sie das Engagement des Burgenlandes bei der Windkraft, kritisch sah sie, dass das Burgenland wegen des vielen Verkehrs im österreichweiten Vergleich den höchsten CO2-Ausstoß aufweise.

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Herbert Lechner von der Österreichischen Energieagentur betonte, dass der Klimawandel besonders ein gesellschaftliches, kein technisches Thema sei. "Es wird Anstrengungen und Geld brauchen und es wird Verlierer geben", sagte er und empfahl, konkrete Pläne für den Verkehr und den Wohnraum für eine Welt mit erreichten Klimazielen zu formulieren. "Österreich ist auf die Produktion des Burgenlandes angewiesen", erklärte er in Bezug auf die vielen Windkraftanlagen. Für die Klimaziele 2030 müssten in Österreich jährlich 22 Milliarden Euro investiert werden, den öffentlichen Verkehr ausgenommen. Besonders Windenergie müsse noch weiter ausgebaut werden.

Für den Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL), Andreas Kranzler, wirkt sich besonders der hohe Fleischkonsum negativ auf das Klima aus: "Die Österreicher essen zu viel Fleisch, das ist ungesund und klimaschädlich", sagte er und schlug eine Reduktion des Fleischkonsums um "33 bis 66 Prozent" vor. Kranzler forderte zudem eine Reduktion der Lebensmittelabfälle um 50 Prozent und sprach sich für eine vermehrt regionale und saisonale Ernährung aus.

Klimaschutz-Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ) stellte fest, dass das Burgenland trotz seiner Größe in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle einnehme. So könnte man allein mit dem im Burgenland aus Windkraft erzeugten Strom "zwei Drittel aller Haushalte in Wien" versorgen. Das Budget für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs habe man in den letzten vier Jahren vervierfacht.

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Die FPÖ-Abgeordnete Karin Stampfel lehnte hingegen neue Steuern auf CO2 und Fleisch ab, denn dies führe zwar zu mehr Geld im Steuertopf, aber nicht zu weniger CO2. Auch für ÖVP-Landesparteiobmann Thomas Steiner kommt eine CO2 Steuer "nicht in Frage, solange keine Chancengleichheit gegeben ist". Das Burgenland habe bisher in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu wenig investiert. "Moralisches Diktat wird uns nicht weiterbringen. Wir müssen die Menschen dazu bringen, einen Beitrag zu leisten", sagte Kilian Brandstätter (SPÖ).

"Wir können viel mehr Pendler auf die schiene Bringen, wenn das Angebot passt", stellte Manfred Kölly (Bündnis Liste Burgenland - LBL) fest. "Das können wir nur gemeinsam schaffen, jenseits von parteipolitischen Grenzen", betonte er. Auch Wolfgang Spitzmüller (Grüne) forderte einen "massiven Schienen- und Öffiausbau mit günstigeren Tickets" und sprach sich für die Einführung eines Pfandsystems für Getränkebehälter aus.